Rheinmetall Aktie: 115% Gewinnsprung trotz F126-Ausfall
Rheinmetall übertrifft im Q2 die Erwartungen, senkt aber wegen der F126-Streichung die Jahresprognose. Dividende steigt dennoch deutlich.

- Umsatzplus von 69 Prozent im Q2
- Prognosekürzung wegen Fregatten-Aus
- Dividende steigt auf 15,60 Euro
- Auftragsbestand wächst auf 25,3 Mrd. Euro
Rheinmetall hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die zwei Gesichter zeigen: Das operative Geschäft wächst deutlich schneller als erwartet, gleichzeitig kappt der Konzern seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr. Grund ist die Streichung des Fregattenprogramms F126 durch die Bundesregierung, die das Marinegeschäft mit 300 Millionen Euro belastet. Für Anleger bleibt am Ende die Frage, ob die operative Stärke den politischen Rückschlag ausgleicht.
Zweites Quartal mit kräftigem Wachstum
Im zweiten Quartal 2026 steigerte Rheinmetall den Umsatz auf 3,289 Milliarden Euro, ein Plus von 69 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 1,949 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu, die operative Marge kletterte von 13,4 auf 17,1 Prozent. Der Gewinn je Aktie sank dennoch leicht von 2,88 auf 2,66 Euro – ein Effekt, der auf die veränderte Ergebnisbasis zurückgeht.
Für das erste Halbjahr insgesamt weist der Konzern einen Umsatz von 5,227 Milliarden Euro aus, 39 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode mit 3,749 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 12,1 auf 15,0 Prozent. Der Auftragsbestand wuchs parallel auf 25,274 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 44 Prozent gegenüber dem Stand vom 30. Juni 2025 mit 21,593 Milliarden Euro. Diese Auftragsbasis gibt dem Konzern für die kommenden Jahre Planungssicherheit, unabhängig von einzelnen Programmabsagen.
Prognosekürzung durch Fregattenabsage
Die Bundesregierung hat das Fregattenprojekt F126 eingestellt. Rheinmetall reduziert deshalb seine Umsatzprognose für das Naval-Geschäft und passt die Gesamtjahresguidance entsprechend an. Statt der bisherigen Zielspanne kalkuliert der Konzern nun mit einem Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro, was einem organischen Wachstum von 28 bis 31 Prozent entspricht. Die operative Marge soll bei rund 19 Prozent liegen, die Cash Conversion Rate über 40 Prozent. Trotz der Kürzung erhöht Rheinmetall die Dividende je Aktie deutlich: Sie soll von 11,50 auf 15,60 Euro steigen, ein Plus von 36 Prozent.
Der operative Free Cashflow fiel im ersten Halbjahr auf minus 1,616 Milliarden Euro, nach minus 631 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Rheinmetall begründet den Rückgang mit dem Timing von Kundenvorauszahlungen, einem gezielten Lageraufbau und dem laufenden Kapazitätsausbau. Solche Vorleistungen sind bei einem Rüstungskonzern im Wachstumsmodus nicht ungewöhnlich, belasten aber kurzfristig die Bilanzkennzahlen.
Auftragslage bleibt breit gestreut
Abseits der Quartalszahlen zeigt sich das operative Geschäft robust. Rumänien hatte im Juni einen Großauftrag mit einem Gesamtvolumen von 5,7 Milliarden Euro erteilt, der neben rund 300 Lynx-Panzern auch Flugabwehrsysteme, Munition und vier Marineschiffe umfasst; die Lieferungen sollen ab 2028 beginnen. Im Juli kam ein Auftrag der Bundeswehr über 100 Millionen Euro für die Digitalisierung der Fahrzeugflotte hinzu, eingebettet in Rahmenverträge mit einem Volumen von etwa 1,2 Milliarden Euro. Zudem sicherte sich Rheinmetall im zweiten Quartal einen ersten Großauftrag für das Skynex-Flugabwehrsystem von einem internationalen Kunden über mehrere hundert Millionen Euro.
Bemerkenswert ist zudem das Verhalten von Unternehmensinsidern: In den vergangenen 90 Tagen kam es zu 15 Insiderkäufen im Gesamtwert von rund 17,4 Millionen Euro, wobei fünf Insider ihre Bestände trotz eines zwischenzeitlichen Kursrückgangs von 22,1 Prozent aufstockten.
An der Börse hat sich die Aktie von ihrem Tief bereits deutlich erholt: Über die vergangenen 30 Tage legte der Kurs um 15,30 Prozent zu und schloss am Freitag bei 1.145,40 Euro. Vom Rekordhoch bei 2.007,00 Euro, erreicht Anfang Oktober vergangenen Jahres, trennen das Papier damit weiterhin fast 43 Prozent – ein Abstand, der die Nachwirkungen der Prognosekürzung und der Fregattenabsage aus dem Sommer widerspiegelt.
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