Rheinmetall, AeroVironment, Kratos: Rote Kurse trotz Rekordaufträgen

Trotz historischer Aufträge und Partnerschaften brechen die Kurse von Rheinmetall, AeroVironment und Kratos ein. Makroökonomische Faktoren überlagern die operativen Erfolge der Rüstungsbranche.

Die Kernpunkte:
  • Rheinmetall startet ATACMS-Produktion in Europa
  • AeroVironment erhält neuen Titan-Auftrag
  • Kraken schließt milliardenschwere Covelya-Übernahme ab
  • Kursverluste trotz positiver Unternehmensnachrichten

Diese Woche zeigt sich, wie widersprüchlich der Rüstungssektor derzeit gehandelt wird. Rheinmetall verkündet einen historischen Durchbruch bei der Raketenproduktion, AeroVironment jagt einen Milliardenauftrag nach dem nächsten, Kraken Robotics schließt eine transformative Übernahme ab – und trotzdem rutschen fast alle Kurse ins Minus. Der Widerspruch zwischen operativen Erfolgen und Börsenreaktion war selten so deutlich wie an diesem Dienstag.

Rheinmetall: ATACMS-Kooperation mit Lockheed Martin überstrahlt Kursverlust

Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara haben Lockheed Martin und Rheinmetall die erste ATACMS-Koproduktion in Europa vorangetrieben, unterstützt von den Regierungen in Washington und Berlin. Ziel ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das als europäisches Kompetenzzentrum für Fertigung und Auslieferung der Raketen an NATO-Partner dienen soll. Rheinmetall wurde ausgewählt, die weltweit erste ATACMS-Produktionsstätte außerhalb der USA zu errichten.

Standort ist Unterlüß in Niedersachsen, wo rund 4.000 Beschäftigte an Waffensystemen, Munition und der Wartung von Kettenfahrzeugen arbeiten. Eine Raketentriebwerk-Fabrik vor Ort steht kurz vor der Fertigstellung – die Produktion soll bereits 2027 anlaufen.

Unter der Oberfläche der Erfolgsmeldung knirscht es allerdings. Konzernchef Papperger hatte ursprünglich vorgeschlagen, im gemeinsamen Werk auch PAC-3-Flugkörper für das Patriot-System zu bauen. Dieser Plan scheint inzwischen vom Tisch, nachdem Lockheed Martin eine separate europäische PAC-3-Kooperation angekündigt hat, in der Rheinmetall nicht vorkommt. Bereits im Mai hatte Papperger auf einer Analystenkonferenz seinen Unmut über das Tempo der Partnerschaft mit den Amerikanern durchblicken lassen.

Die Aktie geriet am Dienstag unter Druck – belastet auch von schwachen Vorgaben aus Asien nach einem Einbruch des südkoreanischen Kospi-Index, der den DAX und Rüstungswerte insgesamt mit nach unten zog. Rheinmetall verlor 2,46 Prozent auf 1.111,00 Euro, nachdem der Titel bereits in den vergangenen 30 Tagen 7,60 Prozent eingebüßt hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 30,63 Prozent zu Buche, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem vergangenen Herbst beträgt inzwischen mehr als 44 Prozent.

AeroVironment: Titan-Aufträge reißen nicht ab – Rally kühlt trotzdem ab

Nach einem Rekordquartal legt AeroVironment munter nach. Für sein Titan-MS-System erhielt das Unternehmen einen neuen Auftrag über 80,5 Millionen Dollar im Rahmen des 500-Millionen-Dollar-Programms Domestic Shield – ein weiterer Beleg dafür, wie stark die Nachfrage nach Drohnenabwehrtechnologie beim US-Militär und internationalen Partnern wächst. Titan-Systeme sind bereits in mehreren Programmen verankert und in 17 Ländern im Einsatz.

Kurz zuvor hatte die US-Armee bereits einen Festpreisvertrag über 500 Millionen Dollar für das Titan-RF-System vergeben, der bis Juni 2029 läuft. Das vierte Geschäftsquartal übertraf mit einem Umsatz von rund 641,6 Millionen Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,84 Dollar die Erwartungen deutlich. Der Auftragsbestand kletterte um 65 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar.

