Renk Group Aktie: Panzergetriebe-Produktion verdoppelt sich

Renk steigert Kapazitäten für Panzergetriebe, meldet starke Halbjahresaufträge und erwartet trotz Ausbauplänen den Abschluss einer Übernahme.

Die Kernpunkte:
  • Mehr als 2.000 Panzergetriebe bis 2030
  • Bis zu 325 Millionen Euro Investitionen
  • Auftragseingang erreicht rund 1,2 Milliarden Euro
  • Aktie seit Jahresbeginn zwölf Prozent schwächer

Renk baut seine Rüstungsproduktion massiv aus. Operativ-Vorstand Emmerich Schiller kündigte laut dpa an, die Fertigung von Panzergetrieben von aktuell über 800 Einheiten im laufenden Jahr auf mehr als 2.000 Einheiten bis 2030 zu steigern. Der Konzern investiert dafür bis 2028 bis zu 325 Millionen Euro in Digitalisierung und Kapazitätsausbau an deutschen Standorten.

Werk Rheine wird zur Kleinserienfertigung

Konkret wird das Werk in Rheine vom klassischen Manufaktur-Betrieb auf Kleinserien-Produktion umgestellt. Renk hat bereits 20 Millionen Euro in neue Maschinen investiert, weitere 20 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren folgen. Die Belegschaft am Standort soll bis 2030 von gut 450 auf über 500 Mitarbeiter wachsen.

Besonders markant ist die Verschiebung im Produktmix: Der Anteil militärischer Fertigung am Standort soll von derzeit rund 5 Prozent auf 30 Prozent steigen. Das unterstreicht, wie stark sich Renk von einem breiter aufgestellten Getriebehersteller zu einem Rüstungszulieferer mit wachsendem Verteidigungsschwerpunkt entwickelt.

Der Ausbau fällt in eine Phase, in der Renk operativ ohnehin auf Rekordkurs läuft. Zum Halbjahr meldete der Konzern einen Auftragseingang von rund 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal kamen 612,8 Millionen Euro an neuen Aufträgen herein – das höchste Einzelquartalsvolumen der Unternehmensgeschichte.

Der Gesamtauftragsbestand kletterte auf 7,4 Milliarden Euro, nach 6,7 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,9x zeigt, dass deutlich mehr Aufträge hereinkommen als Umsatz abgerechnet wird – ein Signal für anhaltendes Wachstum.

Zahlen bestätigen Kapazitätsentscheidung

Die operative Entwicklung liefert die Begründung für den Kapazitätsausbau. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro zu. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich auf 15,4 Prozent.

Besonders stark entwickelte sich das Segment Vehicle Mobility Solutions mit einem Auftragsplus von 42,6 Prozent und einer Marge von 19,2 Prozent, unter anderem getrieben von Serienaufträgen für Patria-TRACKX-Antriebssysteme. Das Management bestätigte die Jahresprognose 2026 mit einem Umsatz über 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.

Parallel treibt Renk seine internationale Expansion voran. Im Juli unterzeichnete der Konzern einen verbindlichen Vertrag zur Übernahme von David Brown Defence vom Verkäufer Stellex Capital Management. Das britische Unternehmen mit Sitz in Huddersfield ist auf hochpräzise Getriebe für Marine- und Landverteidigung spezialisiert und bringt eine Auftragspipeline von über 700 Millionen Pfund bis 2030 mit.

Der Zugang zu Marineprogrammen der Five-Eyes-Staaten sowie zu Landsystemen wie Challenger und Boxer gilt als strategischer Baustein. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.

Aktie bleibt trotz operativer Stärke unter Druck

Trotz der starken operativen Nachrichtenlage tut sich die Aktie schwer. Am Montag schloss das Papier bei 47,25 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 12 Prozent zu Buche, vom 52-Wochen-Hoch bei 90,20 Euro im Oktober vergangenen Jahres trennen den Kurs mittlerweile 48 Prozent.

Die Diskrepanz zwischen operativer Dynamik und Kursverlauf bleibt damit das prägende Thema für Anleger, während Renk seine Kapazitäten für die kommenden Jahre bereits auf deutlich höhere Stückzahlen ausrichtet.

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