POET Technologies Aktie: Celestial-AI-Kündigung im Fokus

Sammelklage wegen angeblicher Falschaussagen zu PFIC-Status und Kundenaufträgen setzt POET Technologies unter Druck. Der Aktienkurs verzeichnet deutliche Verluste.

Die Kernpunkte:
  • Sammelklage wegen irreführender Aussagen
  • Großauftrag von Celestial AI gekündigt
  • PFIC-Steuerstatus für 2025 erwartet
  • Kurs seit 30 Tagen um 27 Prozent gefallen

Eine Sammelklage, ein gekündigter Großauftrag und Fragen zur Steuereinstufung — POET Technologies kämpft derzeit an mehreren Fronten. Der Kurs steht unter Druck, auch wenn die langfristige Kursbilanz noch positiv aussieht.

Klage dreht sich um Offenlegungspflichten

Die US-Kanzlei Faruqi & Faruqi hatte Investoren bis zum 29. Juni 2026 Zeit gegeben, sich als Hauptkläger in einer Bundesklage zu registrieren. Die Frist ist nun abgelaufen. Das Verfahren selbst geht weiter.

Die Klage bezieht sich auf Käufe zwischen dem 1. April und dem 27. April 2026. Kern des Vorwurfs: POET Technologies und seine Manager sollen falsche oder irreführende Aussagen gemacht haben — konkret zur möglichen PFIC-Steuereinstufung des Unternehmens sowie zu Geschäftsvereinbarungen mit Kunden.

Den unmittelbaren Auslöser lieferte eine Unternehmensmitteilung vom 27. April 2026. Darin räumte POET ein, dass alle Bestellungen von Celestial AI storniert worden waren — inklusive der erstmals 2023 angekündigten Erstproduktionseinheiten. Marvell Semiconductor, das Celestial AI übernommen hatte, teilte die Kündigung schriftlich am 23. April mit. Marvell warf POET außerdem vor, vertrauliche Informationen zu Bestellungen und Lieferungen öffentlich gemacht zu haben.

PFIC-Frage und Umzug in die USA

Die PFIC-Thematik hatte POET bereits am 14. April 2026 angesprochen. Das Unternehmen erklärte, es gehe davon aus, für das Geschäftsjahr 2025 als PFIC eingestuft zu werden. US-Aktionäre sollten die Möglichkeit erhalten, eine sogenannte QEF-Wahl zu treffen. Für 2026 rechnet POET nicht mehr mit dem PFIC-Status. Das Unternehmen kündigte außerdem an, seinen Hauptsitz in die USA zu verlegen — vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen.

Diese Erklärung löst die Klage nicht auf. Sie zeigt aber, dass das Management die Problematik kannte und öffentlich adressiert hat.

Parallel dazu betonte POET, das Geschäft laufe weiter. Ein bestehender Auftrag eines anderen Technologieunternehmens im Wert von rund 5 Millionen US-Dollar werde abgewickelt. Die entscheidende Frage für Investoren: Handelt es sich bei der Celestial-AI-Kündigung um einen Einzelfall — oder signalisiert sie ein breiteres Problem für die Vermarktung der optischen Plattform?

Kurs zwischen Jahreshoch und Rechtsdruck

Die Kursentwicklung zeigt eine klare Zweiteilung. Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie knapp 97 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht noch ein Plus von gut 42 Prozent. Kurzfristig sieht es anders aus: In den vergangenen 30 Tagen verlor der Kurs mehr als 27 Prozent.

Mit aktuell 8,70 Euro notiert die Aktie rund 54 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro vom Mai 2026. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,48 Euro — die Aktie handelt also deutlich darunter. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 6,72 Euro ist noch nicht unterschritten, der langfristige Aufwärtstrend damit technisch intakt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 122 Prozent zeigt, wie stark der Kurs auf neue Meldungen reagiert.

Das Verfahren steht noch am Anfang. Solange weder ein Vergleich noch ein Urteil absehbar ist, bleibt die Rechtslage ein eigenständiger Belastungsfaktor — unabhängig davon, wie sich das operative Geschäft mit KI-Rechenzentren und optischen Verbindungsmodulen entwickelt. Die nächsten Kurssignale dürften aus dem Gerichtssaal kommen, nicht aus dem Labor.

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