Porsche schrumpft sich teuer: 9.000 Stellen weg, 15 Prozent Marge als Ziel

Der Autobauer plant weniger Modelle und höhere Verkaufspreise; für 2027 erwartet der Finanzchef niedrigere Auslieferungen und Margen.

Die Kernpunkte:
  • China-Anteil soll unter zehn Prozent sinken
  • Top-Modellpreise sollen bis 2030 steigen
  • Rund 9.000 Stellen sollen bis 2035 entfallen
  • 15 Prozent operative Marge als Langfristziel

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Porsche hat heute in Weissach das Ende des Volumenwachstums verkündet. Konzernchef Leiters will künftig weniger Autos bauen, sie deutlich teurer verkaufen und dafür rund ein Fünftel der Belegschaft abbauen. Der Tag passt zur Großwetterlage: Steigende Renditen am US-Anleihemarkt setzen zyklische Werte weltweit unter Druck. Auch Übernehmer wie Prysmian oder Schneider Electric bekommen die Rechnung für ihre Deals an der Börse präsentiert.

Porsche: Weniger Autos, höhere Preise, ein Fünftel weniger Jobs

Die neue Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ ist im Kern ein Eingeständnis, dass das China-Geschäft nicht zurückkommt. Der China-Anteil am weltweiten Absatz soll von einst 35 Prozent auf unter 10 Prozent fallen, eine Erholung plant der Vorstand nicht mehr ein.

Im ersten Halbjahr 2026 brachen die Auslieferungen weltweit um 16 Prozent ein. Deshalb senkt Porsche die Gewinnschwelle auf unter 200.000 Fahrzeuge pro Jahr; 2025 lieferte der Konzern noch 279.449 Autos aus.

Die Antwort aus Weissach heißt Exklusivität. Der Durchschnittspreis der Top-Modelle soll bis 2030 von 270.000 auf über 330.000 Euro steigen, die Zahl der Modellvarianten sinkt um rund 20 Prozent.

Beim Antrieb rudert Porsche zurück: Bis in die 2030er-Jahre sollen zwei Drittel der Autos Verbrenner bleiben, nur ein Drittel reine Elektroautos. Ein neues kleineres SUV mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid kommt 2028, der vollelektrische 718 Boxster/Cayman ebenfalls.

Bezahlt wird der Umbau von der Belegschaft. Von rund 42.000 Stellen sollen bis 2035 etwa 9.000 sozialverträglich wegfallen, das entspricht gut 21 Prozent.

Die Managementpositionen schrumpfen um 40 Prozent, die Personalkosten in der Produktion sollen mittelfristig um bis zu 30 Prozent sinken. Die Entwicklungskosten sollen um bis zu 20 Prozent fallen, die Materialeinzelkosten um rund 10 Prozent.

Die Zielmarken: eine operative Umsatzrendite von 10 bis 15 Prozent um 2030/31 bei 41 bis 45 Milliarden Euro Umsatz, langfristig 15 Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 lag die operative Marge bei 7,8 Prozent, im Gesamtjahr 2025 bei nur 1,1 Prozent. Das berichtete Ergebnis nach Steuern war 2025 um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro eingebrochen.

Finanzchef Breckner dämpfte zugleich die Erwartungen für 2027: Absatz und Marge sollen unter dem Niveau von 2026 liegen, Besserung erst ab 2028. Neu ist die Dividendenpolitik mit mindestens 50 Prozent des Nettogewinns als Ausschüttung.

Für Anleger ist das ein Fünf-Jahres-Versprechen auf eine Zukunft, die erst ab 2028 greifbar wird, während 2027 noch einmal schlechter ausfällt als das ohnehin schwache laufende Jahr. Die Porsche-Aktie schwankte im Tagesverlauf entsprechend zwischen Erleichterung über die Klarheit und Skepsis gegenüber dem Zeitplan. Wer einsteigt, kauft ein Sanierungsprogramm, kein Wachstumsunternehmen.

