Rheinmetall Aktie: 270 Millionen für Kassel-Ausbau
Rheinmetall erweitert Kassel für Drohnentests und Panzerbau, doch die gesenkte Umsatzprognose belastet die Aktie trotz neuer Aufträge weiter.

- 270 Millionen Euro für Kassel
- Neue Drohnen- und Logistikkapazitäten
- Bundeswehr-Auftrag über 500 Millionen Euro
- Aktie 42 Prozent unter Jahreshoch
Rheinmetall baut seinen Rüstungsstandort in Kassel massiv aus. Der Konzern kündigte an, rund 270 Millionen Euro zu investieren, wie Reuters berichtete. Dort sollen künftig Drohnen getestet, die Panzerproduktion erweitert und ein neues Logistikzentrum errichtet werden.
Die Ankündigung gilt als wichtigster kursrelevanter Impuls der vergangenen Tage und unterstreicht, wie sehr das Unternehmen trotz gesenkter Umsatzprognose auf Kapazitätsausbau setzt.
Auftragsflut trifft auf Prognose-Kürzung
Die Kasseler Investition steht nicht isoliert. Erst kürzlich meldete Rheinmetall einen Auftrag der Bundeswehr über mehr als 500 Millionen Euro für mobile Rettungsstationen. Hinzu kommen internationale Geschäfte: Dänemark hat das MASS-Täuschkörperwerfersystem beschafft, in Großbritannien eröffnete das Unternehmen ein Kompetenzzentrum für autonome Systeme mit Ausblick auf eine vertiefte Zusammenarbeit mit Kanada.
Gemeinsam mit Hensoldt demonstrierte Rheinmetall zudem die erfolgreiche Integration passiver Sensortechnologie in ein modernes Luftverteidigungssystem.
Diese Fülle an operativen Fortschritten steht im Kontrast zu den Zahlen vom 6. August: Rheinmetall senkte damals die Umsatzprognose für 2026, nachdem Deutschland das F126-Fregattenprogramm gestrichen hatte.
Der Konzern veröffentlichte im selben Zug die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Anleger müssen die Frage beantworten, ob die Investitionsoffensive und der volle Auftragseingang das Prognose-Risiko aus dem gestrichenen Marineprogramm kompensieren können.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Einschätzungen der Analysten spiegeln diese Spannung wider. JPMorgan bestätigte am 19. August die Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro und bleibt damit auf Distanz zur Kursrally der vergangenen Jahre. Jefferies zeigte sich optimistischer und hob das Kursziel am 14. August von 1.300 auf 1.350 Euro an, verbunden mit einer „Buy“-Empfehlung.
Deutlich skeptischer positionierte sich mwb research bereits Anfang August, als das Haus die Aktie von „Halten“ auf „Verkaufen“ herabstufte und das Kursziel auf 1.050 Euro senkte – als direkte Reaktion auf die Guidance-Kürzung.
Kurs bleibt unter Druck
Die Aktie notiert aktuell bei 1.170,00 Euro und damit rund 42 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das Anfang Oktober vergangenen Jahres markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 25 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass die Investitionsmeldungen der vergangenen Wochen den Bewertungsabschlag nach der Prognosekürzung bislang nicht vollständig ausgleichen konnten.
Der bevorstehende DZ Bank Expert Day in Bremen dürfte für Klarheit sorgen: Dort soll das Management erstmals öffentlich zu den mittelfristigen Wachstumspfaden nach der Guidance-Senkung Stellung nehmen. Für Anleger wird entscheidend sein, ob der Konzern glaubhaft vermitteln kann, dass die milliardenschweren Ausbaupläne in Kassel und die internationale Auftragslage die durch die F126-Absage entstandene Lücke mittelfristig schließen.
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