Qualcomm Aktie: Speicherpreise steigen über 300 Prozent
Qualcomm verfehlt Gewinnerwartungen fürs Schlussquartal. Steigende Speicherkosten und sinkende Apple-Aufträge belasten, während das Automotive-Geschäft stark wächst.

- Schwache Q4-Prognose verunsichert Anleger
- Speicherpreise steigen um über 300 Prozent
- Preiserhöhungen für Snapdragon-Chips angekündigt
- Automotive-Umsatz wächst um 61 Prozent
Der Halbleiterkonzern Qualcomm sieht sich derzeit mit erheblichem Gegenwind konfrontiert. Nachdem das Unternehmen am Mittwoch seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal vorgelegt hat, reagiert der Markt am heutigen Freitag weiterhin verspannt. Im aktuellen Handel verliert die Aktie 1,93 % und notiert bei 128,90 €. Während die Umsatzahlen für das abgelaufene Quartal die Erwartungen übertrafen, sorgt vor allem der Ausblick auf das Schlussquartal für Verunsicherung unter den Anlegern.
Enttäuschende Gewinnprognose trotz Umsatzplus
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 konnte Qualcomm einen Umsatz von 9,95 Milliarden US-Dollar erzielen, was einem leichten Plus gegenüber den Markterwartungen entspricht. Das Ergebnis je Aktie (EPS) lag mit 2,21 US-Dollar jedoch geringfügig hinter dem Konsens zurück. Belastend wirkte sich hierbei vor allem die Entwicklung der operativen Margen aus: Die Marge im Kernbereich QCT sank von 30 % auf 26 %.
Zentraler Kritikpunkt der Marktteilnehmer ist die Prognose für das vierte Quartal. Das Management erwartet ein EPS in einer Spanne von 2,05 bis 2,25 US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit 2,36 US-Dollar gerechnet. Ein wesentlicher Grund für die vorsichtige Einschätzung ist der beschleunigte Rückgang der Erlöse im Geschäft mit Apple. Medienberichten zufolge sinkt der Anteil von Qualcomm-Modems bei den kommenden iPhone-Modellen schneller als vom Markt antizipiert; zum Verkaufsstart der neuen Generation wird mit einem Anteil von unter 20 % gerechnet.
Massive Preissteigerungen bei Speicherchips
Zusätzlich zur schwindenden Abhängigkeit wichtiger Großkunden kämpft Qualcomm mit explodierenden Kosten in der Lieferkette. Insbesondere die Preise für Speicherchips sind in die Höhe geschnellt. Branchenberichten zufolge stiegen die Speicherpreise im zweiten Quartal 2026 um über 300 %, getrieben durch die enorme Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Dies belastet die Profitabilität der Smartphone-Prozessoren massiv, da die Kosten für den Speicher inzwischen die Kosten für das System-on-a-Chip (SoC) selbst übersteigen können.
Um diesem Margendruck entgegenzuwirken, kündigte CEO Cristiano Amon Preiserhöhungen für Snapdragon-Chipsätze an, die ab dem 1. September wirksam werden sollen. Betroffen sind namhafte Smartphone-Hersteller wie Samsung, Xiaomi und Oppo. Es bleibt jedoch fraglich, inwieweit diese Kunden die höheren Preise in einem schwächelnden Marktumfeld, insbesondere in China, akzeptieren oder an die Endverbraucher weitergeben können. Mit einem Relative-Stärke-Index (RSI) von 28,0 gilt das Papier technisch betrachtet als überverkauft, was die Heftigkeit der jüngsten Kurskorrektur unterstreicht.
Automotive-Sparte als Hoffnungsträger
Trotz der Probleme im Mobilfunksektor gibt es Lichtblicke in der Diversifizierungsstrategie. Das Automotive-Segment entwickelte sich im Berichtsquartal zum stärksten Wachstumstreiber und verzeichnete einen Umsatzanstieg von 61 % auf den Rekordwert von 1,59 Milliarden US-Dollar. Qualcomm festigte seine Position in diesem Bereich durch die Wahl als Hauptlieferant für zukünftige Fahrzeugplattformen von BMW.
Zudem wurde die Übernahme des KI-Softwareunternehmens Modular Inc. abgeschlossen, um die Kompetenzen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu erweitern. Analysten sind hinsichtlich der künftigen Entwicklung gespalten. Während die Experten von Goldman Sachs ein Kursziel von 160 US-Dollar ausgeben, sieht das Analysehaus 24/7 Wall St mit einem Ziel von 242,62 US-Dollar erhebliches Aufwärtspotenzial, sofern die Transformation weg vom reinen Handy-Chip-Anbieter gelingt. Das Unternehmen plant, den Umsatz außerhalb des Smartphone-Bereichs bis zum Geschäftsjahr 2029 auf 40 Milliarden US-Dollar zu steigern.
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