Relx Aktie: Open-Access-Falle?
Der STM-Bereich wächst um 6 Prozent, während Gebühren und fehlende Vernetzung die internationale Beteiligung von Forschenden erschweren.

- Mehr als die Hälfte publiziert aus Schwellenländern
- Publikationsgebühren beeinflussen die Zeitschriftenwahl
- STM-Umsatzwachstum erreicht sechs Prozent
- Abonnements liefern knapp 80 Prozent des STM-Umsatzes
Ein heute veröffentlichter Bericht von Elsevier und Research4Life zeigt für Relx Chancen und Hürden im wissenschaftlichen Publikationsgeschäft. Forschende in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen gewinnen an Bedeutung.
Zugleich erschweren ihnen Publikationskosten und fehlende internationale Vernetzung den Zugang. Das ergänzt die Botschaft des gestrigen Investorenseminars: Das Wissenschaftsgeschäft wächst schneller, sein weiteres Potenzial hängt aber auch von zugänglichen Angeboten ab.
Größere Forschungsbasis, begrenzter Zugang
Der Bericht stützt sich auf eine Befragung von 1.122 Forschenden sowie Interviews mit über 100 institutionellen Forschungsleitern. Mehr als die Hälfte der weltweit publizierenden Forschenden lebt inzwischen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Für Relx ist diese Entwicklung im Umfeld der Elsevier-Aktivitäten relevant. Eine breitere Forschungsbasis bietet Anknüpfungspunkte für wissenschaftliche Veröffentlichungen und digitale Forschungswerkzeuge. Sie bedeutet allerdings nicht automatisch zusätzliche zahlende Nachfrage. Der Bericht beschreibt erhebliche Hindernisse beim Zugang zum internationalen Wissenschaftsbetrieb.
So kooperierten 59% der Befragten in den vergangenen drei Jahren international. Gleichzeitig nennen 54% fehlende Vernetzungsplattformen als Hürde. Nur 51% sehen gleiche Chancen zur Publikation.
Damit geht es nicht allein um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Inhalte. Auch die Einbindung in Forschungsnetzwerke beeinflusst, wie gut Wissenschaftler ihre Arbeit international sichtbar machen können. Für Anbieter von Forschungsinformationen liegt hier ein möglicher Ansatzpunkt, nicht bereits ein gesicherter Umsatztreiber.
Publikationsgebühren bleiben eine Hürde
Offener Zugang zu Forschungsergebnissen besitzt für die Befragten hohe Bedeutung. Zugleich spielen die damit verbundenen Kosten bei der Wahl einer Zeitschrift eine wichtige Rolle.
Laut Elsevier und Research4Life halten 88% Open Access für wichtig. Für 73% sind Publikationsgebühren ein maßgeblicher Faktor bei der Zeitschriftenwahl. Einen Gebührennachlass erhielten bislang 48%.
Die Zahlen verdeutlichen ein Spannungsfeld: Wissenschaftliche Inhalte sollen breiter zugänglich werden, während Gebühren für viele Forschende eine relevante Hürde bleiben. Für Anleger ist deshalb die Unterscheidung zwischen wachsender Forschungsaktivität und ihrer wirtschaftlichen Erschließung wichtig. Der Bericht liefert keine Umsatzprognose für Relx.
Wissenschaftsgeschäft wächst bereits schneller
Beim gestrigen STM-Investorenseminar stellte Elsevier-CEO Kumsal Bayazit die Fortschritte in Primärforschung und entscheidungsunterstützenden Anwendungen vor. Dabei stand auch der Ausbau KI-gestützter Angebote im Mittelpunkt.
Das Umsatzwachstum des STM-Bereichs liegt demnach bei 6%. Beim vorherigen Seminar waren es 2–4%. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 28% des Relx-Umsatzes auf diesen Bereich.
STM ist damit für die Entwicklung des Konzerns wesentlich. Die heutigen Ergebnisse zur internationalen Forschung ergänzen die Wachstumsdarstellung um eine wichtige Einschränkung: Größere wissenschaftliche Beteiligung und bessere wirtschaftliche Zugänglichkeit müssen zusammenkommen.
Knapp 80% des STM-Umsatzes stammen aus Abonnements. Das Forschungswerkzeug LeapSpace zählt knapp 1.000 institutionelle Abonnenten. Sherpath AI erreicht 2026 rund 100.000 Studierende.
Diese Nutzung zeigt, dass Relx digitale Forschungs- und Lernangebote bereits vermarktet. Die nächste wirtschaftliche Frage ist, wie weit sich solche Angebote über bestehende Kundengruppen hinaus verbreiten lassen. Der heutige Bericht macht deutlich, warum dabei neben der Leistungsfähigkeit auch Finanzierung und Zugang entscheidend sind.
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