Renk Group Aktie: 691 Millionen für HMPT-800-Transmission

Renk bestätigt Jahresprognose und treibt Übernahme voran. Analysten streiten über das Kurspotenzial der Aktie nach starkem Lauf.

Die Kernpunkte:
  • Halbjahreszahlen bestätigen Jahresprognose
  • Übernahme von David Brown Defence geplant
  • Analystenmeinungen zu Renk stark gespalten
  • Aktie bleibt unter 200-Tage-Linie

Während JPMorgan am Donnerstag sein „Overweight“-Rating für die Renk-Aktie bestätigte, hatte MWB Research den Panzergetriebe-Hersteller bereits am 9. Juli von Buy auf Hold zurückgestuft. Die Kursziele der Häuser liegen weit auseinander – ein Bild, das die Gemengelage rund um den Rüstungszulieferer aus Augsburg derzeit gut beschreibt.

Skepsis bei MWB, Zuversicht bei JPMorgan

MWB Research beließ sein Kursziel bei 50 Euro und begründete die Abstufung damit, dass ein Großteil der positiven Entwicklung im Kurs bereits eingepreist sei. JPMorgan sieht das anders und hält trotz der bereits kräftig gestiegenen Notierung an seiner positiven Einschätzung fest. Weitere Häuser räumen der Aktie noch deutlich mehr Spielraum ein: Der Durchschnitt aus sieben aktuellen Bewertungen liegt bei 68 Euro, Jefferies nennt im Rahmen einer Kaufempfehlung sogar ein Kursziel von 60 Euro. Die Spanne zwischen dem skeptischsten und dem optimistischsten Kursziel zeigt, wie unterschiedlich die weitere Entwicklung von Renk derzeit eingeschätzt wird.

Gestützt wird die positivere Lesart auch durch die am Donnerstag vorgelegten Halbjahreszahlen, die den Gesamtauftragsbestand auf 7,4 Milliarden Euro trieben und die Jahresprognose 2026 bestätigten – Umsatz über 1,5 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Für die Kritiker bleibt dennoch die Frage, wie viel davon in einem Kurs, der sich binnen 30 Tagen um 9,99 Prozent verteuert hat, bereits verarbeitet ist.

Übernahme von David Brown Defence als weiterer Baustein

Parallel zur operativen Entwicklung treibt Renk eine strategische Erweiterung voran. Am 3. Juli schloss das Unternehmen einen verbindlichen Vertrag zum Erwerb von David Brown Defence von Stellex Capital Management ab. Das Zielunternehmen ist auf hochpräzise Getriebe für den Marine- und Landverteidigungssektor spezialisiert und bringt einen gesicherten Auftragsbestand samt Pipeline von über 700 Millionen britischen Pfund für den Zeitraum 2026 bis 2030 mit. Renk erhält damit Zugang zu Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien mit langfristigen Auftragsbindungen. Erhebliche operative und technologische Synergien werden erwartet. Das Closing der Transaktion ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen, steht aber noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Diese geografische Ausweitung passt zu weiteren operativen Fortschritten der jüngeren Zeit: einem vierten Folgeauftrag der US-Army für die HMPT-800-Transmission im Rahmen des THOR-IV-Rahmenvertrags mit einem Volumen von bis zu 691 Millionen US-Dollar sowie ersten Serienaufträgen für die Antriebssysteme des Patria-TRACKX-Kettenfahrzeugs.

Kurs bleibt unter langfristigem Durchschnitt

Am vergangenen Freitag schloss die Aktie bei 50,77 Euro und gab damit um 1,01 Prozent nach. Trotz der Rally der vergangenen Wochen notiert der Titel noch 4,23 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der langfristige Trend trotz des jüngsten Anstiegs noch nicht vollständig gedreht ist. Zwischen der vorsichtigen Haltung von MWB und der Zuversicht von JPMorgan sowie dem Analystenkonsens von 68 Euro liegt damit weiterhin eine spürbare Bandbreite an Erwartungen, die sich erst mit weiteren Nachrichten – etwa zum Fortgang der David-Brown-Defence-Übernahme im vierten Quartal – auflösen dürfte.

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