Anzeige

Wer nach dem Porsche-Umbau nach heimischen Schwergewichten mit besserer Perspektive sucht, bekommt im Report „3 deutsche Giganten“ eine Analyse dreier Unternehmen aus Immobilien, Maschinenbau und Premium-Automobil, die im aktuellen Rendite-Wettbewerb die Nase vorn haben könnten. Kostenlosen Aktien-Report entdecken

US-Renditen auf 24-Jahres-Hoch: Das Fed-Protokoll als nächster Test

Wer Hausbauer, Banken oder lange Anleihen im Depot hat, bekommt den Zinsanstieg direkt zu spüren. Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt auf 5,72 Prozent, den höchsten Stand seit Mai 2002. Zehnjährige Papiere rentieren bei rund 5,35 Prozent, ebenfalls ein Hoch seit 2002. Die Fed hatte im September den Leitzins auf 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit 2023. Heute um 20 Uhr MESZ erscheint das Protokoll dieser Sitzung.

Der Terminmarkt preist für Ende Oktober mit 78 Prozent eine Zinspause ein, für Dezember aber mit 83 Prozent mindestens einen weiteren Schritt um 25 Basispunkte. Die Danske Bank erwartet Erhöhungen im Dezember 2026 und März 2027. Goldman Sachs rechnet dagegen mit nur einer Erhöhung bis Jahresende.

Goldman sieht die zehnjährige Rendite binnen eines Jahres sogar auf 4,4 Prozent fallen, warnt aber vor Druck auf den US-Konsum durch den schwindenden Vermögenseffekt. Die US-Inflation lag im August bei 3,4 Prozent, die Staatsverschuldung übersteigt inzwischen 40 Billionen Dollar.

Die Folgen sind konkret. Der US-Hypothekenzins für dreißigjährige Darlehen stieg auf 7,49 Prozent, den höchsten Stand seit November 2023. Die Hypothekenanträge sanken binnen einer Woche um 4,2 Prozent. Die Hausbauer D.R. Horton, Lennar und Pulte verloren im frühen US-Handel jeweils zwei bis drei Prozent. In Deutschland kletterten die Bauzinsen mit zehn Jahren Zinsbindung im September auf rund 4,25 Prozent, ein Niveau wie zuletzt im Mai 2011.

Auch Europa bleibt nicht verschont. Frankreichs zehnjährige Rendite stieg auf gut 4,9 Prozent, der Abstand zur Bundesanleihe weitete sich auf rund 140 Basispunkte.

Finanzminister Lescure erwägt Notverordnungen für den Haushalt 2027. Die Deutsche Bank notiert aktuell bei 29,95 Euro und liegt damit rund 4 Prozent unter dem Vortag; auf Sicht von 30 Tagen hat die Aktie 16 Prozent verloren. Höhere Renditen helfen den Zinsmargen, doch Frankreichs Fiskalrisiko und die Konjunktursorgen wiegen derzeit schwerer.

Boots geht für 8,9 Milliarden Dollar an die Westons, Fairfax hält die Hälfte

Der Verkauf der britischen Drogeriekette ist für deutsche Anleger vor allem über einen Wert spielbar: Fairfax Financial. Wittington Investments, die Holding der kanadischen Weston-Familie, kauft die britische Drogeriekette Boots.

Der Preis liegt bei 8,9 Milliarden Dollar inklusive Schulden, umgerechnet 6,7 Milliarden Pfund. Verkäufer sind der Finanzinvestor Sycamore Partners und die Familie Pessina. Sycamore hatte die Muttergesellschaft Walgreens Boots Alliance erst 2025 für 10 Milliarden Dollar übernommen und aufgespalten.

Fairfax Financial ist damit der handelbare Anker. Die kanadische Versicherungsholding steuert bis zu 2,3 Milliarden Dollar Eigenkapital bei und hält nach Vollzug 50 Prozent an Boots. Die operative Führung übernimmt Wittington, Galen Weston wird Chairman.

Der Deal umfasst rund 1.800 Filialen mit 51.000 Beschäftigten in Großbritannien, Irland und Thailand sowie die Marke No7. Alliance Healthcare Deutschland bleibt ausdrücklich bei den Verkäufern. Der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 geplant. Die Fairfax-Aktie reagierte in Toronto nahezu unverändert.

