POET Technologies Aktie: 26. Juni entscheidet über Delaware-Umzug
Aktionäre stimmen über Umzug nach Delaware ab, während Produktion in Malaysia hochgefahren wird. Sammelklagen belasten das Unternehmen zusätzlich.

- Abstimmung über Firmensitzverlegung
- Produktionsausbau in Malaysia
- Sammelklagen von US-Kanzleien
- Starke Liquidität bei hohen Verlusten
Ende Juni wird für POET Technologies zur Bewährungsprobe. Am 26. Juni stimmen die Aktionäre über einen Umzug des Firmensitzes in die USA ab — drei Tage später läuft eine Frist für Sammelklagen ab. Das Unternehmen steckt mitten in einem ambitionierten Produktionsausbau. Und der Kurs hat sich in zwölf Monaten mehr als verdreifacht.
Delaware statt Kanada
Das Board hat grünes Licht für eine Verlegung des Firmensitzes nach Delaware gegeben. Die Aktionäre entscheiden darüber auf der Jahreshauptversammlung am 26. Juni.
Der Schritt hat handfeste steuerliche Konsequenzen. Aktuell gilt POET als sogenannte Passive Foreign Investment Company (PFIC) — eine Klassifizierung, die für US-Investoren aufwendige Steuerregeln auslöst und viele Fondsmanager bislang vom Einstieg abgehalten hat. Ein erfolgreicher Umzug würde diesen Status beseitigen.
Das Management hat klargestellt: Weil POET 2025 einen Nettoverlust ausgewiesen hat und keine Gewinne erwartet, sollte eine rechtzeitige QEF-Wahl keine unmittelbaren US-Steuerbelastungen für Aktionäre auslösen, die Anteile in diesem Zeitraum gehalten haben. Künftig will das Unternehmen jährliche PFIC-Informationsberichte veröffentlichen — ein Signal, das US-Investoren gezielt ansprechen soll.
Penang soll liefern
Parallel läuft der Aufbau der Produktion in Malaysia auf Hochtouren. Das Ziel ist ehrgeizig: POET will die Kapazitäten für Wafer-Fertigung und optische Motorenassemblierung etwa verzehnfachen. Mehr als 30.000 optische Engines sollen noch im Laufe des Jahres 2026 ausgeliefert werden. Technische Muster der neuen Module erwartet das Unternehmen bis Jahresende — der Serienstart ist für 2027 geplant.
Im Mittelpunkt steht die Produktion von 800G- und 1,6T-Transceivern für KI-Cluster und Hyperscale-Rechenzentren. Die Nachfrage aus diesem Segment wächst rasant.
Den operativen Aufbau verantwortet Dr. Sandeep Kumar, seit dem 11. Mai 2026 als Chief Operating Officer an Bord. Kumar verbrachte über 18 Jahre bei Silicon Labs als Senior Vice President of Worldwide Operations. Er erhielt 410.397 Restricted Share Units, die über drei Jahre in gleichen Tranchen vesten — ein klares Zeichen, dass das Management seine Anreize an langfristigem Wachstum ausrichtet.
Starke Kasse, wachsende Verluste
Die Finanzlage ist zweigeteilt. Im ersten Quartal 2026 erzielte POET einen Umsatz von rund 503.000 US-Dollar — mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust weitete sich jedoch auf 12,3 Millionen US-Dollar aus, was 0,08 US-Dollar je Aktie entspricht.
Das angehäufte Defizit beläuft sich auf 291 Millionen US-Dollar. Hinzu kommt eine gemeldete Schwäche in der internen Kontrolle. Auf der anderen Seite steht eine außergewöhnlich starke Liquidität: Nach einer Kapitalerhöhung verfügt POET über mehr als 400 Millionen US-Dollar in Cash und kurzfristigen Anlagen, bei einem Current Ratio von über 35.
Rechtlicher Schatten über dem Abstimmungstag
Der 26. Juni fällt in eine juristisch belastete Phase. Drei US-Anwaltskanzleien — Rosen Law Firm, Faruqi & Faruqi und Levi & Korsinsky — haben Sammelklagen im Namen von Investoren eingereicht, die POET-Aktien zwischen dem 1. und 27. April gehalten haben.
Auslöser war ein brutaler Kurseinbruch: Die Aktie verlor an einem einzigen Tag 47,3 Prozent, nachdem POET die Stornierung sämtlicher Kaufaufträge von Celestial AI bekanntgegeben hatte. Als Grund nannte das Unternehmen einen mutmaßlichen Vertraulichkeitsbruch.
Ein erfolgreicher Umzug nach Delaware würde den PFIC-Vorwurf aus der Welt schaffen — einen der zentralen Anklagepunkte. Die weitergehenden Betrugsvorwürfe laufen jedoch unabhängig davon weiter. Die Frist zur Benennung eines Hauptklägers endet am 29. Juni.
Der Kurs spiegelt die Spannung wider. Mit einem Plus von rund 242 Prozent in zwölf Monaten und einer annualisierten Volatilität von über 260 Prozent ist POET eine Aktie, die Anleger polarisiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 18,84 Euro ist der aktuelle Kurs noch knapp 30 Prozent entfernt. Wie weit die Erholung trägt, hängt maßgeblich davon ab, ob die Abstimmung am 26. Juni gelingt — und ob die Produktionsziele in Penang bis Jahresende Substanz gewinnen.
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