Polestar: 25-Millionen-Klage von Franchise-Händler
Polestar zieht sich aus dem US-Markt zurück und fokussiert sich auf Europa. Eine 25-Millionen-Dollar-Klage eines Händlers begleitet den Strategiewechsel.

- US-Verkaufsverbot ab Modelljahr 2027
- Klage über 25 Millionen Dollar eingereicht
- Fokus auf europäischen Kernmarkt
- Produktion des Polestar 7 in der Slowakei
Der Elektroautohersteller Polestar steht vor einer tiefgreifenden Neuausrichtung seines Nordamerika-Geschäfts. Nachdem das US-Handelsministerium der Marke den Verkauf neuer Fahrzeuge ab dem Modelljahr 2027 untersagt hat, reagiert das Management mit einer verstärkten Konzentration auf den europäischen Markt.
Die Entscheidung der US-Behörden steht im Zusammenhang mit neuen Sicherheitsregeln für vernetzte Fahrzeuge, die Software und Eigentümerstrukturen mit Bezug zu China streng regulieren.
Rückzug aus den USA löst Rechtsstreit aus
Die Entscheidung des Bureau of Industry and Security (BIS), Polestar aufgrund der technologischen Verflechtungen keine Genehmigung für den US-Verkauf künftiger Modelle zu erteilen, belastete den Aktienkurs in der vergangenen Woche schwer.
Trotz einer Erholung am gestrigen Freitag, an dem das Papier um 2,6 Prozent auf 13,54 USD stieg, verzeichnete der Wert auf Sicht von sieben Tagen ein Minus von 5,0 Prozent. Der Kursrutsch war am Donnerstag durch die offizielle Bestätigung des Verkaufsverbots ausgelöst worden.
Parallel zum regulatorischen Druck sieht sich Polestar mit juristischem Widerstand konfrontiert. Die Prestige Auto Group aus New Jersey hat eine Klage in Höhe von 25 Millionen US-Dollar gegen den Autobauer eingereicht.
Der Vorwurf lautet, Polestar nutze das US-Verkaufsverbot als Vorwand für einen strategisch geplanten Marktaustritt, um vertragliche Verpflichtungen gegenüber Franchise-Händlern zu umgehen. Das Unternehmen soll laut Klageschrift das Argument der „höheren Gewalt“ missbräuchlich verwenden, um Entschädigungszahlungen zu vermeiden.
Fokus auf den europäischen Kernmarkt
Als direkte Reaktion auf die Blockade in den USA hat die Unternehmensführung eine strategische Kehrtwende angekündigt. Polestar will sich künftig massiv auf Europa konzentrieren, wo das Unternehmen bereits heute rund 80 Prozent seiner weltweiten Einzelhandelsumsätze erzielt.
Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist der Produktionsstandort in der Slowakei. Dort soll künftig das Modell Polestar 7 vom Band laufen, um die Abhängigkeit von chinesischen Produktionskapazitäten zu verringern und Zöllen sowie regulatorischen Hürden zu begegnen.
Zusätzlich verschärft sich das politische Umfeld in Washington durch den „Connected Vehicles Security Act“. Dieser Gesetzentwurf sieht vor, den Verkauf vernetzter Fahrzeuge für alle Hersteller zu verbieten, die zu mehr als 15 Prozent in chinesischem Besitz sind. Dies würde nicht nur Polestar, sondern auch Partnerunternehmen wie Volvo treffen.
Modellpflege und Insiderkäufe
Trotz der geopolitischen Turbulenzen treibt das Unternehmen seine Produktpipeline voran. Gestern wurde in Südkorea erstmals ein ungetarntes Testfahrzeug des Polestar 4 für das Modelljahr 2027 gesichtet.
Medienberichten zufolge verfügt diese Variante über ein neues Heckfenster-Design. Damit reagiert der Hersteller offenbar auf Kritik an der eingeschränkten Sicht beim bisherigen Coupe-Modell, das vollständig auf eine Heckscheibe verzichtet hatte. Die weltweite Vorstellung dieser Modellvariante wird für Anfang September erwartet.
Innerhalb des Unternehmens scheint das Vertrauen in die Neuausrichtung vorhanden zu sein. Aus regulatorischen Meldungen geht hervor, dass Direktor Xiaojie Shen am Mittwoch 2.436 Aktien der Klasse A zu einem Durchschnittspreis von 17,31 US-Dollar erworben hat. Damit summierten sich die Käufe durch Insider in den vergangenen 90 Tagen auf insgesamt 21.829 Anteile.
Die Einschätzungen von Analystenhäusern bleiben derweil zurückhaltend. Die Experten von Zacks Investment Research stuften den Wert am Donnerstag mit einer Verkaufsempfehlung ein und nannten ein durchschnittliches Kursziel von 17,50 US-Dollar. Auch Weiss Ratings bestätigte bereits am 11. August sein negatives Urteil für die Aktie des schwedisch-chinesischen Herstellers.
Ein kleiner Lichtblick für Anleger war zuletzt der Quartalsbericht vom 8. August, in dem das Unternehmen für das erste Quartal 2026 einen Verlust pro Aktie von 2,66 US-Dollar auswies und damit die Erwartungen des Marktes leicht übertreffen konnte.
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