POET Technologies Aktie: Citadel kauft 5,1–5,9 Prozent
Hedgefonds Citadel baut Beteiligung an POET auf, während Anwaltskanzleien Sammelklagen vorbereiten. Die Aktie des Photonik-Spezialisten verliert weiter.

- Citadel meldet passive Beteiligung
- Sammelklagen wegen angeblicher Täuschung
- Umsatz bei nur 0,5 Millionen Dollar
- Produktionsstart für zweites Halbjahr geplant
Ein Großinvestor baut eine Beteiligung auf. Zeitgleich sammeln Anwaltskanzleien Kläger gegen dasselbe Unternehmen. Bei POET Technologies prallen diese beiden Kräfte gerade offen aufeinander.
Die Aktie des Photonik-Spezialisten schloss die Woche bei 6,52 Euro, ein Minus von 10,44 Prozent auf Wochensicht. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 37,67 Prozent zu Buche. Der Titel notiert damit 65 Prozent unter seinem Jahreshoch von 18,84 Euro, das er Mitte Mai erreicht hatte.
Citadel steigt ein, während die Klagen wachsen
Der Hedgefonds Citadel meldete zum 8. Juli eine passive Beteiligung von 5,1 bis 5,9 Prozent an POET. Das entspricht einem Aktienpaket zwischen 8,79 und 10,11 Millionen Papieren. Für einen Konzern mit aktuell rund 417 Millionen Euro Marktkapitalisierung ist das ein deutliches Signal institutionellen Interesses.
Kleinanleger auf der Handelsplattform Moomoo verweisen zudem auf die Fertigungspartner in Malaysia. Die Unternehmen Globetronics und Nationgates sollen dort massiv Personal aufbauen. Für manche Investoren ist das ein Hinweis auf einen bevorstehenden Produktionshochlauf.
Auf der anderen Seite verdichtet sich juristischer Druck. Mehrere Kanzleien sammeln seit Wochen Kläger für Sammelklagen, eine Untersuchung dreht sich konkret um den Vorwurf, POET habe Anleger über seinen Status als passive ausländische Investmentgesellschaft getäuscht. Der Ursprung der Klagewelle liegt im April: Der Chiphersteller Marvell Technology stornierte damals sämtliche offenen Bestellungen bei POET und begründete dies mit einem angeblichen Vertraulichkeitsbruch. Der Kurs brach danach massiv ein.
Umsatz bleibt mager, die Kriegskasse ist voll
Die Geschäftszahlen zeigen ein Unternehmen, das noch weit von der Kommerzialisierung entfernt ist. Im jüngsten Quartal erzielte POET gerade einmal gut 0,5 Millionen US-Dollar Umsatz, auf Jahressicht kommen etwa 1,07 Millionen Dollar zusammen. Die Bruttomarge liegt zwar nahe 100 Prozent, doch operativ schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen.
Das EBITDA lag im letzten Quartal bei minus 11,4 Millionen Dollar, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von rund 12,3 Millionen Dollar. Das entspricht einem Verlust von 0,08 Dollar je Aktie.
Finanziell steht POET dagegen komfortabel da. Das Unternehmen verfügt über mehr als 429 Millionen Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen, die Verschuldung ist nahezu null. Möglich wurde das durch Kapitalerhöhungen von insgesamt 830 Millionen Dollar innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
Großes Versprechen für die zweite Jahreshälfte
Das Management hält an ambitionierten Zielen fest. Die Produktion optischer Module soll planmäßig in der zweiten Hälfte 2026 anlaufen. Bis Ende 2027 peilt POET eine Kapazität von bis zu einer Million Einheiten pro Monat an.
Das Unternehmen spricht von mehr als zehn aktiven Kundenprojekten. Diese sollen künftig zusammen mehr als 100 Millionen Dollar Jahresumsatz einbringen – eine gewaltige Lücke zum aktuellen Umsatzniveau von etwas über einer Million Dollar.
Der Relative-Stärke-Index steht bei 36 und signalisiert eine Aktie nahe der überverkauften Zone, ohne dort bereits angekommen zu sein. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,86 Euro, knapp über dem aktuellen Kurs. Ob die institutionelle Nachfrage rund um Citadel die Zweifel aus der Klagewelle und den dünnen Umsatzzahlen aufwiegen kann, dürfte sich an der tatsächlichen Produktionsaufnahme in der zweiten Jahreshälfte entscheiden.
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