McKesson sichert sich 49 Prozent an Option Care für 1,4 Milliarden Dollar

McKesson zeigt, wie man im Hochzinsumfeld zukauft, ohne die eigene Bilanz zu überladen. Der US-Pharmagroßhändler McKesson und der Finanzinvestor Clayton Dubilier & Rice übernehmen den Infusionsdienstleister Option Care Health. Geboten werden 32,05 Dollar je Aktie in bar, ein Aufschlag von 37 Prozent auf den Schlusskurs vom 5. Oktober. Der Deal bewertet Option Care mit rund 5,8 Milliarden Dollar inklusive Schulden.

Die Struktur ist das Interessante. McKesson zahlt rund 1,4 Milliarden Dollar für eine Minderheit von etwa 49 Prozent und sichert sich eine Option auf den späteren Kauf der CD&R-Anteile. McKesson bilanziert die Beteiligung nach der Equity-Methode und belastet die eigene Bilanz damit nur begrenzt. Option Care versorgte 2025 über 315.000 Patienten mit häuslichen Infusionen. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.

Option Care notiert aktuell bei rund 30,89 Dollar, also knapp unter dem Angebotspreis. McKesson legt im laufenden Handel 1,4 Prozent zu, die Aktie liegt auf Zwölfmonatssicht 29 Prozent im Plus. Der Markt belohnt damit einen Zukauf, der ambulante Versorgung mit dem bestehenden Onkologie-Netzwerk verknüpft, ohne McKesson den vollen Kaufpreis aufzubürden.

Prysmian und Schneider: Die Börse bestraft Europas Industrie-Käufer

Ganz anders ergeht es den europäischen Käufern. Die Aktionäre von Atkore haben heute die Übernahme durch den italienischen Kabelhersteller Prysmian zu 95 Dollar je Aktie in bar gebilligt. Prysmian rechnet mit dem Abschluss am 19. Oktober. Die Prysmian-Aktie fällt im laufenden Handel dennoch um 4,1 Prozent auf 124,40 Euro; auf Jahressicht steht sie mit 44 Prozent im Plus.

Bei Schneider Electric wirkt die am Montag angekündigte PTC-Übernahme für rund 22 Milliarden Euro nach. JP Morgan stufte die Aktie am Dienstag von Overweight auf Neutral ab und senkte das Kursziel von 345 auf 310 Euro. Vertical Research Partners kürzte von 300 auf 265 Euro.

Die Finanzierung über Schulden und eine Kapitalerhöhung sowie die Pause der Aktienrückkäufe 2027 und 2028 kosten Vertrauen. Die Schneider-Aktie verlor binnen einer Woche 14,5 Prozent und notierte am Nachmittag bei 253,30 Euro.

Die Lehre für Anleger: In einem Umfeld mit Renditen auf 24-Jahres-Hoch werden fremdfinanzierte Großübernahmen zum Bewertungsrisiko für den Käufer, selbst wenn das Ziel strategisch sauber begründet ist.

Der globale Kompass

Heute Abend entscheidet das Fed-Protokoll, ob der Markt seine Dezember-Wette auf eine weitere Zinserhöhung verstärkt. Parallel versteigert das US-Finanzministerium zehnjährige Anleihen über 39 Milliarden Dollar, ein Test für die Nachfrage bei 5,35 Prozent.

Für die Berichtssaison erwarten Analysten laut LSEG ein Gewinnwachstum von 30,6 Prozent im S&P 500, getragen vom Energiesektor mit plus 114,7 Prozent bei Brent über der 100-Dollar-Marke.

Anzeige

Wenn der Energiesektor die Gewinnsaison trägt, stellt sich die Frage, welche Titel aus Energie, Gesundheit und Hightech als Nächstes im Rampenlicht stehen. Analyst Mike Rückert stellt in seinem PDF-Sonderreport fünf Aktien mit besonderem Renditepotenzial vor und zeigt, wie sich Anleger frühzeitig positionieren können. Fünf Aktien-Empfehlungen im Sonderreport nachlesen

Bitcoin rutschte als Zinsverlierer zuletzt unter 84.000 Dollar und steht auf Zwölfmonatssicht 31 Prozent im Minus. Zyklische Umbaufälle wie Porsche und fremdfinanzierte Käufer wie Schneider bleiben die Verwundbaren, solange die Renditen steigen.

Anzeige

Stand heute, 7. Oktober: McKesson – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in McKesson investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 7. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

McKesson: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

Diskussion zu McKesson