Powells letzte Sitzung: Wenn explodierende Ölpreise die Zinswende begraben

Die Fed dürfte angesichts steigender Energiepreise und Stagflationsrisiken ihre letzte Zinssenkung für 2026 streichen, während der DAX auf Eskalation im Persischen Golf reagiert.

Die Kernpunkte:
  • Eskalation am Golf treibt Öl- und Gaspreise
  • Fed erwartet keine Zinssenkung mehr in 2026
  • Stagflationsrisiko durch steigende Preise und schwachen Arbeitsmarkt
  • Historische Spaltung zwischen Tech-Boom und Realwirtschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich Ihnen, die Märkte hätten eine Zinssenkung komplett abgeschrieben. Heute wissen wir: Es kommt noch schlimmer. Die Fed steht nicht nur still – sie wird voraussichtlich auch die letzte verbliebene Zinssenkung für 2026 aus ihren Projektionen streichen. Während in San Jose Jensen Huang bei der Nvidia GTC 2026 die nächste Billionen-Dollar-Vision der Künstlichen Intelligenz feiert, brennen am Persischen Golf Gasfelder. Die Angriffe auf das iranische South-Pars-Feld haben die Eskalationsspirale heute auf eine neue Stufe gehoben – und den DAX seinen Erholungsversuch abrupt abbrechen lassen.

Ein Mittwoch der Kehrtwenden.

Vom Hoffnungsschimmer zum Nachmittags-Schock

Wer heute Morgen auf die Kurstafeln in Frankfurt blickte, wähnte sich kurzzeitig in einer Entspannungsrallye. Der DAX kletterte um ein halbes Prozent auf über 23.845 Punkte. Die Logik der Händler: Saudische und irakische Pipelines könnten die iranische Blockade der Straße von Hormus umgehen. Das Ölangebot ließe sich stabilisieren, die Lage entspannen.

Dann kamen die Nachrichten vom Golf. Nach den Angriffen auf South-Pars – eines der größten Gasfelder der Welt – eskalierte die iranische Militärführung ihre Rhetorik. Sie droht nun offen damit, Gasfelder und Raffinerien in den Emiraten, Saudi-Arabien und Katar zu attackieren. Die Zeit begrenzter Gefechte sei vorbei, das Pendel bewege sich in Richtung eines „umfassenden Wirtschaftskriegs“.

Der Ölpreis schoss wieder nach oben. Der DAX schloss mit einem Minus von 0,96 Prozent bei 23.502 Punkten.

Powells geldpolitischer Albtraum

Genau in dieses toxische Gemisch hinein muss Jerome Powell heute Abend um 19:00 Uhr MEZ die Zinsentscheidung der Fed verkünden – seine letzte als Vorsitzender, bevor seine Amtszeit Mitte Mai endet. Die Daten auf seinem Schreibtisch könnten widersprüchlicher kaum sein.

Auf der einen Seite: ein einbrechender Arbeitsmarkt. 92.000 verlorene Jobs im Februar, die Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent. Auf der anderen Seite: galoppierende Preise. Der Erzeugerpreisindex sprang im Februar um 0,7 Prozent – der stärkste Anstieg seit August 2023. Der Benzinpreis in den USA ist seit Kriegsbeginn am 28. Februar um 28 Prozent auf 3,84 Dollar pro Gallone gestiegen. Das klassische Stagflations-Dilemma, über das ich seit Tagen schreibe, materialisiert sich in harten Zahlen.

Die Märkte preisen eine Zinssenkung heute Abend mit null Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Der Leitzins bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Spannender wird der sogenannte Dot Plot, die Zinsprognose der einzelnen Notenbanker. Ökonomen erwarten, dass die Fed die ohnehin letzte verbliebene Zinssenkung für 2026 komplett streicht. „Higher for longer“ wäre dann nicht mehr Szenario, sondern Programm.

Europas Realwirtschaft unter Beschuss

Was in Washington als makroökonomisches Dilemma diskutiert wird, trifft Europa bereits mit voller Wucht. Die physischen Engpässe sind greifbar: Aluminium Bahrain, einer der größten Produzenten der Branche, drosselt seine Kapazität schrittweise um 19 Prozent – 1,6 Millionen Tonnen fallen weg, weil Rohstoffe wegen der Hormus-Blockade fehlen.

