Raspberry Pi Aktie: 27 Prozent unter Rekordhoch

Nach starkem Gewinnausblick und Kursrally fällt die Raspberry Pi Aktie deutlich zurück. Analysten sehen hohe Bewertung als Risiko.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt über sieben Prozent
  • Gewinnausblick sorgte für Euphorie
  • Starke Industrienachfrage treibt Geschäft
  • Hohe Bewertung birgt Risiken

Der Höhenflug bei Raspberry Pi ist erst einmal vorbei. Am Dienstag fallen die Aktien um 7,18 Prozent auf 9,51 Euro. Damit notiert der Titel 27,22 Prozent unter dem Rekordhoch von 13,06 Euro vom 8. Juni.

Dabei hatte der Gewinnausblick Anfang Juni noch für Euphorie gesorgt. Raspberry Pi erwartet für das erste Halbjahr einen operativen Kerngewinn von mindestens 38 Millionen Dollar – weit mehr als der Markt für das gesamte Jahr erwartet hatte. Starke Industrienachfrage und hohe Preissetzungsmacht befeuerten den Optimismus.

Der Kurseinbruch in dieser Woche wirkt wie eine Verschnaufpause nach einer Rally, die den Titel seit Jahresbeginn um 171,57 Prozent nach oben getrieben hat.

Liefert Raspberry Pi nur die Hardware fürs KI-Zeitalter?

Der britische Computerhersteller hat sich längst vom Bildungswesen verabschiedet. Rund 75 Prozent der Einheiten gehen heute an Industriekunden. Die Einsatzbereiche reichen von intelligenten Verkaufsautomaten über Smart-Home-Anwendungen bis hin zu Fabrikautomatisierung und medizinischen Überwachungssystemen.

Ein zentraler Treiber: Edge AI Compute. Damit ist gemeint, dass KI direkt auf den Geräten läuft, nicht in der Cloud. Das Management hatte bereits zu Jahresbeginn signalisiert, dass Industriekunden den Trends enthusiastischer KI-Anwender innerhalb weniger Jahre folgen. Raspberry Pi könnte so zum Trägerrechner für dezentrale KI werden.

Parallel dazu baut das Unternehmen ein zweites Geschäftsfeld auf. Der Halbleiterbereich wächst rasant. Im Vorjahr stiegen die Auslieferungen von Mikrocontrollern um 47 Prozent auf einen Rekordwert von 8,4 Millionen Einheiten – und übertrafen damit erstmals die Verkäufe von Boards und Modulen. Das Ziel: langfristig Milliarden von Einheiten pro Jahr auszuliefern.

Bewertung bleibt Risiko

Doch die Aktie ist teuer. Selbst nach dem jüngsten Rücksetzer liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf einem Niveau, das Anleger anhaltendes Wachstum einpreisen lässt. Bremsend wirken könnte 2027 eine Knappheit an DRAM-Chips, die die Produktpreise nach oben treiben würde.

Kurz gesagt: Die fundamentale Story stimmt. Die Zahlen sind stark. Aber die Bewertung lässt wenig Raum für Enttäuschungen. Die Frage ist nicht, ob Raspberry Pi wächst – sondern ob das Tempo reicht, um den Aktienkurs auf dem aktuellen Niveau zu rechtfertigen. Ein möglicher Wendepunkt: die Quartalszahlen für das zweite Halbjahr. Sie werden zeigen, ob der Gewinntrend anhält.

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