Qualcomm Aktie: Abschied von Apple

Qualcomm verliert Apple als Großkunden schneller als erwartet und setzt nun auf das KI-Rechenzentrumsgeschäft als Ersatz.

Die Kernpunkte:
  • Gewinn je Aktie unter Analystenschätzung
  • Umsatz mit Handset-Chips bricht ein
  • Preiserhöhungen ab September geplant
  • KI-Rechenzentren als neuer Wachstumstreiber

Ein Konzern, der gerade zugibt, seinen wichtigsten Kunden zu verlieren – und trotzdem an die eigene Zukunft glaubt. Qualcomm hat am Mittwoch Zahlen zum dritten Geschäftsquartal 2026 vorgelegt und dabei offen eingeräumt, dass das Apple-Geschäft schneller schrumpft als bislang erwartet. Die Aktie reagierte nachbörslich mit deutlichen Abgaben, zeitweise ging es um mehr als vier Prozent nach unten, zuletzt notierte der Titel bei 151,80 US-Dollar.

Gewinn verfehlt, Umsatz übertroffen

Der Gewinn je Aktie sank von 2,43 auf 2,21 US-Dollar und blieb damit knapp unter der Analystenschätzung von 2,24 US-Dollar. Beim Umsatz lief es besser: 9,95 Milliarden US-Dollar standen zu Buche, mehr als die erwarteten 9,69 Milliarden – wenn auch weniger als die 10,36 Milliarden aus dem Vorjahresquartal. Für das laufende vierte Quartal rechnet Qualcomm mit einem Umsatz zwischen 9,7 und 10,5 Milliarden US-Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,05 bis 2,25 US-Dollar – der Marktkonsens von 2,36 US-Dollar liegt damit außer Reichweite.

Im Kerngeschäft mit Handset-Chips brach der Umsatz um 20 Prozent auf 5,09 Milliarden US-Dollar ein, das drückte den gesamten Chipsegment-Umsatz um 5 Prozent auf 8,50 Milliarden US-Dollar. CEO Cristiano Amon erklärte, gestiegene Kosten entlang der gesamten Lieferkette – nicht nur bei Speicherchips – belasteten die Margen. Ab dem 1. September will Qualcomm deshalb die Preise anheben, um die Profitabilität wieder auf historische Werte zu bringen. Die aktuelle Lücke zwischen Kosten und Preisen sei laut Amon ein vorübergehender Effekt.

Apple schrumpft, Rechenzentren wachsen

Der eigentliche Knackpunkt liegt jedoch in der Kundenstruktur. Qualcomm erwartet, dass der Umsatzanteil aus Apple-Produkten ab dem vierten Quartal noch schneller sinkt als angenommen – Lieferengpässe drücken den Chip-Anteil am kommenden iPhone deutlich unter die zuvor genannte Marke von 20 Prozent. Amon selbst brachte es auf den Punkt: Man habe Apple im Ergebnis durch das Rechenzentrumsgeschäft ersetzt. Für das Geschäftsjahr 2027 soll der Großteil der Chip-Umsätze bereits aus Bereichen jenseits des Smartphonemarkts stammen.

Der Ausbau im KI-Rechenzentrumsgeschäft soll das auffangen: Bis zum Geschäftsjahr 2027 peilt Qualcomm dort 5 Milliarden US-Dollar Umsatz an, bis 2029 sollen es 15 Milliarden werden. Analyst Jay Goldberg von Seaport sieht in der Diversifizierung allerdings auch ein Risiko – seiner Einschätzung nach habe Qualcomm dabei den Fokus auf das Kerngeschäft mit Android- und Apple-Geräten verloren und dort Marktanteile eingebüßt.

Etwas Entlastung kommt aus China: Der Umsatz mit chinesischen Smartphone-Herstellern habe im dritten Quartal seinen Tiefpunkt erreicht, nachdem Kunden überschüssige Lagerbestände abgebaut hätten. Xiaomi, Oppo und Vivo verzeichneten dabei laut Marktdaten die stärksten Absatzrückgänge unter den fünf größten globalen Smartphone-Anbietern.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell Qualcomm die angekündigten Preiserhöhungen bei den Kunden durchsetzen kann und ob das Rechenzentrumsgeschäft den Umsatzverlust bei Apple tatsächlich kompensiert. Die Prognose für das vierte Quartal, die unter den Erwartungen der Wall Street liegt, dürfte der erste Prüfstein dafür sein.

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