Rekordabflüsse, 120-Dollar-Öl und Volkswagens Rüstungswette

Geopolitische Eskalation treibt Ölpreise über 120 Dollar und löst historische Kapitalabflüsse aus. Die Geldpolitik reagiert mit Zinsstopp, während Unternehmen wie VW über Rüstungsproduktion nachdenken.

Die Kernpunkte:
  • Historische Kapitalabflüsse aus US-Fonds
  • Ölpreis steigt auf 120 Dollar nach Angriffen
  • Zinssenkungen 2026 werden unwahrscheinlicher
  • VW erwägt Rüstungsfertigung in Osnabrück

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich Ihnen, die alte Börsenlogik funktioniere nicht mehr, wenn ein dreistelliger Ölpreis die Inflation künstlich hochhalte. Seitdem hat sich die Lage nicht beruhigt – sie hat sich verschärft. Die Straße von Hormus, Europas industrielle Identität, die Flucht aus Risiko-Assets: Alles beschleunigt sich gleichzeitig. Ein Wochenende, das keines war.

3,8 Milliarden Dollar suchen Schutz

Eine Zahl legt das aktuelle Sentiment schonungslos offen: Minus 3,8 Milliarden US-Dollar. So viel Kapital floss in der vergangenen Woche aus US-Finanzfonds ab. Das übertrifft nicht nur den Bärenmarkt 2022. Es übertrifft die bisherigen Rekordabflüsse aus dem Corona-Crash im März 2020.

Das Geld verschwindet nicht. Es sucht den ultimativen sicheren Hafen. Der US-Dollar-Index kletterte zuletzt auf ein 9-Monats-Hoch, während der japanische Yen massiv unter die Räder kam – USD/JPY notiert nahe der 160er-Marke, einem 18-Monats-Extrem. Der Treiber hinter dieser Fluchtbewegung: Die erhofften Zinssenkungen für 2026 werden zunehmend zur Fata Morgana. Die Bank of England dürfte ihren Leitzins laut Analysten nun „fast sicher“ bei 3,75 Prozent einfrieren. Der Grund dafür liegt Tausende Kilometer weiter östlich.

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Die 120-Dollar-Schwelle

Am heutigen Sonntag hat die Eskalation im Nahen Osten eine neue Stufe erreicht. Der Iran führte weitreichende Raketen- und Drohnenangriffe auf mehrere Golfstaaten durch – die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und ein US-Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien wurden getroffen. Israel meldete den bereits siebten Raketenangriff.

Teherans Drohung, die Straße von Hormus zu verminen, trieb den WTI-Ölpreis kurzzeitig auf 120 US-Dollar. Am vergangenen Samstag lag Brent noch bei 103 Dollar – ein Anstieg um knapp 17 Prozent innerhalb einer Woche. Goldman Sachs hat am Wochenende die Konsequenzen durchgerechnet: Bleibt der Ölpreis auf diesem Niveau, schrumpft das globale Wirtschaftswachstum um 0,3 Prozentpunkte. Gleichzeitig wird die Kerninflation weltweit um bis zu 0,6 Prozentpunkte angeheizt. Das Stagflations-Szenario, über das wir in den letzten Tagen gesprochen haben, ist damit keine Warnung mehr. Es ist die Basisannahme.

Drohnen fliegen zurück

Dass die Konflikte unserer Zeit längst global vernetzt sind, verdeutlichten zwei weitere Meldungen an diesem Wochenende. Wolodymyr Selenskyj bestätigte heute in einem CNN-Interview als „100-prozentige Tatsache“, dass Russland mittlerweile Shahed-Drohnen an den Iran liefert, die nun gegen US- und israelische Ziele eingesetzt werden. Die Ironie ist bemerkenswert: Eine ursprünglich iranische Drohne wird in Russland massenproduziert – und fliegt zurück in den Nahen Osten.

Parallel bleibt die europäische Energieversorgung unter Beschuss. Gestern wurde der griechische Öltanker „Maran Homer“ nur 14 Seemeilen vor dem russischen Hafen Noworossijsk im Schwarzen Meer von einer Rakete oder Drohne getroffen. Die 24-köpfige Besatzung blieb unverletzt. Als politische Antwort hat die EU heute – nach der Überwindung eines Vetos von Ungarn und der Slowakei – ihre Sanktionen gegen rund 2.600 Personen und Einrichtungen bis Mitte September 2026 verlängert.

Panzer statt Cabrios

Die Bundesregierung reagiert auf den Ölpreisschock mit mikroökonomischer Schadensbegrenzung: Das Kartellrecht für Tankstellen soll verschärft werden. Kraftstoffpreise dürfen künftig nur noch einmal täglich – exakt um 12 Uhr mittags – angehoben werden. Ein Pflaster auf eine Wunde, die anderswo geschlagen wird.

Symbolkräftiger für die tektonischen Verschiebungen ist, was sich in Niedersachsen abspielt. VW-Konzernchef Oliver Blume verhandelt über die Zukunft des Werks in Osnabrück, dem im Spätsommer 2027 die Schließung droht. Als aussichtsreichster Verhandlungspartner galt lange kein anderer Autobauer – sondern Rheinmetall. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern (Umsatz 2025: knapp 10 Milliarden Euro) wollte dort schusssichere Fahrerkabinen für Militärlaster fertigen lassen. Am vergangenen Donnerstag erteilte Rheinmetall einer Übernahme allerdings eine Absage: Man benötige keine weiteren Kapazitäten für sechsrädrige Radpanzer und baue stattdessen in Kassel aus. Blume hält dennoch an der Rüstungsoption fest. Bei der Bilanzvorlage bestätigte er, weiterhin Gespräche mit Rüstungsunternehmen zu führen. Die Entscheidung über den Standort soll bis Ende 2026 fallen. Ein Automobilwerk, das zum Rüstungsstandort werden könnte – präziser lässt sich das Europa des Jahres 2026 kaum auf den Punkt bringen.

Die Quintessenz

Am vergangenen Mittwoch verkündete die Fed ihre Zinsentscheidung, wie erwartet ohne Senkung. Die eigentliche Frage war, wie Jerome Powell das toxische Gemisch aus dreistelligem Ölpreis und hartnäckiger Kerninflation in seine Prognose übersetzt. Die Antwort kennen wir nun: abwartend, aber mit deutlich hawkisherer Tonlage. Zinssenkungen sind vom Tisch, solange der Ölpreis die Inflation künstlich beatmet.

Für Anleger verengt sich der Handlungsspielraum. Preissetzungsmacht bleibt die entscheidende Unternehmenskennzahl in diesem Umfeld. Wer steigende Energiekosten an Kunden weitergeben kann, übersteht diesen Sturm. Wer es nicht kann, gerät unter Margendruck – schnell und schmerzhaft. Wenn morgen früh die europäischen Börsen öffnen, werden zwei Instrumente als Fieberthermometer dienen: der Ölpreis und der Dollar-Index. Behalten Sie beide im Blick.

Ich wünsche Ihnen trotz der unruhigen Nachrichtenlage einen erholsamen Sonntagabend und einen klaren Kopf für die kommende Handelswoche.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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