Plug Power Aktie: GenDrive-Absatz springt 125 Prozent
Plug Power übertrifft mit Q2-Zahlen die Prognosen und reduziert den Verlust. Der Wasserstoffkonzern treibt Projekte und Finanzierungsmaßnahmen voran.

- Umsatz steigt auf 178,3 Millionen Dollar
- Verlust je Aktie sinkt auf 0,07 Dollar
- Cash-Verbrauch um 58 Prozent reduziert
- EBITDAS-Ziel für Q4 bleibt bestehen
Es gibt Aktien, die man nicht mehr allein am Kurs misst, sondern an der Frage, ob eine ganze Idee noch trägt. Plug Power ist so ein Fall. Der Wasserstoff-Pionier aus Latham im US-Bundesstaat New York steht seit Jahren für das Versprechen einer Energiewende, die mehr kann als Sonne und Wind – und für die ernüchternde Realität, dass dieses Versprechen Geld kostet.
Viel Geld. Am Montag hat das Unternehmen Zahlen vorgelegt, die genau in diesem Spannungsfeld liegen: kein Befreiungsschlag, aber ein handfestes Lebenszeichen.
Ein Quartal, das die Richtung ändert
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 178,3 Millionen Dollar und übertraf die Erwartungen von 168,76 Millionen Dollar. Der bereinigte Verlust pro Aktie fiel mit 0,07 Dollar geringer aus als die prognostizierten 0,08 Dollar. Zahlen, die für sich genommen unspektakulär wirken – und die doch zeigen, dass Plug Power an mehreren Fronten gleichzeitig Boden gewinnt.
Die Bruttomarge näherte sich der Nulllinie, nachdem sie im Vorjahresquartal noch bei minus 30,7 Prozent gelegen hatte. Die Betriebskosten sanken im Jahresvergleich um die Hälfte auf rund 62 Millionen Dollar. Und der Netto-Cash-Verbrauch verbesserte sich gegenüber dem Vorquartal um 58 Prozent auf etwa 61 Millionen Dollar. Man muss kein Wasserstoff-Enthusiast sein, um zu erkennen: Hier wird nicht mehr nur gewachsen, sondern auch aufgeräumt.
Im Materialtransport-Geschäft, dem traditionellen Kerngeschäft mit Gabelstaplerantrieben, wuchs der Absatz der GenDrive-Einheiten um 125 Prozent auf 1.666 Stück. Das Servicegeschäft legte um 82 Prozent zu – ein Segment, das planbarer und margenstärker ist als das reine Anlagengeschäft und das Unternehmen langfristig verlässlicher machen könnte.
Die Kasse, der Dauerbrenner
Wer Plug Power seit Jahren begleitet, kennt die immer gleiche Sorge: Reicht das Geld? Das Unternehmen verfügte zum Quartalsende über unrestricted Cash von 161,9 Millionen Dollar. Um diese Position zu stärken, treibt Plug Power ein Programm zur Vermögensmonetarisierung und nicht-verwässernden Finanzierung im Volumen von 275 Millionen Dollar voran – im Juli und August wurden daraus bereits rund 47 Millionen Dollar realisiert.
Konkreter wurde es zuletzt Mitte Juli: Der Verkauf des Projekts in Graham, Texas, an Stream US Data Centers soll bis zu 76,5 Millionen Dollar einbringen, plus die Freigabe von rund 14 Millionen Dollar an Barsicherheiten – zusammen ein Liquiditätspotenzial von etwa 90,5 Millionen Dollar.
Parallel wurde die Vereinbarung zum New York Gateway Project mit einem fixierten Kaufpreis von 142 Millionen Dollar neu verhandelt, die Frist läuft nun bis Ende März 2027. Das ist die eigentliche Erzählung hinter der Erzählung: Plug Power verkauft sich nicht selbst aus, sondern verkauft Projekte, um seine Kernstrategie zu finanzieren.
Projekte als Beleg für die These
Dass die Wasserstoffstrategie nicht nur auf dem Papier existiert, zeigen mehrere Projektentscheidungen der vergangenen Wochen. In Großbritannien fiel die finale Investitionsentscheidung für den 30-Megawatt-Abschnitt des Barrow Green Hydrogen Projects für Carlton Power – ein Teil eines im November 2025 vergebenen 55-Megawatt-Auftrags, dessen restliche 25 Megawatt noch in diesem Jahr entschieden werden sollen.
In Australien erreichte der 50-Megawatt Hunter Valley Hydrogen Hub bei Newcastle die Investitionsfreigabe; die dortigen GenEco-Elektrolyseure von Plug Power sollen künftig rund 4.700 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff pro Jahr ermöglichen. In Quebec wurde Plug Power zudem für das 275-Megawatt-Projekt Hy2gen Courant ausgewählt.
Das Management hält am Ziel fest, im vierten Quartal ein positives EBITDAS zu erreichen. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob sich Marge, Kostendisziplin und Projektpipeline weiter so entwickeln wie zuletzt.
Was der Kurs davon hält
Der Markt hat die Zahlen honoriert, wenn auch mit Zurückhaltung: Am Dienstag schloss die Aktie bei 1,93 Euro, ein Plus von 4,71 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Zuwachs von 7,40 Prozent, auf Jahressicht von 46,60 Prozent zu Buche.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 4,04 Euro, notiert im Oktober 2025, ist der Titel mit gut der Hälfte Abstand aber noch weit entfernt. Die Aktie bewegt sich derzeit unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts von 2,17 Euro – ein Zeichen, dass der jüngste Optimismus den mittelfristigen Trend noch nicht gedreht hat.
Vielleicht ist das die treffendste Beschreibung der Lage: Plug Power liefert operative Fortschritte, die sich lesen lassen, während der Kurs die Skepsis der vergangenen Jahre noch nicht ganz abgelegt hat. Ob aus dem einen das andere wird, entscheidet sich nicht an einem Quartal, sondern daran, ob aus Projektankündigungen tatsächlich verlässliche Cashflows werden.
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