Rheinmetall Aktie: 250-Millionen-Auftrag für Litauen-Camp

Rheinmetall baut Kassel aus und übernimmt ein Litauen-Camp für 2.000 Soldaten, während die Aktie 46 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch bleibt.

Die Kernpunkte:
  • 270 Millionen Euro für Kasseler Ausbau
  • Bundeswehr vergibt Litauen-Camp an Rheinmetall
  • Militärlager für bis zu 2.000 Soldaten
  • Aktie bleibt 46 Prozent unter Jahreshoch

Rheinmetall treibt seine Expansion in Deutschland und im Baltikum voran. Der Rüstungskonzern kündigte am Donnerstag in Kassel Investitionen von rund 270 Millionen Euro an, um Drohnentests, die Panzerproduktion und ein neues Logistikzentrum auszubauen.

Reuters berichtete unter Berufung auf Aussagen von Konzernchef Armin Papperger über das Vorhaben. Parallel dazu bestätigte das Unternehmen selbst, mehr als 260 Millionen Euro in das Werk Kassel und den dortigen Flughafen zu stecken – Hessen und Rheinmetall wollen den Standort nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa gemeinsam ausbauen.

Bundeswehr-Auftrag für Litauen-Camp

Neben dem Ausbau in Nordhessen sicherte sich Rheinmetall einen weiteren Großauftrag der Bundeswehr. Im Rahmen des Programms G-CAP II SU erhielt der Konzern einen ersten Abrufauftrag für ein modulares Militärlager in Litauen, ausgelegt für bis zu 2.000 Soldaten. Der Bau ist mit 250 Millionen Euro veranschlagt, der spätere Betrieb soll rund 40 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Die Inbetriebnahme ist ab Mitte August 2027 vorgesehen. Rheinmetall bestätigte, dass der Auftrag bereits im dritten Quartal 2026 verbucht wurde – nach dem Start soll das Unternehmen zudem Facility Management, Wäscherei und Verpflegung für das Camp übernehmen. Euronews griff die Meldung Ende August erneut auf und bestätigte den Umfang des Bundeswehr-Auftrags.

Beide Vorhaben – der Ausbau in Kassel und das Camp in Litauen – zeigen, wie stark sich Rheinmetall derzeit auf die europäische Verteidigungsinfrastruktur konzentriert. Während Kassel die Produktions- und Testkapazitäten im Inland stärkt, erweitert der Litauen-Auftrag das Dienstleistungsgeschäft rund um militärische Infrastruktur im Baltikum, einer Region mit hoher sicherheitspolitischer Priorität für die NATO.

Zwischenfall in Unterlüß

Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte ein Vorfall auf dem Rheinmetall-Gelände in Unterlüß: Dort wurde eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und anschließend entschärft. Die Evakuierung betraf laut Tagesschau-Berichterstattung sowohl das Werk als auch die umliegende Umgebung. Ein Zusammenhang mit dem operativen Geschäft besteht nicht, die Meldung unterstreicht aber die Aufmerksamkeit, die dem Unternehmen derzeit medial zukommt.

Aktie bleibt unter Druck

An der Börse hellt sich das Bild trotz der operativen Meldungen bislang nur begrenzt auf. Die Aktie notiert bei 1.086,60 Euro und liegt damit 46 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober 2025. Auf Jahressicht steht ein Kursverlust von 30 Prozent, gegenüber dem Stand vor rund zwölf Monaten sogar von 38 Prozent. Immerhin: Der aktuelle Kurs liegt gut 20 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst am 25. Juni markiert wurde.

Deutsche Bank Research bestätigte die Rheinmetall-Aktie Ende August auf „Buy“ und beließ das Kursziel bei 1.800 Euro. Angesichts des aktuellen Kursniveaus impliziert das weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial aus Sicht der Analysten – auch wenn der Markt die operativen Fortschritte in Kassel und Litauen bislang nicht in eine nachhaltige Kurserholung übersetzt hat.

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