POET Technologies Aktie: CFO-Interview bricht Vertraulichkeit
Nach einem Interview des CFO brechen bei POET Technologies mehrere US-Sammelklagen herein. Der Aktienkurs erholt sich zwar, doch die Risiken bleiben hoch.

- Mehrere US-Kanzleien reichen Klagen ein
- CFO-Interview soll Geheimhaltung verletzt haben
- Kurs stürzte um 47 Prozent ab
- Frist für Hauptkläger endet im Juni
Ein einziges Interview hat POET Technologies in eine juristische Krise gestürzt. Mehrere US-Anwaltskanzleien haben am 26. Mai 2026 neue Sammelklagen gegen den Photonikhersteller angekündigt. Die Frist zur Anmeldung als Hauptkläger läuft am 29. Juni 2026 ab.
CFO-Interview löst Kettenreaktion aus
Der Auslöser war ein öffentliches Interview von CFO Thomas Mika. Er soll darin eine Geschäftsbeziehung mit Marvell Technology offenbart haben — und damit eine Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen haben. Marvell reagierte umgehend: Alle Bestellungen über Celestial AI, das inzwischen zu Marvell gehört, wurden storniert.
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Die Folge: Der Kurs brach am 27. April 2026 innerhalb weniger Stunden von rund 15 Dollar auf 7,95 Dollar ein. Das entspricht einem Tagesverlust von 47,3 Prozent.
Die Klagen werfen dem Unternehmen zwei Dinge vor. Erstens soll POET seinen steuerlichen Status falsch dargestellt haben. Konkret geht es um die Frage, ob die Gesellschaft als sogenannte Passive Foreign Investment Company gilt — mit erheblichen Steuerfolgen für US-Anleger. Zweitens soll der CFO trotz gegenteiliger Versicherungen gegen eine Geheimhaltungspflicht verstoßen haben. Kanzleien wie Faruqi & Faruqi, Pomerantz LLP, Levi & Korsinsky und Bernstein Liebhard vertreten Aktionäre aus dem Klassenzeitraum zwischen dem 1. April und dem 27. April 2026.
Kurs erholt sich, Risiken bleiben
Nach dem Absturz hat sich die Aktie deutlich erholt. Von 7,11 Dollar Anfang Mai kletterte der Kurs bis auf 20,81 Dollar am 14. Mai — um danach wieder nachzugeben. Am heutigen Handelstag bewegt sich POET zwischen 14,32 und 15,40 Dollar. Das Handelsvolumen liegt mit rund 34 Millionen Aktien deutlich unter dem Tagesdurchschnitt von 74 Millionen.
Zusätzliche Schwankungen bringt ein neu aufgelegter gehebelter ETF. Defiance ETFs hat den Defiance Daily Target 2X Long POET ETF (POEL) gestartet. Er zielt auf das Doppelte der täglichen Kursbewegung von POET. Das verstärkt die Ausschläge im Basiswert — ändert aber nichts an den Fundamentaldaten des Unternehmens.
Bewertung ohne Fundament
Die sind ernüchternd. POET erzielte im abgelaufenen Zeitraum einen Umsatz von rund 1,07 Millionen Dollar. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt trotzdem über 2.200. Das EBITDA für 2025 belief sich auf minus 76 Millionen Dollar. Eigenkapital- und Gesamtkapitalrendite liegen beide schlechter als minus 80 Prozent.
Der Markt wettet ausschließlich auf künftiges Wachstum — nicht auf aktuelle Erträge. Ob diese Wette aufgeht, hängt nun auch davon ab, wie die Sammelklagen ausgehen. Der 29. Juni markiert den nächsten harten Termin.
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