Plug Power Aktie: 80 Millionen Dollar aus Infrastruktur-Verkauf

Plug Power steigert Umsatz und senkt Kosten, finanziert den Übergang aber weiter durch Projektverkäufe und setzt auf ein positives EBITDA 2026.

Die Kernpunkte:
  • Projektverkäufe bringen kurzfristig Liquidität
  • Umsatz übertrifft Markterwartungen
  • Betriebskosten halbieren sich auf 62 Millionen Dollar
  • Roth optimistisch, Wolfe bleibt neutral

Es gibt Aktien, bei denen sich die Anleger fragen, ob das Geschäftsmodell trägt. Bei Plug Power ist die Frage längst eine andere geworden: Reicht das Geld, bis das Modell trägt? Diese Verschiebung sagt mehr über den Zustand der Wasserstoffbranche aus als jede einzelne Kennzahl.

Vor gut drei Wochen hatte Roth Capital sein Kursziel für Plug Power angehoben, begründet mit dem Vertrauen in die im August vorgelegten Quartalszahlen. Seither hat das Papier rund 9,2 Prozent verloren.

Wer daraus schließt, der Markt glaube den Analysten nicht, verpasst den eigentlichen Punkt: Der Kurs bewegt sich nicht entlang von Kurszielen, sondern entlang der Frage, ob Plug Power sein Geld zusammenhält, bis operative Verbesserungen tatsächlich Substanz gewinnen.

Ein Unternehmen, das sich selbst verkauft, um zu überleben

Die eigentliche Geschichte dieses Sommers ist keine Wachstumsstory, sondern eine Liquiditätsgeschichte. Plug Power hat im Juli den Verkauf des Graham-Texas-Projekts angekündigt, kombiniert mit der stufenweisen Übergabe der New-York-Gateway-Anlage an Stream Data Centers.

Zusammen sollen diese Transaktionen mehr als 80 Millionen Dollar an kurzfristiger Liquidität bringen. Bereits im Juli und August sind rund 47 Millionen Dollar zugeflossen, insgesamt hat das laufende Programm bislang etwa 52 Millionen Dollar eingebracht.

Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie ein Unternehmen der zweiten Wasserstoffgeneration überlebt: nicht primär über operative Cashflows, sondern über den Verkauf eigener Infrastrukturprojekte.

Die New-York-Gateway-Anlage war ursprünglich als eigenes Wasserstoffprojekt gedacht, im Februar hatte Plug Power eine endgültige Vereinbarung über deren Verkauf mit Bruttoerlösen von mindestens 132,5 Millionen Dollar geschlossen, mit einem möglichen Abschluss bis Ende Juni.

Aus Wachstumsprojekten werden so Bargeldquellen. Eine Branche, die einst mit Elektrolyseur-Gigafactories warb, verkauft heute Betonfundamente und Netzanschlüsse, um die Uhr bis zur schwarzen Zahl weiterlaufen zu lassen.

Die operative Seite: Fortschritt, aber kein Befreiungsschlag

Das soll nicht heißen, dass sich operativ nichts bewegt. Die vor rund zwei Wochen gemeldeten Quartalszahlen zeigten einen Umsatz von 178,3 Millionen Dollar, deutlich über der Konsensschätzung von 168,8 Millionen Dollar. Die Bruttomarge näherte sich der Nulllinie, nachdem sie im Vorjahresquartal noch bei minus 30,7 Prozent und im Vorquartal bei minus 13 Prozent gelegen hatte.

Die Betriebskosten sanken um die Hälfte auf 62 Millionen Dollar. Im Servicegeschäft wuchs der Umsatz um 82 Prozent auf 30 Millionen Dollar bei einer Marge von 27 Prozent, im Materialhandling-Geschäft stieg die Zahl ausgelieferter GenDrive-Brennstoffzellen um 125 Prozent auf 1.666 Einheiten.

Das Unternehmen selbst hat als Ziel ein positives bereinigtes EBITDA im vierten Quartal 2026 ausgegeben. Genau darin liegt die eigentliche Wette, die Anleger derzeit eingehen: nicht auf ein bestimmtes Kursziel, sondern darauf, ob dieses eine Quartal tatsächlich die Wende bringt, bevor die Liquiditätspolster aufgebraucht sind.

Parallel dazu zeigt das internationale Geschäft, dass Plug Power weiterhin als Ausrüster großer Projekte gefragt ist. Im Juli erreichte Oricas Hunter-Valley-Wasserstoffprojekt in Australien die endgültige Investitionsentscheidung – nach eigenen Angaben das größte Projekt für erneuerbaren Wasserstoff des Landes, das diesen Meilenstein je erreicht hat.

Plug Power sicherte sich dabei einen Auftrag über einen 50-Megawatt-GenEco-Elektrolyseur. Solche Aufträge belegen, dass die Technologie gefragt bleibt, auch wenn sie das Liquiditätsproblem nicht lösen.

Was von der Analystenreaktion bleibt

Die Kursziel-Anhebung durch Roth Capital vom 12. August, verbunden mit der Bestätigung der Kaufempfehlung, fiel in die Tage nach der Zahlenvorlage und spiegelte damals die Zuversicht wider, dass Margenverbesserung und Umsatzwachstum anhalten.

Wolfe Research reagierte zurückhaltender und beließ es bei einer neutralen Einstufung. Diese unterschiedliche Lesart – Zuversicht bei den einen, Abwarten bei den anderen – bringt die Lage von Plug Power auf den Punkt: Die operativen Daten verbessern sich sichtbar, doch ob das Tempo reicht, bevor das nächste Loch im Finanzierungsplan auftaucht, bleibt eine offene Rechnung.

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