Plug Power liefert, ITM Power bangt — fünf H2-Aktien an entscheidenden Wegmarken

Plug Power erreicht Meilenstein in England, ITM Power bangt um Subvention. Fünf H2-Aktien zeigen unterschiedliche Entwicklungen im Mai 2026.

Die Kernpunkte:
  • Plug Power: Finale Investitionsentscheidung für Barrow-Projekt
  • ITM Power: Subventionsbescheid am 26. Mai erwartet
  • Ballard Power: Weichai-Ausstieg und Margenverbesserung
  • SFC Energy: Auftragsschub und angehobene Prognose

Fünf Katalysatoren an einem einzigen Tag: Eine Investitionsentscheidung in England, ein Millionenauftrag aus Bayern, eine bevorstehende Subventionsentscheidung in Sheffield, ein Vorstandsumbau in Kanada und eine norwegische Elektrolyseur-Plattform, die Kosten halbieren soll. Der 20. Mai 2026 verdichtet im Wasserstoffsektor so viele Einzelereignisse wie selten ein Handelstag zuvor.

Plug Power: Barrow-Projekt erreicht finale Investitionsentscheidung

Das 30-Megawatt-Projekt Barrow Green Hydrogen im nordenglischen Cumbria hat seine finale Investitionsentscheidung erreicht — für Plug Power ein seltener, greifbarer Meilenstein in Europa. Das Vorhaben wird von der Green Hydrogen Energy Company (GHECO) umgesetzt, einem Joint Venture von Schroders Greencoat und Carlton Power. Plug Power liefert die Elektrolyseure.

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Die Anlage soll jährlich rund 100 GWh grünen Wasserstoff produzieren und damit eine Fabrik von Kimberly-Clark versorgen, die dort Marken wie Andrex und Kleenex herstellt. Der Erdgasverbrauch des Standorts könnte um bis zu 50 % sinken, der CO₂-Ausstoß um 18.300 Tonnen.

Die Nachricht kommt nach einem starken ersten Quartal. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 22 % auf 163,5 Mio. US-Dollar und übertraf die Erwartungen. Die Erlöse aus der Elektrolyseur-Plattform vervierfachten sich nahezu. Das Management peilt für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 13 bis 15 % an und hält am Ziel eines positiven EBITDA im vierten Quartal fest.

Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. B. Riley Securities hält mit einem Kursziel von 5 US-Dollar die Kaufempfehlung aufrecht, TD Cowen stuft die Aktie bei einem angehobenen Ziel von 3 US-Dollar als Halten ein, BMO Capital bleibt bei Underperform. Der Konsens von 22 Analysten lautet „Halten“ — mit einem Durchschnittsziel, das unter dem aktuellen Kurs von 2,89 € liegt. Die Spanne der Kursziele spiegelt den Grundkonflikt wider: bessere Umsätze, aber weiterhin kein Gewinn.

Nel ASA: Technologiesprung ohne Auftragsschub

Nel hat Anfang Mai seine nächste Generation druckbeaufschlagter alkalischer Elektrolyseure vorgestellt — das Ergebnis von mehr als acht Jahren Entwicklung und erfolgreichen Prototypentests in der Anlage in Herøya. Die Plattform soll schlüsselfertige Kosten von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt ermöglichen und die System-Investitionskosten um 40 bis 60 % gegenüber heutigen Marktlösungen senken.

Ein ehrgeiziger Fahrplan untermauert die Pläne: Nach der im Dezember 2025 getroffenen Investitionsentscheidung wird in Herøya eine Produktionskapazität von zunächst einem Gigawatt pro Jahr aufgebaut, perspektivisch skalierbar auf vier Gigawatt. Ein EU-Innovationsfonds-Zuschuss von bis zu 135 Mio. Euro deckt rund 60 % der förderfähigen Industrialisierungskosten.