Trotz der starken Zahlen bleiben Analysten bei den Kurszielen zurückhaltend. Jefferies senkte sein Ziel auf 229 Dollar von zuvor 305 Dollar, Canaccord auf 280 Dollar – beide behielten aber ihre Kaufempfehlung bei. Am Markt kam davon zunächst wenig an: Die Aktie fiel heute um 6,93 Prozent auf 143,80 Euro und notiert damit knapp 34 Prozent unter dem Jahresanfangswert. Investoren blicken nun auf den Investorentag am 8. Juli in New York, bei dem Details zur Strategie für autonome Systeme sowie zur Integration von BlueHalo und Empirical erwartet werden.

Kraken Robotics: Covelya-Integration beginnt, Analysten sehen Einstiegschance

Kraken Robotics hat den Übergang von der Deal-Ankündigung zur operativen Integration vollzogen. Die Übernahme von Covelya Group wurde für rund 615 Millionen Dollar abgeschlossen. Als Folge hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für 2026 auf 290 bis 320 Millionen Dollar an, das bereinigte EBITDA soll zwischen 65 und 75 Millionen Dollar liegen – Covelya fließt seit dem 2. Juli in die Zahlen ein.

Mit der Übernahme geht auch ein Führungswechsel einher: Betriebschef Nat Spencer verlässt das Unternehmen Ende Juli, mehrere frühere Covelya-Manager rücken ins neu geordnete Führungsteam nach.

Analyst Mike Stevens von National Bank Financial sieht den Titel trotz eines gesenkten Kursziels von 10,00 auf 9,50 Dollar weiterhin attraktiv bewertet. Nach dem Deal liege die Bewertung bei etwa dem 4,2-Fachen des Umsatzes und dem 17,9-Fachen des EBITDA auf Basis der Schätzungen für 2027 – aus seiner Sicht ein überzeugender Einstiegspunkt. Er bezeichnete Covelya als potenziell transformative Akquisition, die Krakens Größenordnung nahezu verdreifache. Am Kursverlauf half das zunächst wenig: Die Aktie brach heute um 7,38 Prozent auf 3,83 Euro ein, bleibt aber mit einem Plus von 95,15 Prozent auf Zwölfmonatssicht der klare Gewinner unter den fünf Werten.

Kratos Defense: Analysten-Upgrades treffen auf Insider-Verkäufe

Kratos profitiert derzeit von einer Welle positiver Analystenkommentare. Wedbush startete die Coverage mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 85 Dollar, mit dem Argument, der Markt unterschätze das Unternehmen weiterhin als reinen Drohnenhersteller. JPMorgan stufte die Aktie auf Overweight hoch und verwies auf Margenausweitung sowie Beiträge der Sparten Orbit und Nomad, senkte gleichzeitig aber sein Kursziel auf 82 Dollar. Ein neuer Auftrag der US Space Force über bis zu 446,8 Millionen Dollar sowie das Vorzeigeprogramm XQ-58A Valkyrie untermauern die Positionierung als ernstzunehmender Anbieter für autonome und weltraumgestützte Verteidigungssysteme.

Im klassischen Bodensystem-Geschäft sicherte sich Kratos zudem einen Alleinauftrag über rund 36 Millionen Dollar für ein neues Flugabwehr-Raketensystem und erweitert seine Fertigungskapazitäten in Oklahoma City, um die Produktion von Valkyrie, Firejet und weiteren Drohnensystemen zu beschleunigen.

Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen institutionellem und internem Handel. Cathie Woods ARK-Fonds kaufte über mehrere ETFs hinweg rund 102.500 Kratos-Aktien im Gegenwert von etwa 5,7 Millionen Dollar. Unternehmensinsider verkauften im selben Zeitraum jedoch per saldo Aktien im Wert von 31 Millionen Dollar, darunter eine größere Position von Steven Fendley Anfang Juni. Die Aktie gab heute um 5,21 Prozent auf 44,55 Euro nach, nach einem Rekordbacklog von gut zwei Milliarden Dollar im ersten Quartal und einer auf 1,74 Milliarden Dollar angehobenen Jahresprognose.

