Redcare Pharmacy Aktie: Kurzfristige Perspektiven

Die Redcare-Aktie notiert deutlich unter ihrem Jahreshoch, während neue Konkurrenten wie Rossmann in den Online-Apothekenmarkt drängen. Trotz regulatorischer Fortschritte bei E-Rezepten bleibt das Kursbild angespannt.

Die Kernpunkte:
  • Einstieg von Rossmann und DM erhöht Wettbewerbsdruck
  • Regulatorische Klarheit für digitales E-Rezept PoPP-Modul
  • Aktie verliert über die Hälfte des Jahreshöchststands
  • Analysten sehen Chancen trotz schwachem Kursverlauf

Der Online-Apothekenmarkt in Deutschland wird deutlich ungemütlicher. Neben etablierten Playern drängen nun auch große Drogerieketten in das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Für die Aktie von Redcare Pharmacy bedeutet das spürbaren Gegenwind – trotz wichtiger Fortschritte bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Rossmann und DM erhöhen den Wettbewerbsdruck

Für zusätzlichen Druck sorgte zuletzt die klare Ansage von Rossmann-Chef Raoul Roßmann: Die Drogeriekette wird eine eigene Online-Apotheke aufbauen. Die Lizenz soll – wie bei Redcare – über den Standort Niederlande laufen. Damit tritt Rossmann direkt in das Feld der etablierten Versandapotheken ein.

Diese Ankündigung folgt auf den bereits vollzogenen Einstieg von Wettbewerber DM in den Online-Apothekenmarkt. Aus Sicht von Marktbeobachtern entsteht so ein doppelter Angriff auf die bestehenden Anbieter: zwei bekannte Handelsmarken mit hoher Kundenreichweite, die ihre stationäre Präsenz mit einem digitalen Apothekenangebot verknüpfen können.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Die Redcare-Aktie rutschte in der Folge in die Nähe ihres aktuellen 52‑Wochen-Tiefs und liegt inzwischen rund 58 Prozent unter dem Hoch von 138,40 Euro aus dem März 2025. Der Titel steht damit klar in einem Abwärtstrend.

PoPP: Mehr Klarheit bei E‑Rezepten

Parallel dazu gibt es auf der regulatorischen Seite positive Signale. Am 26. Januar veröffentlichte die für die Telematikinfrastruktur zuständige gematik Behörde den Entwurf der Spezifikationen für das PoPP-Modul („Proof of Patient Presence“). Dieses Modul ist zentral für die Fernbehandlung und die Einlösung digitaler E‑Rezepte.

Wesentliche Punkte der PoPP-Ankündigung:

  • Der Entwurf bestätigt, dass die digitale E‑Rezept-Einlösung über die Shop-Apotheke-App von Redcare ohne Bruch fortgeführt werden kann.
  • Interessierte Parteien können bis zum 9. Februar 2026 Stellung nehmen.
  • Die finalen Spezifikationen sollen im ersten Quartal 2026 vorliegen.
  • Der offizielle Start des PoPP-Moduls ist für Ende 2026 geplant.
  • Die bestehende CardLink-Lizenz von Redcare bleibt bis zum 31. Januar 2027 gültig.

Für Redcare bedeutet das Planungssicherheit: Das Unternehmen kann seine technische Infrastruktur schrittweise anpassen und gleichzeitig sicherstellen, dass der E‑Rezept-Prozess für Kundinnen und Kunden ohne Unterbrechung weiterläuft. Der regulatorische Rahmen für das digitale Rezept wird damit greifbarer – ein wichtiger Faktor angesichts der strategischen Bedeutung dieses Kanals.

Technisches Bild klar belastet

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Die Aktie befindet sich kurz-, mittel- und langfristig in einem Abwärtstrend und notiert deutlich unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50, 100 und 200 Tage. Allein gegenüber dem 200‑Tage-Durchschnitt von 83,50 Euro beträgt der Abschlag gut 30 Prozent.

Auch der Blick auf die längere Entwicklung fällt ernüchternd aus: Auf Jahressicht hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Werts verloren (rund –53 Prozent), seit Jahresbeginn liegt das Minus bei knapp 13 Prozent. Von einer Bodenbildung kann aus technischer Sicht derzeit keine Rede sein.

Analysten bleiben überwiegend optimistisch

Trotz des schwachen Kurses gibt es von Analystenseite überwiegend positive Einschätzungen. Mehrere Häuser sehen in der aktuellen Bewertung eher eine Chance als ein strukturelles Problem:

  • Berenberg bleibt bei „Kaufen“ mit einem Kursziel von 165 Euro.
  • Barclays stuft mit „Overweight“ ein, hat das Kursziel jedoch von 130 auf 110 Euro gesenkt.
  • Jefferies empfiehlt die Aktie mit einem Ziel von 150 Euro zum Kauf.
  • Deutsche Bank ist besonders zuversichtlich und nennt 214 Euro als Kursziel.
  • UBS ist zurückhaltender und vergibt ein neutrales Votum mit einem Ziel von 74 Euro.

Im Durchschnitt liegt das Konsenskursziel bei 131,56 Euro und damit rechnerisch mehr als doppelt so hoch wie das aktuelle Kursniveau. Neun Analysten decken das Papier derzeit ab. Die Spannbreite der Kursziele zeigt allerdings, wie unterschiedlich die Risiken und Chancen eingeschätzt werden – vom vorsichtigen Ansatz bis zum klaren Turnaround-Szenario.

E‑Rezept bleibt zentraler Wachstumstreiber

Fundamental stützt vor allem das Geschäft mit E‑Rezepten die Investmentstory. Bereits Anfang Januar meldete Redcare, die verschreibungspflichtigen Umsätze (Rx) in Deutschland im Jahr 2025 nahezu verdoppelt zu haben. Das Unternehmen sieht sich damit als führender Anbieter im Bereich elektronische Verschreibungen.

Dieser Wachstumstreiber ist umso wichtiger, als der Wettbewerb durch Rossmann, DM und andere Akteure im OTC- und Handelsgeschäft zunimmt. Die fortschreitende Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens spielt Redcare dabei in die Karten: Je stärker sich das E‑Rezept durchsetzt, desto relevanter wird ein etabliertes, technisch stabiles und nutzerfreundliches System.

Redcare bedient nach eigenen Angaben über 13,5 Millionen aktive Kunden in sieben europäischen Ländern und bietet mehr als 250.000 Produkte an. Konkretere Einblicke in Profitabilität, Cashflow und strategische Prioritäten für 2026 liefert der Geschäftsbericht 2025, der am 4. März 2026 veröffentlicht werden soll. Am 15. April 2026 folgt zudem die Hauptversammlung, auf der das Management die mittelfristige Ausrichtung im Detail erläutern dürfte – vor dem Hintergrund eines schwachen Aktienkurses, aber eines strukturell wachsenden E‑Rezept-Geschäfts.

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