Pharmas Einkaufswoche: Viel Geld für fremde Labore, wenig Applaus der Börse
Sanofi, Novartis und Novo Nordisk sichern sich externe Wirkstoffe; zugleich belasten Kursverluste und eine Zulassungsverzögerung die Aktien.

- Sanofi erweitert Allianz mit Regeneron
- Novartis lizenziert chinesische mRNA-Therapie
- Novo verschiebt US-Zulassung von Denecimig
- Ceconomy-Übernahmeprüfung in Brüssel läuft
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
drei Pharmakonzerne haben in dieser Woche zusammen fast 19 Milliarden Dollar für fremde Wirkstoffe zugesagt. Sanofi, Novartis und Novo Nordisk kaufen damit Pipeline gegen auslaufende Patente und gescheiterte Eigenprojekte.
Die Börse quittiert das nicht mit Vorschuss, sondern mit Skepsis: Sanofi schloss am Freitag auf einem Jahrestief. Für Anleger ist das die interessantere Geschichte als der Arbeitsmarkt, denn hier werden gerade die Umsatzbringer der 2030er-Jahre verteilt.
Sanofi kauft sich gegen die Dupixent-Klippe ein und fällt trotzdem
Acht Milliarden Dollar für frühe Hoffnungsträger: So teuer ist es, wenn der eigene Nachfolger fehlt. Sanofi hat am Donnerstag seine Allianz mit Regeneron um vier langwirksame Antikörper erweitert. Sanofi zahlt 1 Milliarde Dollar sofort, bis zu 7 Milliarden Dollar folgen bei Meilensteinen in Entwicklung, Zulassung und Vermarktung.
Kosten und künftige Gewinne werden hälftig geteilt, Regeneron führt die Forschung, Sanofi den weltweiten Vertrieb. Der am weitesten fortgeschrittene Kandidat REGN20423 steckt in einer Phase-1-Studie bei Neurodermitis, drei weitere sollen 2027 in die Klinik gehen. Der alte Rechtsstreit zwischen den Partnern ist beigelegt.
Der Hintergrund ist eine Abhängigkeit, die jeder Sanofi-Aktionär kennen sollte. Dupixent stand 2025 für 36 Prozent des Konzernumsatzes von fast 44 Milliarden Euro, der Patentschutz läuft gegen Ende des Jahrzehnts aus. Die neuen Antikörper zielen auf dieselben Entzündungswege, nur mit längerer Wirkdauer.
Am Freitag verlor die Sanofi-Aktie 3,5 Prozent auf 70,65 Euro, im Tagesverlauf markierte sie ein neues 52-Wochen-Tief bei 70,35 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 15 Prozent. Regeneron, das Geld und Optionsrechte auf das COPD-Mittel Lunsekimig erhält, verlor am Donnerstag im US-Handel zeitweise 4 Prozent und schloss am Freitag praktisch unverändert.
Der Markt sagt damit etwas Klares: Acht Milliarden Dollar für Phase-1-Moleküle sind der Preis dafür, dass Sanofi den Nachfolger nicht selbst hat – und bis 2031 bleibt das Risiko beim Käufer.
Novartis und Novo: China wird zur Apotheke der Pipelines
Die Forschung der europäischen Pharmariesen wandert nach Osten. Novartis lizenzierte am Freitag von Abogen Biosciences aus China die mRNA-Autoimmuntherapie ABO2203, für bis zu 7,8 Milliarden Dollar. Davon fließen 575 Millionen Dollar sofort, bis zu 7,2 Milliarden Dollar hängen an Erfolgsmeilensteinen.
Der Wirkstoff soll krankheitsverursachende B-Zellen bei Lupus und rheumatoider Arthritis ausschalten. Brisant daran: Novartis hatte eigene Zelltherapiestudien nach drei Todesfällen pausiert und kauft nun den Ersatz zu. Die Novartis-Aktie reagierte kaum, liegt aber auf 30-Tage-Sicht 10 Prozent im Minus.
Novartis ist kein Einzelfall. Novo Nordisk sicherte sich Anfang der Woche eine orale Adipositas-Pille von Jiangsu Hengrui für 2,6 Milliarden Dollar. AstraZeneca steckte 2 Milliarden Dollar in Summit Therapeutics für ein Akeso-Krebsmittel.
GSK zahlte bis zu 750 Millionen Dollar an Chimagen. Westliche Konzerne kaufen chinesische Forschung, weil sie schneller und billiger ist als die eigene. Wer in europäische Pharma investiert, finanziert künftig zu einem wachsenden Teil chinesische Labore.
Bei Novo Nordisk kam am Freitag zudem eine Verzögerung hinzu. Die US-Zulassung des Hämophilie-Mittels Denecimig verschiebt sich über das dritte Quartal hinaus, weil eine Produktionsstätte nachgebessert werden muss.
Die klinischen Daten wurden nicht beanstandet, der US-Start soll nun im ersten Halbjahr 2027 kommen, die Prognose für 2026 bleibt. Wichtiger für die Novo-Aktie ist die für Ende 2026 erwartete FDA-Entscheidung zu CagriSema.
Neue Daten vom Diabeteskongress zeigten 22,4 Prozent Gewichtsverlust gegenüber Placebo über 52 Wochen. Die Novo-Aktie schloss bei 33,06 Euro, 25 Prozent unter Jahresbeginn und weit unter dem Januar-Hoch von 54,86 Euro. Novo ist damit die Pharma-Wette mit dem klarsten Termin: Zulassung Ende 2026 oder weitere Monate Geduld.
