POET Technologies Aktie: Hauptversammlung über US-Umzug

POET Technologies plant den Firmensitz in die USA zu verlegen, um steuerliche Nachteile für US-Anleger zu beseitigen und institutionelle Investoren zurückzugewinnen.

Die Kernpunkte:
  • Abstimmung über Sitzverlegung in die USA
  • Beendigung des PFIC-Status angestrebt
  • Kapitalzufluss von 400 Millionen US-Dollar
  • Sammelklagen wegen irreführender Angaben

POET Technologies steht vor einem radikalen Schnitt. Auf der heutigen Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre über die Verlegung des Unternehmenssitzes von Kanada in die USA. Es ist der Versuch, eine jahrelange steuerliche Belastung abzuschütteln und institutionelle Investoren zurückzugewinnen.

Flucht aus der Steuerfalle

Der Vorstand empfiehlt den Umzug, um den Status als „Passive Foreign Investment Company“ (PFIC) zu beenden. Diese Einstufung sorgt bei US-Anlegern derzeit für massive steuerliche Nachteile bei der Einkommensteuer. Eine US-Corporation wäre für große Fonds deutlich leichter handelbar, da viele von ihnen keine PFIC-Anlagen halten dürfen.

Parallel dazu stellt das Management Unterlagen für sogenannte QEF-Wahlen bereit. Diese Maßnahme soll US-Aktionären helfen, steuerliche Strafen für das Jahr 2025 zu vermeiden. CFO Thomas Mika will die Konzernstruktur damit endgültig an der US-Investorenbasis ausrichten.

Vertrauensverlust und Kapitalbedarf

Die strategische Wende folgt auf einen dramatischen Kurssturz im Frühjahr. Im April 2026 verlor die Aktie innerhalb eines Tages mehr als 47 Prozent an Wert. Der Grund war die Kündigung aller Aufträge durch den Partner Celestial AI wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Geheimhaltungspflichten.

Trotz dieses Rückschlags sicherte sich POET im Mai frisches Kapital. Eine Platzierung von Aktien und Optionsscheinen brachte 400 Millionen US-Dollar ein. Diese Mittel fließen in die Weiterentwicklung der „Optical Interposer“-Plattform, die für KI-Anwendungen und Rechenzentren entscheidend ist.

Juristisches Nachspiel

Die strukturellen Probleme sind nicht die einzige Baustelle für das Unternehmen mit einem Marktwert von rund 1,7 Milliarden Euro. Mehrere US-Kanzleien haben Sammelklagen eingereicht. Sie werfen dem Management irreführende Angaben zum Steuerstatus und zu Geschäftsvereinbarungen vor.

Die Aktie schwankt derweil extrem; die Volatilität lag zuletzt bei über 200 Prozent. Bis Ende Juni 2026 können sich Anleger noch als Hauptkläger für die Verfahren melden. Die heutige Abstimmung gilt als notwendiges Fundament, um die extreme Unruhe im Kurs zu beenden.

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