Plug Power Aktie: Von 3,72 Euro auf 1,87 Euro — 50-Prozent-Crash

Plug Power verzeichnet starke Kursschwankungen bei hoher Leerverkaufsquote. Analysten sehen trotz operativer Fortschritte weiterhin Risiken durch den hohen Cash-Verbrauch.

Die Kernpunkte:
  • Aktie auf Monatssicht stark gefallen
  • Leerverkaufsquote steigt auf 27,4 Prozent
  • RSI signalisiert überverkaufte Lage
  • Umsatzwachstum im ersten Quartal

Ist Plug Power ein Geschäftsmodell, das sich langsam kaputtblutet? Oder eine Zockeraktie, bei der die Stimmung schneller schwankt als die Fundamentaldaten es je könnten? Kaum eine Aktie zeigt diese Zerrissenheit gerade so deutlich wie der Wasserstoff-Konzern aus New York.

Ein Jahr im Plus, ein Monat im Absturz

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 1,87 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,48 Prozent, auf Monatssicht ein deutlich schärferer Rückgang von 19,05 Prozent. Die annualisierte Volatilität von 50,35 Prozent zeigt, wie brutal die Kursausschläge in beide Richtungen ausfallen.

Zoomt man weiter raus, kippt das Bild komplett. Auf Jahressicht liegt Plug Power immer noch 31,78 Prozent im Plus. Die aktuelle Talfahrt ist also eine Korrektur innerhalb einer längeren Erholung, kein Neustart aus dem Nichts.

Diese Erholung ist allerdings ins Stocken geraten. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,72 Euro, erreicht erst am 2. Juni, trennen die Aktie mittlerweile fast 50 Prozent. Der Boden hat trotzdem gehalten: Zum 52-Wochen-Tief von 1,21 Euro aus dem August 2025 liegt noch immer ein Polster von knapp 55 Prozent.

Überverkauft und stark shortgetrieben

Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 27,5 — technisch klar überverkauft. Genau dieses Signal hat bei Plug Power in der Vergangenheit immer wieder kurzfristige Gegenbewegungen ausgelöst. Was diesmal anders ist: die schiere Größe der Wette gegen die Aktie.

Laut Daten von Benzinga ist die Leerverkaufsquote auf 27,4 Prozent gesprungen. Ein beachtlicher Teil des Marktes rechnet also weiter mit fallenden Kursen. Diese Kombination aus überverkauftem Signal und massiver Short-Position ist genau das Setup, das Trader für einen möglichen Short Squeeze beobachten. Genauso oft entpuppt sich ein solches Muster aber als Falle für alle, die auf eine Bodenbildung setzen, die nie kommt.

Die Analysten sind sich ebenso uneinig wie der Markt selbst. Susquehanna beließ das Rating bei „Neutral“, senkte das Kursziel aber von 3,75 auf 2,50 Dollar. Morgan Stanley, ohnehin skeptischer, hob sein Ziel nur minimal auf 1,65 Dollar an — bei weiterhin „Underweight“ und Verweis auf den anhaltenden Cash-Verbrauch des Konzerns. Der Konsens aller Analysten liegt bei 3,10 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 65 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs — ein Hinweis, dass die Wall Street im Schnitt der Turnaround-Story mehr zutraut, als die Kursentwicklung derzeit widerspiegelt.

Operative Fortschritte gegen Bilanz-Skepsis

Die Optimisten verweisen auf handfeste Fortschritte. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 22 Prozent auf 163,5 Millionen Dollar, getragen von Wachstum sowohl im Material-Handling-Geschäft als auch bei Elektrolyseuren. Der bereinigte Verlust je Aktie verbesserte sich von 0,17 Dollar im Vorjahresquartal auf 0,08 Dollar.

Auch bei den Aufträgen läuft es weiter. Das Hunter-Valley-Wasserstoffprojekt in Newcastle, entwickelt vom Industriekonzern Orica, hat die finale Investitionsentscheidung erreicht. Damit ist der Weg frei für die Umsetzung — inklusive einer Bestellung für einen 50-Megawatt-Elektrolyseur. Der Auftragsbestand wächst also weiter, während der Aktienkurs schrumpft.

Die Skeptiker halten dagegen: Nicht das operative Geschäft, sondern Anlageverkäufe und nicht-verwässernde Finanzierungen tragen aktuell die Liquidität. Der eigentliche Test kommt erst mit den Zahlen zum zweiten Quartal. Der Markt wird genau hinschauen, ob sich das Verkaufsprogramm für Vermögenswerte tatsächlich in Cash übersetzt, ob die Margenverbesserung aus dem ersten Quartal Bestand hat, und ob das Management sein Ziel bestätigt, bis zum vierten Quartal 2026 EBITDAS-positiv zu werden.

Ein Patt, keine klare Richtung

Der Chart zeigt derzeit eher einen Stillstand als einen Trend. Hinter der Marktkapitalisierung von 2,77 Milliarden Euro steckt ein Unternehmen, bei dem Optimisten und Pessimisten gleichermaßen Argumente sammeln — während Leerverkäufer und Schnäppchenjäger im selben Papier gegeneinander wetten. Bis die Zahlen zum zweiten Quartal vorliegen, dürften der RSI von 27,5 und die Short-Quote von 27,4 Prozent die kurzfristigen Kursausschläge stärker bestimmen als jeder einzelne Wasserstoff-Auftrag.

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