POET Technologies Aktie: Celestial AI storniert alle Bestellungen
Der Photonik-Spezialist POET Technologies verliert nach Sammelklagen und Auftragsstornierung massiv an Börsenwert. Analysten sehen weiteres Abwärtspotenzial.

- Kursverlust von fast 40 Prozent
- Sammelklagen wegen falscher Steuerangaben
- Celestial AI storniert alle Bestellungen
- Neuer COO für Produktion in Malaysia
Die vergangene Woche hat bei POET Technologies deutliche Spuren hinterlassen. Der Kurs des Photonik-Chip-Entwicklers fiel von über 20 Dollar auf 12,20 Dollar zum Wochenschluss — ein Rückgang von fast 40 Prozent. Dahinter steckt eine Mischung aus juristischem Druck und einem schwerwiegenden geschäftlichen Vertrauensbruch.
Sammelklagen häufen sich
Im Zentrum der Kursschwäche steht ein Rechtsstreit, der sich weiter zuspitzt. Mehrere Anwaltskanzleien erinnerten diese Woche an die bevorstehende Hauptklägerfrist am 29. Juni 2026. Die Vorwürfe wiegen schwer: POET soll seinen Steuerstatus falsch dargestellt haben. Konkret geht es um die drohende Einstufung als Passive Foreign Investment Company (PFIC) — eine Klassifikation, die US-Aktionären erhebliche steuerliche Nachteile bringt.
Die Sammelklage bezieht sich auf Käufe von POET-Wertpapieren zwischen dem 1. und 27. April 2026. Neben dem Unternehmen werden auch der CEO und CFO persönlich genannt. Ihnen wird vorgeworfen, irreführende Aussagen zu Geschäftsbeziehungen und zum Steuerstatus gemacht zu haben.
Der Auslöser: Stornierung aller Celestial-Bestellungen
Der juristische Streit hat einen konkreten Ausgangspunkt. Mitte April brach der Kurs an einem Tag um 47,3 Prozent ein — nachdem POET bekanntgeben musste, dass Celestial AI alle Kaufaufträge storniert hatte. Grund: ein angeblicher Vertrauensbruch. Ein leitender Angestellter soll vertrauliche Details zu Aufträgen öffentlich gemacht haben.
Damit verloren nicht nur Millionenaufträge ihre Basis. Auch das Vertrauen der Anleger in die Kommunikation des Managements ist seither erschüttert.
Neuer COO signalisiert Produktionswende
Mitten im Sturm gab es auch eine Personalmeldung. POET ernannte Sandeep Kumar zum neuen Chief Operating Officer. Der Manager kommt von Silicon Labs, bringt 18 Jahre Erfahrung mit und soll die Fertigung in Malaysia auf Hochvolumenproduktion trimmen. Als Anreiz erhielt er 410.397 Restricted Stock Units, verteilt auf drei Jahre.
Analysten sehen Kurspotenzial — nach unten
Trotz des deutlichen Rückstands liegt der Median der Analystenkurse bei lediglich 8,20 Dollar — also deutlich unter dem aktuellen Niveau. Die Gewinnerwartungen wurden ebenfalls kassiert: Statt eines Gewinns von 5,66 Millionen Dollar für 2026 rechnen die Analysten nun mit einem Verlust von 8,90 Millionen Dollar.
Der kürzlich geschlossene Lumilens-Deal bietet theoretisch Perspektiven. Allerdings sind bislang nur 50 Millionen Dollar Auftragsvolumen bestätigt. Größere Lieferungen werden nicht vor 2027 erwartet.
Die Marke von 21 Dollar aus der Direktplatzierung und der Warrants-Strike bei 26,15 Dollar markieren charttechnische Widerstandszonen. Sie zeigen, wie weit der Kurs vom alten Niveau entfernt ist.
Der 29. Juni rückt näher. Bis dahin dürften juristische Entwicklungen den Ton für POET Technologies angeben.
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