Zwischen Produktversprechen und Auftragslage klafft allerdings eine Lücke. Der Quartalsumsatz lag mit 151,84 Mio. NOK deutlich unter den erwarteten 193,83 Mio. NOK, der Verlust je Aktie fiel mit -0,08 NOK höher aus als prognostiziert. Der Kurs notiert aktuell bei 0,28 € und damit auf Wochensicht unverändert — im Monatsvergleich allerdings gut 22 % im Plus.

Die Analysten bleiben skeptisch: Kein einziger empfiehlt den Kauf, sieben raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 NOK. Die neue Plattform könnte die Kostenstruktur für grünen Wasserstoff grundlegend verändern — ob der Markt das honoriert, hängt an handfesten Aufträgen.

ITM Power: Subventionsentscheidung als Weichenstellung

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 400 % zugelegt und Mitte Mai erstmals die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen. Jetzt steht der wichtigste Termin des Jahres bevor: Am 26. Mai entscheidet die britische Subventionsbehörde über einen Zuschuss von 46,5 Mio. Pfund für die Chronos-Produktionslinie im Werk Sheffield.

Zusammen mit einer Eigenkapitalzusage von 40 Mio. Pfund durch Great British Energy würde die Förderung die Elektrolyseur-Kapazität auf ein Gigawatt pro Jahr verdreifachen und die Stückkosten um 40 % drücken. Das Management hat signalisiert, bei positivem Bescheid im Juni die finale Investitionsentscheidung zu treffen.

Nur drei Tage später, am 29. Mai, wird ITM Power in den MSCI United Kingdom Small Cap Index aufgenommen. Der erzwungene Kauf durch passive Fonds dürfte die Handelsvolumina anheben und das Unternehmen international sichtbarer machen.

Die operative Entwicklung stützt den Optimismus: Der Halbjahresumsatz erreichte mit 18 Mio. Pfund einen Rekord, für das Gesamtjahr werden über 40 Mio. Pfund angepeilt. Das Auftragsbuch steht bei 152 Mio. Pfund, 71 % der Verträge gelten als profitabel. Bei knapp 200 Mio. Pfund in der Kasse und null Schulden besteht bis Ende des Jahrzehnts kein Finanzierungsbedarf.

Jefferies hat das Kursziel auf 200 Pence angehoben, warnt aber gleichzeitig: Eine Ablehnung des Zuschusses könnte die Aktie um 52 % einbrechen lassen. Sieben von elf Analysten empfehlen den Kauf. Selten war ein binäres Szenario im Wasserstoffsektor so deutlich sichtbar.

Ballard Power: Weichai geht, die Marge kommt

Der Kurssprung von über 11 % am Mittwoch katapultiert Ballard Power auf 3,99 € und damit in Schlagdistanz zum 52-Wochen-Hoch. Im Monatsvergleich beträgt das Plus knapp 50 %. Hinter den Kulissen vollzieht sich allerdings ein tiefgreifender Umbruch.

Der langjährige strategische Partner Weichai Power hat zwischen dem 13. und 15. Mai rund 8,15 Mio. Aktien zu einem Durchschnittspreis von 5,65 CAD verkauft. Die beiden von Weichai nominierten Verwaltungsräte Michael Chen und Huajie Wang traten zurück. Weichai hält nun noch rund 10,3 % der Anteile und verliert damit das Recht auf Vorstandsvertreter. Ein Kapitel geht zu Ende — und öffnet Raum für eine unabhängigere strategische Ausrichtung.

Operativ zeigt Ballard Fortschritte: Die Bruttomarge im ersten Quartal lag bei 14 %, eine Verbesserung um 37 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die gesamten Betriebskosten wurden um 36 % gesenkt. Bei einem Cashbestand von 516,8 Mio. US-Dollar und minimaler Verschuldung verfügt das Unternehmen über reichlich Spielraum.

