Rheinmetall Aktie: 100 Millionen für D-LBO
Trotz Auftragsflut und Insiderkäufen nahe Jahrestiefs bleibt der Aktienkurs unter Druck. Analysten senken Kursziele, bestätigen aber Kaufempfehlungen.

- Grundsteinlegung für moderne Pulverfabrik
- Ukraine-Lieferungen und Bundeswehr-Aufträge
- Insider kaufen Aktien nahe Jahrestiefs
- Analysten senken Kursziele, bleiben optimistisch
Rheinmetall hat am 23. Juli 2026 in Aschau in Oberbayern den Grundstein für eine neue Pulverfabrik gelegt. Die Anlage soll nationale Produktionskapazitäten für mehr als eine Million Treibladungsmodule schaffen und gilt nach Angaben des Unternehmens als eine der modernsten Fertigungsstätten Europas. Der Ausbau reiht sich in eine Serie von Rüstungsaufträgen ein, die den Konzern in den vergangenen Wochen beschäftigt haben.
Lieferungen und Aufträge häufen sich
Bereits Mitte Juli hatte Rheinmetall den Vollzug einer Lieferung von RH1412-Systemen an die Ukraine vermeldet – ein weiterer Baustein der laufenden Unterstützung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit. Kurz zuvor hatte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) der Arbeitsgemeinschaft aus Rheinmetall Electronics und der Tochter blackned einen Abruf über 100 Millionen Euro erteilt. Der Auftrag umfasst 5.000 Adapterplatten, 11.000 Pin Pads sowie Integrationsleistungen im Rahmen des milliardenschweren Digitalisierungsprojekts D-LBO der Bundeswehr.
Auch die Tochter Rheinmetall Electronics war zuletzt aktiv: Sie beauftragte Thales Mitte Juli mit der Lieferung optronischer Sichtsysteme der neuen Generation im mittleren vierstelligen Bereich, Auslieferungen sind ab 2027 vorgesehen. Wenige Tage zuvor hatte eine Arbeitsgemeinschaft aus Rheinmetall Waffe Munition und MBDA Deutschland einen Auftrag im mittleren dreistelligen Millionenbereich für ein Hochenergie-Laserwaffensystem der Marine erhalten, das bis 2029 entwickelt und gebaut werden soll. Ende Mai hatte zudem Rumänien Rheinmetall einen Großauftrag über 5,7 Milliarden Euro für Panzer, Flugabwehrsysteme und Munition erteilt, wobei ein Großteil der Produktion im Land selbst erfolgen soll.
Kurs bleibt unter Druck, Insider kaufen nahe der Tiefs
Trotz der Auftragsflut notiert die Rheinmetall-Aktie mit 1.029,00 Euro rund 48,73 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das Anfang Oktober erreicht wurde. Am Freitag legte das Papier um 0,68 Prozent zu. Belastet hatte den Kurs zuvor die überraschende Vergabe des Fregattenprojekts F126 an den Wettbewerber TKMS statt an Rheinmetall Anfang Juli – von diesem Rückschlag hatte sich die Aktie in den Tagen danach mit einer Erholung von rund 5 Prozent teilweise erholt.
Bemerkenswert ist das Verhalten von Personen aus dem Unternehmensumfeld nahe den Jahrestiefs: Anfang Juni erwarb die ATP Holding, eine dem Vorstandsvorsitzenden Armin Papperger nahestehende Gesellschaft, Rheinmetall-Aktien zu einem Kurs von rund 955 Euro. Zeitgleich meldete die Georgi Vermögensverwaltungs GmbH, nahestehend zu Aufsichtsratsmitglied Andreas Georgi, einen Kauf zu 953,30 Euro. Bereits im Mai hatte Jutta Roosen-Grillo, einem Aufsichtsratsmitglied nahestehend, Aktien im Wert von 62.656,80 Euro zu 1.253,14 Euro erworben.
Analysten senken Kursziele, Kaufempfehlung bleibt
Die Analystin Chloe Lemarie von Jefferies hatte Ende Juni das Kursziel für Rheinmetall von 1.890 auf 1.300 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ aber beibehalten. Als Begründung nannte sie Umsatzprognosen für 2030, die 20 Prozent unter dem Konzernziel liegen, sowie strukturelle Zweifel am klassischen Munitionsgeschäft. Aktueller ist die Einschätzung von Benjamin Heelan von der Bank of America, der am 20. Juli das Kursziel ebenfalls von 1.770 auf 1.300 Euro reduzierte, die „Buy“-Empfehlung aber bestätigte. Als Grund führte er einen technologischen Wandel der Kriegsführung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen an, der das klassische Geschäftsmodell schwerer Rüstungsgüter unter Druck setzen könnte.
Mit Blick auf den 6. August, wenn Rheinmetall seinen Bericht zum zweiten Quartal 2026 veröffentlichen will, dürfte sich zeigen, wie stark die jüngste Auftragswelle bereits in den Zahlen sichtbar wird und ob die skeptischeren Kursziele der Analysten Bestand haben.
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