Ceconomy: Brüssel winkt JD.com durch, Wien prüft noch
Für Ceconomy-Aktionäre geht es nur noch um das Wann. Die EU-Kommission steht nach Insiderangaben kurz davor, die Übernahme der MediaMarkt-Saturn-Mutter Ceconomy durch JD.com zu genehmigen. Das Angebot des chinesischen Onlinehändlers bewertet den Deal mit rund 2,2 Milliarden Euro.
Brüssel hatte seit Mai 2026 geprüft, ob chinesische Staatshilfen den Wettbewerb verzerren. JD.com hat dafür zugesagt, Konkurrenten fairen Zugang zu seiner europäischen Logistik und Technologie zu geben, und diese Zusagen zuletzt nachgebessert. Die Entscheidung ist bis zum 4. November fällig, die österreichische Prüfung läuft noch.
Die Ceconomy-Aktie stieg am Freitag um 3,9 Prozent auf 4,38 Euro und auf Wochensicht fast 11 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 4,58 Euro aus dem Dezember 2025 ist in Reichweite.
JD.com selbst gab 2,3 Prozent nach und notiert nach zwölf Monaten 25 Prozent tiefer. Für Ceconomy-Aktionäre ist das Restrisiko überschaubar geworden: Der Deal gibt JD.com Zugriff auf mehr als 1.000 Filialen, und die verbleibende Frage ist das Datum, nicht das Ob.
Evonik sagt Nein zu BASF, die Aktie spekuliert auf mehr
Ein Nein, das den Kurs nicht schreckt. Evonik hat die Übernahmeofferte von BASF über 22,15 Euro je Aktie oder 10,3 Milliarden Euro zurückgewiesen. Die Evonik-Aktie stieg trotzdem auf Wochensicht mehr als 10 Prozent und markierte am Freitag mit 20,74 Euro ein 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat Evonik 55 Prozent gewonnen. Der Schlusskurs von 20,66 Euro liegt noch deutlich unter dem Angebotspreis.
Der Markt preist also einen Abschlag für Unsicherheit ein, nicht eine Prämie für ein höheres Gebot. BASF-Aktionäre reagierten gelassen, die BASF-Aktie legte am Freitag ein Prozent zu und steht seit Januar 13 Prozent höher. Wer Evonik hält, wettet jetzt darauf, dass BASF nachlegt oder ein zweiter Bieter auftaucht – ohne beides wäre das Jahreshoch der Zenit.
Nike warnt, Adidas trotzt
Nikes Absturz bleibt vorerst ein amerikanisches Problem. Nike meldete am Donnerstagabend einen Quartalsumsatz von 11,2 Milliarden Dollar, ein Minus von 4 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Nike nur noch 1,15 bis 1,35 Dollar Gewinn je Aktie, der Konsens lag bei 1,67 Dollar.
Nike begründete die Umsatzwarnung mit China und kündigte Stellenabbau an. Die Nike-Aktie fiel am Freitag um 3,6 Prozent und im Tagesverlauf auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 27,91 Euro. Nach zwölf Monaten steht ein Verlust von 53 Prozent.
Adidas schloss am Freitag dennoch leicht im Plus, Puma gab leicht nach. Dass die Frankfurter Sportwerte der Nike-Vorlage nicht folgten, ist ein Hinweis darauf, dass der Markt Nikes Probleme als hausgemacht liest. Bei Puma, das in 30 Tagen fast 10 Prozent verlor, bleibt die Bewährung aber offen.
Der globale Kompass
Diese Woche hatte ein klares Muster: Wer Wirkstoffe zukauft, muss sich erklären, wer übernommen werden soll, wird belohnt. Die Makro-Lage bleibt der Hintergrund, nicht der Taktgeber.
Die Eurozonen-Inflation stieg im September auf 3,8 Prozent, ein Dreijahreshoch, und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte am Donnerstag mit 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2002. Dann enttäuschte der US-Arbeitsmarkt mit nur 29.000 neuen Stellen, und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im Oktober brach von rund 64 auf etwa 20 Prozent ein.
Der Nasdaq 100 nutzte das für ein Rekordhoch, Nvidia ebenfalls, gestützt von einem um 150 auf 235 Milliarden Dollar aufgestockten Rückkaufprogramm. Brent fiel nach der G7-Freigabe von 100 Millionen Barrel kurz unter die 100-Dollar-Marke zurück.
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In Frankreich weitete sich der Renditeabstand zu Bundesanleihen auf über 150 Basispunkte, den höchsten Wert seit 2011, und kommende Woche kommt der Haushaltsentwurf für 2027.
Die Termine: Am Sonntag wählt Brasilien, am Montag hält die Deutsche Telekom ihren KI-Investorentag und Twilio rückt in den S&P 500. Am Dienstag lädt Marvell Anleger, am Mittwoch folgen der Porsche-Kapitalmarkttag und das Fed-Protokoll, am Donnerstag legt TSMC die Neun-Monats-Umsätze vor.
Und bis zum 4. November entscheidet Brüssel über Ceconomy. Nutzen Sie den ausklingenden Samstag für einen ruhigen Blick ins Depot, bevor Brasilien und die Telekom den Takt der neuen Woche setzen.
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