Rheinmetall Aktie: 1,7 Milliarden für Bundeswehr-Satelliten

Trotz gesenkter Analystenziele verbucht Rheinmetall neue Großaufträge aus Rumänien, dem Baltikum und Malaysia. Der Aktienkurs zeigt erste Erholungstendenzen.

Die Kernpunkte:
  • Mehrere Analysten senken Kursziele
  • Milliardenschwere Aufträge aus Rumänien und Baltikum
  • Satellitenprojekt mit ICEYE für Bundeswehr
  • Personalaufbau auf 70.000 Mitarbeiter geplant

Der Rüstungskonzern Rheinmetall steckt zwischen zwei Erzählungen: Auf der einen Seite senken gleich mehrere Analysehäuser ihre Kursziele spürbar, auf der anderen Seite trudeln weiter milliardenschwere Aufträge ein. Am Freitag schloss die Aktie bei 978,00 Euro und legte damit um 1,85 Prozent zu – auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 37,03 Prozent zu Buche, ein Abstand von 50,98 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem September 2025.

Bank of America wird vorsichtiger, bleibt aber bei „Kaufen“

Bank of America hat ihr Kursziel für Rheinmetall am 18. Juli von 1.770 auf 1.300 Euro gesenkt, die Kaufempfehlung aber bestätigt. Als Begründung nennen die Analysten eine niedrigere Munitionsumsatzprognose: Statt bisheriger Annahmen kalkuliert das Institut nun mit rund 10 Milliarden Euro Umsatz in diesem Segment bei einer Marge von 24 Prozent. Rheinmetall ist mit dieser Korrektur nicht allein – auch Barclays, die Deutsche Bank und J.P. Morgan haben ihre Kursziele in den vergangenen Tagen nach unten angepasst. Die Serie an Zielkürzungen erklärt einen Teil der Kursschwäche, die die Aktie seit ihrem Rekordhoch begleitet, auch wenn der Freitagsschluss bereits eine Erholung von rund 8,4 Prozent gegenüber dem jüngsten 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro andeutet.

Neue Aufträge aus Rumänien, dem Baltikum und Malaysia

Während die Kursziele fallen, füllt sich das Auftragsbuch weiter. Mit Rumänien hat Rheinmetall einen Vertrag über 836 Millionen Euro für Patrouillenschiffe geschlossen. Deutlich größer fällt ein gemeinsam mit dem finnischen Satellitenspezialisten ICEYE gewonnener Bundeswehr-Auftrag zur Satellitenaufklärung aus: Das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions soll für 1,7 Milliarden Euro exklusive SAR-Satellitendaten liefern, unter anderem für die 45. Panzerbrigade in Litauen und zur Absicherung der NATO-Ostflanke. Der Vertrag läuft von 2025 bis 2030 mit Verlängerungsoption, die Satellitenproduktion in Neuss soll ab dem dritten Quartal 2026 anlaufen.

Auch abseits Europas expandiert der Konzern: Über die Tochter Contraves und Rheinmetall Defence Electronics ist eine Vereinbarung mit dem malaysischen Partner BHIC zustande gekommen, die Elektronik des Cargo-Lade-Systems für den Militärtransporter Airbus A400M künftig in Malaysia zu fertigen – inklusive Technologietransfer und einer neuen Fertigungsstätte. Die erste Ausbaustufe hat laut Vertragsangaben ein Volumen von über 100 Millionen Ringgit, bei Ausübung aller Optionen über zehn Jahre sollen bis zu 500 Millionen Ringgit erreicht werden. Zusätzlichen Rückenwind lieferten zuletzt Geschäftszahlen des schwedischen Wettbewerbers Saab, die als Impuls für die Rheinmetall-Aktie gewertet wurden.

Personalaufbau als Signal für langfristiges Wachstum

Parallel zu den Aufträgen treibt Rheinmetall den eigenen Ausbau voran: Bis 2030 soll die Belegschaft auf 70.000 Mitarbeiter verdoppelt werden, für 2026 rechnet der Konzern in Deutschland mit rund 280.000 Bewerbungen. Der Personalaufbau fällt in eine Phase, in der auch die Bundeswehr selbst kräftig investiert – Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Bauoffensive mit 270 neuen Kasernen ab 2027 und einem Vergabevolumen von 3,5 Milliarden Euro angekündigt, flankiert vom geplanten Aufwuchs der Truppe auf 260.000 Soldaten bis 2031.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Die fundamentale Auftragslage – von Rumänien über die Bundeswehr-Satelliten bis Malaysia – untermauert die langfristige Wachstumsstory des Konzerns. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Kurszielsenkungen mehrerer Banken, dass die Erwartungen an die Munitionsumsätze kurzfristig zurückgeschraubt werden. Mit einem RSI von 37,5 und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von gut 69 Prozent bleibt die Aktie ein Papier mit hohem Ausschlagpotenzial in beide Richtungen.

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