In Deutschland schlagen die Schockwellen an der Basis durch. Gaspreise für Neukunden sind um rund 21 Prozent gestiegen, E10 hat an den Zapfsäulen die 2-Euro-Marke durchbrochen. Das Ifo-Institut warnt, der Energiepreisschock könne die Inflation wieder auf bis zu 3 Prozent treiben und das Wachstum für 2026 auf magere 0,6 Prozent drücken.

Wie tief sich die Kostenkrise bereits frisst, zeigt eine stille Randnotiz dieses Tages: Die traditionsreiche Zwickauer Mauritius Brauerei musste Insolvenz anmelden. Von den Weltmeeren bis in die sächsische Provinz – die Kette reißt nicht ab.

Dass die US-Regierung in einem beispiellosen Schritt die Öl-Sanktionen gegen Russland temporär bis zum 11. April gelockert hat, nur um das Weltmarktangebot irgendwie zu stabilisieren, spricht Bände über die Nervosität in Washington.

Die Tech-Galaxie, die sich von der Erdanziehung gelöst hat

Und dann ist da diese andere Welt. Während die Industrie unter Energiekosten ächzt, lieferte Tencent heute glänzende Jahreszahlen: 751,8 Milliarden Renminbi Umsatz, ein Plus von 14 Prozent, dazu ein massiver Ausbau der KI-Investitionen.

Noch extremer die Lage bei Nvidia. 4,5 Billionen Dollar Marktkapitalisierung. 215,9 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Eine Bruttomarge von über 71 Prozent. Der Chip-Designer operiert in einer eigenen Galaxie, die mit der physischen Welt blockierter Meerengen und explodierender Energiepreise kaum noch Berührungspunkte hat. Besonders pikant: CEO Jensen Huang kündigte an, die Produktion der H200-KI-Prozessoren für den chinesischen Markt wieder aufzunehmen – möglich gemacht durch eine Ausnahmeregelung der Trump-Administration vom Dezember.

Wir erleben eine historische Zweiteilung der Märkte. Hier die physische Ökonomie, gefesselt an Kriege, Rohstoffengpässe und Inflation. Dort die digitale Ökonomie, die sich mit künstlicher Intelligenz in immer neue Bewertungssphären katapultiert.

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Diese Zweiteilung wirft eine entscheidende Frage für Anleger auf: Wer profitiert wirklich, wenn Nvidia Rekordumsätze meldet oder Rüstungskonzerne Milliardenaufträge einfahren? In einem kostenlosen Webinar zeigen Dr. Bernd Heim und Jörg Mahnert, wie man die sogenannten „Schatten-Zulieferer“ identifiziert – hochspezialisierte Unternehmen der zweiten Reihe, die als unersetzliche Lieferanten für KI-Hardware, Kühlsysteme oder Antriebstechnik oft deutlich stärker vom Boom profitieren als die bekannten Konzerne selbst. Das vorgestellte Zwei-Depot-System kombiniert eine Value-Analyse dieser Zulieferer mit einer Hebel-Strategie, die normale Marktbewegungen multiplizieren soll. Wer konkret wissen möchte, wohin das institutionelle Kapital hinter den großen Namen wie Nvidia oder Rheinmetall tatsächlich fließt, findet in diesem Webinar einen strukturierten Ansatz dazu. Die ersten 30 Tage des Dienstleistungsangebots „Die Depot-Architekten“ sind kostenlos. Webinar: Schatten-Zulieferer hinter KI- und Rüstungsgiganten – das Zwei-Depot-System

Die Quintessenz

Jerome Powell wird heute Abend versuchen müssen, für beide Welten eine gemeinsame geldpolitische Sprache zu finden. Es ist seine letzte große Bühne – und sie könnte kaum undankbarer sein. Senkt er die Zinsen, befeuert er die Inflation. Hält er still, würgt er eine bereits strauchelnde Realwirtschaft weiter ab. Der Dot Plot wird zeigen, ob die Fed das Stagflations-Szenario nun offiziell zur Basisannahme erhebt.

Morgen ziehen die EZB und die Bank of England nach. Es werden unruhige Tage. Behalten Sie den Ölpreis und Powells Pressekonferenz im Blick – beides wird die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Abend.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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