DroneShield: Operative Fortschritte gegen anhaltenden ASIC-Schatten

DroneShield versucht, die Aufmerksamkeit von Governance-Fragen zurück auf Technologie und Aufträge zu lenken. Ein neues Software-Update beschleunigt die Zielverfolgung um 58 Prozent, zudem holte das Unternehmen einen pensionierten australischen Konteradmiral in den Vorstand. Lee Goddard soll mit seiner Erfahrung in der Beschaffungspolitik helfen, laufende Großprojekte in feste Verträge zu überführen.

Das makroökonomische Umfeld bleibt günstig für Drohnenabwehr-Spezialisten: Das US-Verteidigungsministerium richtete Ende Juni eine neue Behörde zur Bündelung aller Drohnen- und Gegendrohnenprogramme ein, Großbritannien kündigte ein milliardenschweres Investitionsprogramm für autonome Systeme an, und Australien legte kurz darauf seine Verteidigungsindustrie-Strategie samt Exportfazilität vor.

Der regulatorische Druck bleibt dennoch bestehen. Finanziell steht DroneShield mit rund 223 Millionen australischen Dollar an Barreserven und ohne Schulden solide da – wichtig angesichts der noch laufenden Untersuchung der australischen Finanzaufsicht ASIC, zu der bislang keine konkreten Vorwürfe bekannt wurden. Die Aktie gab heute um 2,92 Prozent auf 1,48 Euro nach, hat aber allein in den vergangenen sieben Tagen 3,24 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 25,25 Prozent zu Buche.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich der Markt Auftragserfolge und Bewertungsrisiken derzeit gewichtet:

  • Rheinmetall: Strategischer Durchbruch mit Lockheed Martin, aber Reibung bei parallelen PAC-3-Plänen
  • AeroVironment: Stärkste operative Dynamik der Gruppe, jedoch bereits gekürzte Kursziele nach der Rally
  • Kraken Robotics: Verdreifachung der Unternehmensgröße durch Covelya, kurzfristig gedämpfte Erwartungen bei Serviceumsätzen
  • Kratos Defense: Breitere Wall-Street-Coverage und Diversifikation Richtung Weltraum, aber deutliche Insider-Verkäufe
  • DroneShield: Stärkste prozentuale Kursschwankungen der Gruppe, gefangen zwischen Nachfrageboom und ungeklärter Untersuchung

Auffällig: Trotz unterschiedlichster Nachrichtenlage gaben an diesem Handelstag alle fünf Aktien nach – ein Hinweis darauf, dass makroökonomische Belastungsfaktoren derzeit stärker wirken als einzelne Unternehmensmeldungen.

Rüstungsbranche zwischen Auftragsflut und Kursskepsis

Die kommenden Wochen liefern konkrete Prüfsteine. AeroVironments Investorentag am 8. Juli soll zeigen, wie der prall gefüllte Auftragsbestand in nachhaltiges Wachstum übersetzt werden soll. Bei Rheinmetall muss die ATACMS-Absichtserklärung nun in ein bindendes Gemeinschaftsunternehmen münden – ein Rahmenvertrag bis Jahresende gilt als realistisch. Kraken Robotics steht der nächste echte Test bei den Zahlen für das zweite Quartal Ende August bevor, wenn sich zeigen muss, ob die angehobene Prognose Bestand hat.

Kratos Defense dürfte weiter an neuen Aufträgen im Bereich Weltraum und Hyperschall gemessen werden, die den Wandel vom Nischenanbieter zum breit aufgestellten Systemhaus untermauern sollen. Für DroneShield bleibt der Ausgang der ASIC-Untersuchung die entscheidende Variable – erst wenn dieser regulatorische Schatten verschwindet, dürfte sich zeigen, ob die operativen Fortschritte auch am Aktienkurs ankommen.

Anzeige

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 7. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Rheinmetall