Qiagen Aktie: EQT und KKR prüfen Übernahme
Qiagen übertraf im zweiten Quartal die eigene Gewinnprognose, bestätigte den Jahresausblick und steht zugleich vor einer US-Patentklage.

- EQT und KKR prüfen möglichen Qiagen-Kauf
- US-Jury spricht 10x Genomics Schadensersatz zu
- Quartalsgewinn liegt über eigener Prognose
- Jonathan Pratt übernimmt bald den CEO-Posten
Das Biotechnologieunternehmen Qiagen blickt auf eine turbulente Woche zurück, die von strategischen Verkaufsgerüchten, soliden Quartalszahlen und einer juristischen Niederlage in den USA geprägt war. Während Berichte über ein konkretes Interesse großer Finanzinvestoren den Fokus auf eine mögliche Neuausrichtung lenkten, sorgte ein Urteil in einem Patentstreit am Freitag für einen Rückschlag im operativen Umfeld.
Bieterstreit um Diagnostikspezialisten rückt näher
Medienberichten zufolge haben die Private-Equity-Häuser EQT AB und KKR & Co. einen formellen Due-Diligence-Prozess eingeleitet, um eine mögliche Übernahme von Qiagen zu prüfen.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, wird im Rahmen dieser strategischen Prüfung ein potenzieller Kaufpreis von etwa 50 US-Dollar pro Aktie diskutiert. Eine Bestätigung durch die beteiligten Parteien steht bislang aus.
Die Spekulationen treffen auf ein Marktumfeld, in dem auch institutionelle Investoren ihre Positionen neu ordnen. BlackRock meldete am Freitag gegenüber der niederländischen Finanzmarktaufsicht AFM einen Anteil von 11,49 % am Aktienkapital und 12,89 % der Stimmrechte. Zeitgleich gab Goldman Sachs eine kombinierte Beteiligung von 2,97 % aus Aktien und Derivaten bekannt.
Juristische Niederlage in den USA
Überschattet wurden die Expansionsfantasien am Freitag durch eine Entscheidung eines Bundesgerichts in Delaware. Eine Jury sprach dem Konkurrenten 10x Genomics Schadensersatz in Höhe von über 4,8 Millionen US-Dollar zu.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Qiagen-Tochter Parse Biosciences drei Patente zur Gensequenzierung verletzt hat, die 10x Genomics von Roche lizenziert hatte. Die Kläger kündigten an, eine dauerhafte Verfügung gegen das Unternehmen erwirken zu wollen, um weitere Patentverletzungen zu verhindern.
Solide Quartalszahlen und Führungswechsel
Operativ zeigte sich Qiagen hingegen robust. Am Donnerstag legte der Konzern Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, in dem ein Nettoumsatz von 535 Millionen US-Dollar erzielt wurde. Damit hielt das Unternehmen das Vorjahresniveau auf Basis konstanter Wechselkurse.
Der bereinigte verwässerte Gewinn je Aktie belief sich auf 0,62 US-Dollar und übertraf damit die eigene Prognose von 0,60 US-Dollar. Vor diesem Hintergrund bestätigte das Management den Ausblick für das Gesamtjahr.
Flankiert wurden die Finanzergebnisse durch technologische Fortschritte. Am Donnerstag gab Qiagen den kommerziellen Start der Automatisierungsplattform QIAsymphony Connect in den USA und Europa bekannt. Zudem erhielt das Unternehmen von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für das QIAstat-Dx-Panel zur schnellen Erkennung von Krankheitserregern und antimikrobiellen Resistenzen.
In der kommenden Woche steht zudem ein bedeutender Wechsel an der Spitze des Unternehmens an. Am Dienstag, dem 1. September, wird Jonathan M. Pratt offiziell das Amt des Chief Executive Officer übernehmen. Er folgt auf Thierry Bernard, der dem Konzern noch bis zum Jahresende in beratender Funktion erhalten bleibt.
Analysteneinschätzungen und Kursentwicklung
Die Analysten von Zacks Research passten am Mittwoch ihre Erwartungen an und senkten die Schätzung für den Gewinn je Aktie im dritten Quartal minimal von 0,63 auf 0,62 US-Dollar. Das Haus beließ die Einstufung auf „Hold“. Bereits am 17. August hatte Weiss Ratings das Urteil für Qiagen von „Sell“ auf „Hold“ angehoben.
Die Qiagen-Aktie beendete den Handel am Freitag bei 37,53 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Wert damit 18 % an Boden verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 47,95 Euro, das Anfang Januar erreicht wurde, trennt das Papier derzeit ein Abstand von -22 %. Trotz der jüngsten Herausforderungen scheint die Kursentwicklung durch die Übernahmegerüchte nach unten abgesichert, während der Markt den anstehenden Strategiewechsel unter neuer Führung abwartet.
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