Renk Group Aktie: Gleitlager-Marge bricht um 430 Basispunkte ein

Renk verzeichnet Rekordauftragseingang und bestätigt Jahresziele, doch der Markt bleibt wegen der schwachen Gleitlager-Marge zurückhaltend.

Die Kernpunkte:
  • Rekordauftragseingang im zweiten Quartal
  • Auftragsbestand wächst auf 7,4 Mrd. Euro
  • Gleitlager-Marge bricht deutlich ein
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Der Panzergetriebe-Hersteller Renk Group hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die auf dem Papier kaum besser hätten ausfallen können. Rekordauftragseingang, ein auf 7,4 Milliarden Euro gewachsener Auftragsbestand, ein bereinigtes EBIT von 98,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr – und trotzdem reagiert die Börse mit einem Achselzucken. Für mich ist genau dieser Kontrast die eigentliche Geschichte hinter der Aktie.

Operativ läuft es, die Bewertung hinkt hinterher

Die Fakten sprechen zunächst klar für das Unternehmen. Im zweiten Quartal verbuchte Renk mit 612,8 Millionen Euro den höchsten Quartalsauftragseingang der Firmengeschichte, der Umsatz lag bei 354 Millionen Euro, das bereinigte EBIT bei 56 Millionen Euro. Die Marge kletterte im Halbjahr auf 15,4 Prozent, ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Das Management bestätigte die Jahresziele – Umsatz über 1,5 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro – und peilt sogar die obere Hälfte dieser Spanne an. Das ist kein Unternehmen, das seine Erzählung nur mit Auftragszahlen schönt, sondern eines, das anfängt, den Auftragsberg tatsächlich in Ertrag zu übersetzen.

Und doch notiert die Aktie zum Freitagsschluss bei 50,77 Euro und damit rund 43,71 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von Anfang Oktober. Wer nur auf die Kursreaktion schaut, könnte meinen, die Zahlen seien enttäuschend gewesen. Das waren sie nicht. Was ich daraus lese: Der Markt hat der Guidance-Bestätigung längst nicht mehr die Euphorie entgegengebracht, die frühere Rekordmeldungen ausgelöst hatten. Immerhin hat sich die Aktie in den vergangenen sieben Handelstagen um 5,98 Prozent erholt – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil der Anleger die Substanz honoriert, auch wenn von echter Euphorie nichts zu spüren ist.

Die Bruchstelle heißt Gleitlager

Wer die Zahlen genauer aufschlüsselt, findet auch den Grund für die verhaltene Reaktion. Während das Segment Vehicle Mobility Systems seine Marge um 240 Basispunkte ausweitete und Mechanical & Industrial immerhin 80 Basispunkte zulegte, brach die Marge im Gleitlager-Geschäft um 430 Basispunkte ein. Für mich ist das der Punkt, an dem die Erfolgsgeschichte einen Riss bekommt. Ein Konzern, der sich als margenstarker Rüstungszulieferer positionieren will, kann sich einen strukturellen Schwachpunkt in einem ganzen Segment nicht auf Dauer leisten. Genau diese Unsicherheit dürfte erklären, warum JPMorgan zwar am Donnerstag beim Votum „Overweight“ blieb, während MWB Research die Aktie bereits Anfang Juli von Buy auf Hold zurückstufte und Jefferies das Kursziel von 70 auf 60 Euro kappte, das Buy-Rating aber unangetastet ließ. Die Analystenlager sind sich uneins, und das passt zum Bild einer Aktie, die operativ überzeugt, aber Vertrauen erst zurückgewinnen muss.

Strategie stimmt, Zeitpunkt ist Geschmackssache

Auf der strategischen Ebene sehe ich mehr Licht als Schatten. Die im Juli unterzeichnete Übernahme des britischen Marine-Getriebespezialisten David Brown Defence öffnet Renk den Zugang zu Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien – ein Schritt, der die Abhängigkeit vom Landfahrzeug-Geschäft verringert, sofern der Abschluss im vierten Quartal wie geplant über die Bühne geht. Auch die im Juli abgeschlossene Refinanzierung über 1,05 Milliarden Euro schafft finanzielle Flexibilität für weiteres Wachstum. Dass CEO Alexander Sagel seinen Vertrag bereits im Mai vorzeitig bis Ende März 2032 verlängerte, lese ich als Signal für personelle Kontinuität in einer Phase, in der operative Führungsstärke zählt. Nicht zu übersehen ist zugleich, dass der Verfassungsschutz Rüstungsfirmen im Juli zu erhöhter Wachsamkeit aufrief – ein Erinnerungsposten daran, dass die Branche neben Chancen auch Sicherheitsrisiken trägt, auch wenn Renk selbst dabei nicht im Zentrum stand.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente die kurzfristige Kursschwäche. Ein Auftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro und eine bestätigte, ambitionierte Guidance sind keine Kleinigkeiten. Die Schwäche im Gleitlager-Segment und die jüngsten Kurszielsenkungen zeigen aber, dass der Markt zu Recht genauer hinschaut, bevor er der Aktie wieder näher an ihr altes Hoch zutraut. Wer an die margenstarke Zukunft des Konzerns glaubt, muss die Geduld mitbringen, bis sich diese Zweifel in den kommenden Quartalen entweder auflösen oder bestätigen.

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