Renk Group Aktie: 49 Prozent weicher Auftragsbestand

Fast die Hälfte des Rekordauftragsbestands von Renk basiert laut mwb Research auf Schätzungen statt Verträgen. Analysten bleiben bei 'Hold'.

Die Kernpunkte:
  • 49 Prozent des Auftragsbestands geschätzt
  • mwb Research bestätigt 'Hold' mit 48 Euro
  • JPMorgan und Deutsche Bank optimistischer
  • Renk bestätigt Umsatzprognose über 1,5 Milliarden

Ein Rekordauftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Doch die Analysten von mwb Research werfen am Donnerstag einen kritischen Blick auf die Zusammensetzung dieser Zahl – und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis: Fast die Hälfte des Bestands beruht demnach nicht auf festen Verträgen, sondern auf Management-Schätzungen.

Softer Auftragsbestand als Streitpunkt

Nach Berechnungen von mwb Research basieren rund 49 Prozent des Gesamtauftragsbestands von 7,5 Milliarden Euro auf sogenanntem „weichem“ Bestand – also auf internen Prognosen des Unternehmens statt auf unterschriebenen Verträgen.

Die Analysten bestätigten daraufhin ihre Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 48,00 Euro, was in etwa dem aktuellen Kursniveau entspricht. Für Anleger, die den Rekordwert bislang als reine Erfolgsmeldung gelesen haben, ist das ein wichtiger Dämpfer: Nicht jeder Euro im Orderbuch ist bereits gesichertes Geschäft.

Diese Skepsis steht in deutlichem Kontrast zu den Einschätzungen zweier Investmentbanken, die sich zuletzt deutlich optimistischer positioniert haben. JPMorgan-Analyst David Perry bestätigte am 18. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 75,00 Euro – mehr als 55 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.

Auch die Deutsche Bank hält an ihrer Kaufempfehlung fest: Analyst Christophe Menard beließ sein Kursziel am 14. August unverändert bei 73,00 Euro. Die Spanne zwischen den Lagern könnte kaum größer sein.

Konsolidierungsfantasie treibt kurzfristig den Kurs

Befeuert wurde die positive Seite der Debatte zusätzlich durch eine Einschätzung von David Perry, der Renk als attraktives Übernahmeziel für größere Rüstungskonzerne bezeichnete – begründet mit dem hohen Konsolidierungspotenzial der Branche.

Die Aussage sorgte laut dpa-AFX für spürbare Kursgewinne auf Handelsplattformen wie Tradegate. Ob sich daraus tatsächlich konkrete Übernahmegespräche entwickeln, bleibt allerdings offen; belastbare Fakten dazu liegen bislang nicht vor.

Auf der operativen Seite bestätigte das Unternehmen im Rahmen der Nachlese zum ersten Halbjahr seine Prognose für das Gesamtjahr: Der Umsatz soll 2026 die Marke von 1,5 Milliarden Euro übersteigen. Das operative Fundament stimmt also weiterhin – die Frage ist eher, wie stabil das künftige Auftragswachstum tatsächlich ist, wenn ein erheblicher Teil davon auf Schätzungen statt auf Verträgen beruht.

Kursbild bleibt uneinheitlich

Am Kursverlauf zeigt sich die Unsicherheit der Anleger. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 48,34 Euro, ein Plus von 0,4 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht dagegen ein Verlust von 6,5 Prozent zu Buche, während sich der Titel auf Monatssicht um 7,9 Prozent erholt hat. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit 10 Prozent im Minus.

Damit bewegt sich der Kurs weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 90,20 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde – der Abstand beträgt rund 46 Prozent. Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob sich der Auftragsbestand in den kommenden Quartalen tatsächlich in feste Verträge verwandelt. Der nächste Anhaltspunkt dafür liefern die Ergebnisse zum dritten Quartal, die Renk für den 5. November angekündigt hat.

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