Rheinmetall Aktie: 250 Millionen für Technologiezentrum
Rheinmetall baut Standorte aus, plant ein Neusser Technologiezentrum und führt Gespräche über Alstoms Lokwerk, während die Aktie nachgibt.

- Umsatz im zweiten Quartal um 70 Prozent gestiegen
- Neues Zentrum in Neuss geplant
- Gespräche über Alstom-Werk wieder aufgenommen
- Rheinmetall-Aktie seit Jahresbeginn 26 Prozent schwächer
Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat auf einer Podiumsdiskussion in Düsseldorf am Samstag die Wachstumsdynamik des Konzerns unterstrichen und dabei über Wettbewerber gespottet, die er als „Micky-Mouse-Companies“ bezeichnete. Im zweiten Quartal sei der Umsatz um 70 Prozent gewachsen, so Papperger.
Gleichzeitig kündigte er ein neues Technologiezentrum in Neuss an, das mit 250 Millionen Euro Investitionsvolumen und 500 Wissenschaftlern für Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Satellitentechnik ausgestattet werden soll.
Neuss als zweites Standbein neben Kassel
Der Standort Neuss erwirtschaftet nach Angaben Pappergers bereits zwei Milliarden Euro Umsatz und fertigt dort inzwischen einen Satelliten pro Woche. Konzernweit beschäftigt Rheinmetall aktuell 34.000 Mitarbeiter und arbeitet mit 11.500 Zulieferern zusammen, der Auftragsbestand für den Standort NRW liegt bei 8 Milliarden Euro, was einem Fünftel des Konzernvolumens entspricht.
Bis 2029 soll die Belegschaft konzernweit auf 300.000 Beschäftigte anwachsen, davon 220.000 in Deutschland – eine Zahl, die den enormen Personalaufbau der kommenden Jahre illustriert.
Der Ausbau in Kassel, wo Rheinmetall das nach eigenen Angaben größte Panzerwerk Europas errichten will, ist bereits bekannt und läuft parallel weiter. Für den dortigen Defence Hub Nordhessen investiert der Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag, ein Logistikzentrum am Kassel Airport soll bis Ende 2027 in Betrieb gehen.
Diese Investitionen sind Teil des größeren „Arminius“-Projekts, für das Bundeswehr-Aufträge von rund 40 Milliarden Euro im Raum stehen – eine finale Entscheidung wird für September erwartet, ein Beschluss im Bundestag ist für den 9. Dezember terminiert.
Alstom-Übernahme rückt näher
Parallel zum Ausbaukurs verdichten sich die Signale für eine Übernahme des Alstom-Lokwerks in Kassel mit 900 Beschäftigten. Papperger bestätigte, dass Gespräche mit dem Alstom-Chef laufen und ein weiteres Treffen in vier Wochen ansteht.
Ende Juni waren die Verhandlungen zunächst abgebrochen, inzwischen aber wieder aufgenommen worden. Alstom selbst rechnet in den kommenden Wochen mit einem Ergebnis. Betriebsrat und IG Metall haben bereits Protest gegen die geplante Übernahme angekündigt, was auf mögliche Widerstände beim geplanten Zusammenschluss hindeutet.
Diese Gemengelage aus Rüstungsexpansion, Technologieoffensive und Übernahmegesprächen zeigt, wie breit Rheinmetall seine Wachstumsstrategie derzeit anlegt – von klassischer Panzerproduktion über Satellitentechnik bis hin zu Industrieanlagen aus dem Bahnsektor.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die Wachstumsstory bislang nicht in der Kursentwicklung wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.152,40 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 26 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro Anfang Oktober liegt der Kurs sogar 43 Prozent tiefer.
Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf gut 55 Milliarden Euro. Angesichts der milliardenschweren Investitionspläne und der angekündigten Verdreifachung der Belegschaft bis 2029 wird sich zeigen müssen, ob der Markt diese langfristige Wachstumsgeschichte in den kommenden Quartalszahlen stärker honoriert.
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