Rheinmetall Aktie: 1.032,60 Euro zum Handelsschluss
Rheinmetall überwindet die 1.000-Euro-Marke. Analysten senken Kursziel, doch neue Milliardenaufträge und der Ausbau der Munitionsproduktion stützen die Erholung.

- Aktie schließt bei 1.032 Euro
- Bank of America senkt Kursziel auf 1.300 Euro
- Milliardenauftrag für britisches Armee-Training
- Bau einer neuen Pulverfabrik in Aschau
Rheinmetall hat die runde 1.000-Euro-Marke zurückerobert. Am Freitag schloss die Aktie des Düsseldorfer Rüstungskonzerns bei 1.032,60 Euro, ein Plus von 1,29 Prozent gegenüber dem Vortag. Medienberichten zufolge hatte das Papier bereits am Donnerstag erstmals seit einer längeren Korrekturphase wieder über die psychologisch wichtige Schwelle gefunden. Vom Rekordhoch bei 2.007 Euro von Anfang Oktober vergangenen Jahres trennen die Aktie damit weiterhin fast die Hälfte – der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt noch immer 48,55 Prozent.
Kurserholung trifft auf dichten Nachrichtenfluss
Die jüngste Stabilisierung fällt in eine Phase, in der Rheinmetall nahezu im Wochentakt neue Aufträge und Projektfortschritte meldet. Am Montag senkte die Bank of America ihr Kursziel für die Aktie von 1.770 auf 1.300 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Buy“. Analyst Benjamin Heelan begründete den Schritt mit einem strategischen Wandel der Kriegsführung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen, der die Bewertungsmodelle für klassische Rüstungskonzerne verändere. Trotz des tieferen Zielwerts bleibt die grundsätzliche Kaufempfehlung damit bestehen. Nur am Rande fiel dagegen eine automatisierte Einstufung auf: Ein Anlage-Ranking stufte die Aktie diese Woche von Rang 311 auf Rang 316 zurück – ein Detail ohne größere Aussagekraft für die fundamentale Lage des Konzerns.
Auftragsbücher füllen sich weiter
Das operative Geschäft liefert derweil Argumente für die Erholung. Rheinmetall Electronics erteilte dem Unternehmen Thales einen Auftrag über eine mittlere vierstellige Anzahl optronischer Sichtsysteme der neuen Generation, die Auslieferungen sollen ab 2027 beginnen. Aus dem bestehenden Rahmenvertrag zur Digitalisierung landbasierter Operationen rief das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr zudem Hardware und Unterstützungsleistungen im Wert von rund 100 Millionen Euro ab. Größer fällt der Anteil aus dem „Omnia-Training“-Konsortium unter Führung von Raytheon UK aus: Rheinmetall entfällt dabei ein Auftragsvolumen von knapp einer Milliarde Euro für die Digitalisierung der Gefechtsausbildung der britischen Armee über eine Laufzeit von 15 Jahren.
Parallel dazu lieferte das neue Werk im niedersächsischen Unterlüß erstmals eine niedrige fünfstellige Anzahl an 155-mm-Artilleriemunition an die Ukraine. Zudem übernahm der Konzern im Auftrag des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung die Gesamtverantwortung für das Forschungsprojekt „InterRoC VII“ zur Automatisierung militärischer Logistikkonvois. Nicht jedes Vorhaben ging jedoch auf: Die Verkaufsgespräche von Thyssenkrupp Marine Systems um die Werft German Naval Yards Kiel wurden diese Woche offiziell beendet, nachdem keine Einigung über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erzielt werden konnte – Rheinmetall war als Mitbieter an dem Prozess beteiligt.
Firepower-Ausbau und Blick auf Quartalszahlen
Größere Signalwirkung dürfte die Grundsteinlegung für das Projekt „Firepower“ am Standort Aschau am Inn entfalten. Mit einem Investitionsvolumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich soll dort eine der modernsten Pulverfabriken Europas entstehen. Die Kapazitäten sollen sich bis 2028 auf über eine Million Treibladungsmodule verdoppeln – ein deutliches Bekenntnis zum langfristigen Ausbau der Munitionsproduktion.
Trotz der jüngsten Erholung um gut 9 Prozent binnen 30 Tagen bleibt die Aktie von den Höchstständen des vergangenen Jahres weit entfernt. Anleger richten den Blick nun auf den 6. August, wenn Rheinmetall den Finanzbericht zum zweiten Quartal 2026 veröffentlicht. Erst dort dürfte sich zeigen, wie sich die dichte Folge an Aufträgen und Investitionsprojekten tatsächlich in den Geschäftszahlen niederschlägt.
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