Rheinmetall Aktie: 33 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Rheinmetall wächst operativ weiter, doch Medienberichte zu Verzögerungen und möglichen Mängeln belasten die Aktie sowie die deutsche Rüstungsbranche.

Die Kernpunkte:
  • Rheinmetall verliert 3,2 Prozent
  • Medienberichte nennen Verzögerungen und Mängel
  • Quartalsumsatz steigt auf 3,289 Milliarden Euro
  • Arminius-Verhandlungen für September angesetzt

Deutsche Rüstungsaktien haben zum Wochenschluss deutlich nachgegeben. Rheinmetall schloss am Freitag bei 1.036,00 Euro, ein Minus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auslöser waren Medienberichte über Lieferverzögerungen und mögliche Qualitätsmängel bei wichtigen Rüstungsprojekten, die neben Rheinmetall auch RENK, HENSOLDT und TKMS erfassten.

Im Zentrum der Kritik stehen laut Medienberichten Verzögerungen bei der operativen Abwicklung von Rüstungsprojekten sowie Hinweise auf mögliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten, die einem Rheinmetall-Konzernkreis zugeordnet wurden.

Anleger reagierten nervös, weil sich die Zweifel an Fertigungsqualität und Termintreue nicht auf einen einzelnen Hersteller beschränkten, sondern die gesamte deutsche Rüstungsbranche erfassten. Bereits am Montag zuvor war die Rheinmetall-Aktie im Xetra-Handel um 3,79 Prozent auf 1.110,80 Euro gefallen – die Talfahrt setzte sich seither fort.

Die Kursverluste treffen ein Papier, das ohnehin schon deutlich unter Druck steht. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie 14 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33 Prozent zu Buche. Der jüngste Ausverkauf reiht sich damit in einen längeren Abwärtstrend ein, der bereits im August mit der Vorlage der Quartalszahlen begonnen hatte.

Operatives Geschäft wächst trotz Kurskorrektur

Das operative Geschäft zeigt sich davon bislang unbeeindruckt. Im zweiten Quartal steigerte Rheinmetall den Umsatz auf 3,289 Milliarden Euro, ein Plus von rund 69 bis 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro, die Marge lag bei 17,1 Prozent. Der Auftragsbestand wuchs auf über 80 Milliarden Euro, gut 70 Prozent davon sind fest gebuchte Aufträge.

Dennoch hatte Rheinmetall die Umsatzprognose für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt – Folge des gestoppten F126-Fregattenprogramms, bei dem der Konzern als Lead Contractor vorgesehen war.

Die Bundesregierung beendete das rund 12,8 Milliarden Euro schwere Vorhaben im Juni nach bereits getätigten Ausgaben von etwa 2,3 Milliarden Euro und setzt stattdessen auf acht kleinere MEKO-A-200-Fregatten von ThyssenKrupp Marine Systems.

Zusammen mit einem deutlich negativen operativen freien Cashflow hatte diese Nachricht die Aktie am Tag der Zahlenvorlage im August zeitweise um rund 9 Prozent einbrechen lassen.

Neue Aufträge als Gegengewicht

Trotz der Turbulenzen meldet Rheinmetall weiterhin neue Geschäfte. American Rheinmetall lieferte den ersten von acht Lynx-XM30-Prototypen an die US-Armee aus, das Fahrzeug durchläuft nun die staatliche Entwicklungs- und Leistungsprüfung.

Rheinmetall Canada erhielt vom US-Verteidigungsministerium einen Auftrag über Ersatzkomponenten für mobile Startgeräte der US-Navy im einstelligen Millionenbereich, Auslieferungen sind zwischen Ende 2026 und Ende 2028 vorgesehen. Bereits Mitte August hatte die Bundeswehr zusätzliche mobile Rettungsstationen im Wert von über 500 Millionen Euro brutto bestellt.

Im Blick der Anleger steht zudem das Projekt Arminius, die geplante Großbestellung des Boxer-Radpanzers durch die Bundeswehr. Finale Verhandlungen sind für die zweite Septemberwoche angesetzt, die parlamentarische Behandlung soll im Dezember erfolgen.

Die nächsten Quartalszahlen legt Rheinmetall am 5. November vor – dann dürfte sich zeigen, ob die Qualitätskritik der vergangenen Tage auch operative Spuren hinterlassen hat oder ob das Auftragswachstum den Kursdruck rechtfertigt, ihn wieder auszugleichen.

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