Rekordquartal bei der Deutschen Bank, Tiefstand bei Vonovia

Starke Bank- und Shell-Ergebnisse treffen auf Vonovias gekappte Wachstumsziele und höhere Finanzierungskosten.

Die Kernpunkte:
  • Deutsche Bank erzielt Quartalsrekordergebnisse
  • Shells bereinigter Gewinn fast verdoppelt
  • FTAI erhöht Aktienrückkaufprogramm
  • Vonovia kürzt Ziele bis 2028

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Deutsche Bank hat heute ein Rekordquartal vorgelegt. Während die Wall Street über die Milliarden-Investitionen der KI-Konzerne streitet, fließt das Geld in Europa dorthin, wo höhere Zinsen direkt in die Kasse laufen: in Banken und Energiekonzerne. Der DAX sprang dabei erstmals seit mehr als sieben Wochen wieder über 26.000 Punkte.

Damit stellt sich eine alte Frage neu: Wer profitiert von teurem Geld, und wer zahlt drauf? Die Antworten sind weniger eindeutig, als der Jubel vermuten lässt.

Deutsche Bank: Rekord, aber noch kein Comeback

Die Deutsche Bank meldet für das dritte Quartal Rekordergebnisse. Die Aktie legt im Verlauf rund 3,8 Prozent zu. Damit ist die Korrektur seit dem 52-Wochen-Hoch vom 8. September vorerst gestoppt, und Analysten sprechen bereits von einem neuen Anlauf auf dieses Niveau.

Ist die Aktie damit ein Selbstläufer? Noch nicht. Auf Jahressicht liegt die Deutsche Bank weiter rund 6 Prozent im Minus.

Rückenwind kommt von der EZB. Sie beließ den Einlagensatz, also den Zins für Geld, das Banken bei der Notenbank parken, heute bei 2,50 Prozent, signalisierte aber eine Erhöhung im Dezember. Die Volkswirte der Deutschen Bank erwarten genau diesen letzten Schritt noch unter Christine Lagarde. Die EZB-Chefin kündigte ihren Rücktritt zum 7. Februar 2027 an.

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Nicht jede Bank verdient allerdings gleich viel an der Zinswende. Barclays hebt das Kursziel für Intesa Sanpaolo auf 7,70 Euro an, begründet mit starken Fundamentaldaten italienischer Banken. Für HSBC senkt Barclays das Ziel dagegen, weil die Zinserlöse schwächer ausfielen als gedacht. Wer operativ liefert, bekommt den Aufschlag, der Rest nicht.

Shell: Rekordgewinn auf Krisenpreisen

Shell zeigt, wie viel Geld derzeit in der Ölkrise steckt. Der bereinigte Quartalsgewinn, also ohne Sondereffekte, hat sich auf 10,81 Milliarden Dollar fast verdoppelt und lag über den Erwartungen der Analysten. Treiber sind Rekordmargen in der Raffinerie, weil der Krieg im Nahen Osten die Rohölpreise hochtreibt und Kraftstoff knapp macht. Shell stockt zudem seine Aktienrückkäufe auf, Repsol kündigt ebenfalls einen Rückkauf an.

Wo ist der Haken? Der Ölpreis lebt von einem Aufschlag für das Kriegsrisiko, der über Nacht verschwinden kann. Die Sorte Brent gab heute nach und hält sich oberhalb von 110 Dollar, nachdem das Wall Street Journal über einen Brief von US-Vizepräsident Vance an Teheran berichtete. Goldman Sachs beziffert diesen geopolitischen Aufschlag auf rund 27 Dollar je Barrel. JPMorgan sieht den fairen Wert bei 94 Dollar.

Gleichzeitig brennen nach Minentreffern mehrere Tanker südlich der Straße von Hormus. Wer Shell, BP oder Repsol hält, sitzt also auf Rekordeinnahmen. Er sollte aber wissen, dass die Rückkäufe mit Krisenpreisen kalkuliert sind.

Triebwerke: Der Reparaturbetrieb verdient, der Hersteller wartet

Der Engpass bei Triebwerken macht aus dem Wartungsspezialisten FTAI Aviation den Gewinner der Berichtssaison. Getragen wurde das Quartal vom Geschäft mit CFM56-Triebwerksmodulen. FTAI stockt das Rückkaufprogramm auf, die Aktie springt im US-Handel um 14 Prozent.

Für 2027 stellt FTAI ein bereinigtes EBITDA von rund 2,3 Milliarden Dollar in Aussicht, nach etwa 1,5 Milliarden in diesem Jahr. Das EBITDA ist der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Boeing zeigt die andere Seite derselben Geschichte. Das Ziel für die Auslieferungen 2026 im 737-Programm gilt nach Aussage des Managements als kaum noch erreichbar, weil der Hochlauf dieser Baureihe stockt. Bernstein senkt das Kursziel auf 223 Dollar, bleibt aber bei „Outperform“, also besser als der Markt. Solange die Hersteller nicht liefern, verdienen jene, die alte Flugzeuge in der Luft halten.

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Vonovia: Wenn die Dividende zum Warnsignal wird

Vonovia hat am Mittwochabend seine Wachstumsziele bis 2028 gekappt und neue Modernisierungsinvestitionen im Bestand pausiert. Grund sind gestiegene Finanzierungskosten und ein schwächeres Verkaufsgeschäft. Die Aktie rutschte heute auf den tiefsten Stand seit März 2014 und liegt auf Jahressicht rund 35 Prozent im Minus.

Und die Dividende? Laut FactSet-Schätzung bietet Vonovia mit knapp 8 Prozent die höchste erwartete Dividendenrendite im DAX. Genau diese Zahl stellen Analysten nun infrage, denn höhere Zinsen belasten die Refinanzierung alter Kredite und die Immobilienbewertungen gleichzeitig. Das Vermietungsgeschäft bleibt zwar robust. Doch eine Dividende, der der Markt nicht mehr glaubt, ist kein Argument für einen Einstieg, sondern das Risiko selbst.

Bitcoin: Der Freitagmorgen entscheidet

Bitcoin notiert knapp über 81.000 Dollar. Am Freitag um 9 Uhr laufen auf der Plattform Deribit Optionen im Nominalwert von 10,9 Milliarden Dollar aus. Optionen sind Rechte, zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen; an diesem Termin endet ihre Laufzeit.

Wichtig ist die Marke von 79.500 Dollar. Darunter droht ein Rutsch Richtung 75.000 Dollar, darüber ist eine Erholung möglich. Immerhin flossen von Montag bis Mittwoch wieder Gelder in die US-Spot-ETFs, börsengehandelte Fonds mit echten Bitcoin, nach Abflüssen in der Vorwoche.

Was bremst? Laut Glassnode halten Langzeitinvestoren große Bestände, die sie zu höheren Kursen gekauft haben. Jede Erholung in diese Zone trifft auf Anleger, die nur noch zum Einstandspreis raus wollen.

Der globale Kompass

Teures Geld trennt heute scharf. Die Deutsche Bank wird für ihr Rekordquartal belohnt, Vonovia für steigende Finanzierungskosten bestraft. Doch auch die Gewinner haben ihre Bedingungen: Die Bankaktie hat ihr Jahresminus noch nicht aufgeholt, und Shells Rekord ruht auf einem Ölpreis mit Kriegsaufschlag.

Für die kommenden Tage zählen zwei Termine. Die Antwort Teherans auf den Vance-Brief bestimmt den Ölpreis und damit die Rückkäufe der Energiekonzerne. Beim Bitcoin-Optionsverfall am Freitag entscheidet sich, ob die Marke von 79.500 Dollar hält.

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