Wesentliche Kennzahlen auf einen Blick:

  • Bruttomarge Q1: 14 % (gegenüber negativ im Vorjahr)
  • Betriebskosten: -36 % im Jahresvergleich
  • Kassenbestand: 516,8 Mio. US-Dollar
  • Weichai-Anteil: von über 15 % auf rund 10,3 % reduziert

TD Cowen hat das Kursziel von 2,50 auf 4,25 US-Dollar fast verdoppelt. Der Konsenszielkurs an der Börse Toronto liegt mit etwa 4,19 CAD allerdings bereits unter dem aktuellen Kurs — der Markt ist den Analysten vorausgeeilt.

SFC Energy: Doppelter Orderschub und Hauptversammlung

SFC Energy liefert am 20. Mai gleich zwei Katalysatoren. Nur wenige Tage nach dem milliardenschweren Rekordauftrag aus der Ukraine — Hybridenergiesysteme im Wert von rund 42,7 Mio. Euro — folgt ein Auftrag über etwa 2,8 Mio. Euro vom Stammkunden International Security GmbH. Die EFOY Pro 2800 Methanol-Brennstoffzellen werden in mobilen Überwachungseinheiten der Marke „Video Guard“ für die autonome Baustellenüberwachung eingesetzt.

Der Auftrag illustriert die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells: Standardisierte Integration der Brennstoffzellen in mobile Einheiten erzeugt wiederkehrende Nachfrage und langfristige Kundenbindung. Der zivile Sicherheitsmarkt in Europa wächst dynamisch, und SFC bedient ihn mit einer Kombination aus Verteidigungs-, Sicherheits- und Infrastrukturanwendungen, die im Sektor ihresgleichen sucht.

Die angehobene Jahresprognose spiegelt das Momentum wider: SFC erwartet nun Umsätze zwischen 163 und 175 Mio. Euro. Das bereinigte EBITDA soll auf 29 bis 34 Mio. Euro steigen — vorher lagen die Erwartungen bei 20 bis 24 Mio. Euro. Zeitgleich fand am Mittwoch die Hauptversammlung statt.

Die Aktie notiert bei 22,45 € und hat seit Jahresbeginn rund 76 % zugelegt. Warburg Research hat das Kursziel von 20 auf 28 Euro angehoben. Alle fünf Analysten empfehlen den Kauf, keiner rät zum Verkauf. Mit einem Durchschnittsziel von 25,50 Euro sehen sie noch Luft nach oben.

Zwischen Orderboom und Hoffnungswerten — der H2-Sektor in der Spreizung

Die fünf Titel offenbaren einen Sektor, der mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs ist:

  • SFC Energy ist operativ am weitesten: profitable Kundenbeziehungen, angehobene Prognose, breites Auftragsbuch über Verteidigung und zivile Sicherheit.
  • Plug Power hat mit dem Barrow-Projekt und dem starken Q1 Fakten geschaffen — die Profitabilität bleibt der fehlende Baustein.
  • ITM Power steht vor dem binärsten Szenario: Zuschlag oder Absturz, ohne viel Grauzone.
  • Ballard Power durchläuft nach dem Weichai-Ausstieg einen Governance-Umbruch, liefert aber erstmals substanzielle Margenverbesserungen.
  • Nel ASA überzeugt mit Technologie, muss das Versprechen aber in Aufträge übersetzen — der Umsatz hinkt den Erwartungen hinterher.

Die kommenden Tage werden besonders für ITM Power richtungsweisend. Die Subventionsentscheidung am 26. Mai und die MSCI-Aufnahme am 29. Mai können den Kurs des gesamten Sektors beeinflussen. Für Plug Power bleibt die Frage, ob dem Barrow-Projekt weitere europäische Aufträge folgen. Nel braucht Bestellungen, die zur neuen Plattform passen. Und Ballard muss zeigen, dass die operative Verbesserung auch ohne den chinesischen Partner Bestand hat.

Die Kluft zwischen Unternehmen mit realer Auftragsdynamik und jenen, die noch auf den Markthochlauf warten, bleibt das bestimmende Investmentthema im Wasserstoffsektor 2026.

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