PNE Wind: Wie gut sind die Zahlen wirklich?

Der Windpark-Projektierer PNE Wind hat heute seine Halbjahreszahlen präsentiert. Auf den ersten Blick durchaus ein Grund zum Feiern. Denn das Unternehmen konnte erhebliche Ergebnissteigerungen melden. Dennoch bleiben weitere Fragen offen, insbesondere über das organische Umsatzwachstum sowie die Perspektiven der YieldCo-Tochter. Auch die auf der bekanntlich chaotisch verlaufenden ersten Hauptversammlung nicht geklärten Streitereien zwischen verschiedenen Aktionärsgruppen bleiben ein Risiko.

 

© PNE Wind
© PNE Wind

Das, was PNE Wind aktuell vorgelegt hat, zeichnet erst einmal ein gutes Bild. Denn der Windpark-Projektierer erreichte im zweiten Quartal einen Ausbau des EBIT von 3,6 Mio. Euro im Vorjahr auf nun 30 Mio. Euro. Im gesamten ersten Halbjahr wurde das EBIT von 2,8 Mio. Euro auf 24, Mio. Euro verbessert. Dadurch schlug auch eine Steigerung des Nettoertrags von vormals minus 2,4 Mio. Euro auf nun plus 18,4 Mio. Euro zu Buche.

 

Bilanz durch Sondererträge „gerettet“

Doch wird beim Blick auf die Umsatzentwicklung schnell deutlich, dass hier weniger ein organisches Wachstum, sondern vielmehr Sondereffekte eine große Rolle spielten. So sank sowohl im zweiten Quartal als auch im Halbjahr der Umsatz um 33% bzw. 39%. „Gerettet“ wurde die Bilanz vor allem durch den Sonderertrag aus dem Verkauf der britischen Tochter. Der Kaufpreis lag bei 103 brit. Pfund, umgerechnet rund 140 Mo. Euro, wovon PNE Wind bereits knapp 53 Mio. Euro vereinnahmen konnte.

Wann der Rest kommt, ist schwerer zu kalkulieren, da es sich dabei um so genannte Meilensteinzahlungen handelt, die bis 2020 erfolgen sollen. Deshalb wird nun auch das YieldCo-Projekt noch stärker in den Fokus des Marktes rücken müssen.

 

PNE Wind setzt auf YieldCo-Modell

Dabei handelt es sich um ein in der Erneuerbare-Energien-Branche zunehmend beliebtes Geschäftsmodell, wo Anlagen (Wind, Solar etc.) gebaut und in einer Gesellschaft gebündelt werden, um dann an Investoren leichter Anteile verkaufen zu können. Das scheint auf den ersten Blick einfacher, weil damit die Suche nach Investoren für einzelne Parks ausfällt und die Investoren damit angelockt werden können, besser ihre Engagements diversifizieren zu können.

Doch hat die Sache einen Haken: Denn üblicherweise müssen Firmen wie PNE Wind hierbei erst einmal in Vorleistung gehen, sprich den Bau der Parks vorfinanzieren. Natürlich gibt es hier auch schon Investoren, die frühzeitig mithelfen, aber das grundsätzliche Anlagerisiko liegt erst einmal bei PNE Wind oder anderen vergleichbaren Anbietern.

 

Risiko Refinanzierung

So steigt auch das Risiko, dass PNE Wind zwar Windparks konzipiert und baut, diese am Ende aber nicht adäquat refinanzieren kann. Ganz abgesehen davon, dass solch ein Ausbau einer YieldCo finanzielle und personelle Ressourcen bindet, die am Ende das bisherige Geschäftsmodell in Bedrängnis bringen. Und bei PNE Wind kommt ja noch erschwerend hinzu, dass die Machtfrage im Unternehmen noch längst nicht geklärt ist. Nach Auskunft des Unternehmens wird immer noch an der Einladung zur Neuauflage der Hauptversammlung gearbeitet.

 

Aktie von PNE Wind bleibt hoch spekulativ

Unser Fazit: Auch wenn die Aktie zuletzt einige charttechnische Ansätze machte, den seit mindestens einem Jahr bestehenden Abwärtstrend nach oben hin verlassen zu können, so dürfte das aktuelle Potenzial sehr beschränkt bleiben und ein deutlich erhöhtes Anlagerisiko bestehen. PNE Wind bleibt so nur etwas für sehr risikobewusste Anleger.

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