Rheinmetall Aktie: 350-Millionen-Deal mit AEQUITA
Rheinmetall verkauft Power Systems an AEQUITA und fokussiert sich komplett auf Rüstung. Trotz Rekordaufträgen bleibt der Aktienkurs unter Druck.

- Verkauf der Power-Systems-Sparte für 350 Millionen Euro
- Konzern wird zum reinen Rüstungsanbieter umgebaut
- Rekord-Auftragsbestand von 73 Milliarden Euro
- Aktie fällt trotz positiver Auftragslage weiter
Rheinmetall zieht die letzte klare Trennlinie zum alten Konzernprofil. Mit dem Verkauf der zivilen Power-Systems-Sparte leitet der Düsseldorfer Konzern formal den Umbau zum reinen Verteidigungs- und Sicherheitsanbieter ein. Operativ passt das zur prall gefüllten Auftragslage. An der Börse kommt der Schritt dennoch nicht richtig an.
Automotive-Verkauf schafft klare Struktur
Rheinmetall hat am Mittwochabend den Kaufvertrag für die Division Power Systems mit der Münchner Industriegruppe AEQUITA unterzeichnet. Der vorläufige Kaufpreis für 100 Prozent der Anteile liegt bei rund 350 Millionen Euro.
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Zur Sparte gehören Marken wie Pierburg und Kolbenschmidt. Weltweit arbeiten dort rund 6.250 Beschäftigte, der Umsatz lag zuletzt bei etwa 2 Milliarden Euro. Damit trennt sich Rheinmetall von einem Geschäft, das stärker an der Automobilkonjunktur hängt als die Verteidigungsbereiche.
Der Abschluss der Transaktion steht noch unter regulatorischem Vorbehalt. Rheinmetall peilt das Closing für das vierte Quartal 2026 an. Bilanziell wird die Sparte bereits als nicht fortgeführte Aktivität geführt.
Der Schritt hat auch eine Belastung im Gepäck. Für das laufende Jahr kündigt der Konzern eine zusätzliche nicht zahlungswirksame Wertberichtigung von rund 200 Millionen Euro an. Strategisch wird der Konzern damit einfacher lesbar: Kapital und Management rücken komplett in Richtung Waffen, Munition, Fahrzeuge und Luftverteidigung.
Orderbuch stark, Aktie schwach
Der Gegensatz ist auffällig. Rheinmetall meldet einen Rekord-Auftragsbestand von rund 73 Milliarden Euro, während die Aktie weiter unter Druck steht. Am Freitag schloss das Papier bei 1.190,00 Euro und verlor damit 0,42 Prozent.
Kurzfristig sieht das Bild ebenfalls schwach aus: In den vergangenen sieben Tagen gab die Aktie 7,87 Prozent nach, auf Sicht von 30 Tagen stehen minus 17,02 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn beträgt der Rückgang 25,69 Prozent. Kein Wunder, dass der Automotive-Verkauf allein nicht reicht, um die Stimmung zu drehen.
Dabei bleibt die operative Nachrichtenlage robust. Anfang Juni sicherte sich Rheinmetall aus Rumänien einen Großauftrag mit einem Volumen von 5,7 Milliarden Euro. Geliefert werden sollen unter anderem Lynx-Schützenpanzer, Flugabwehrsysteme und Marineschiffe.
Die Auslieferungen sind für den Zeitraum 2028 bis 2030 vorgesehen. Der Auftrag unterstreicht, dass die Nachfrage nach Rheinmetalls Kernprodukten nicht das Problem ist. Der Markt schaut vielmehr auf Bewertung, Gewinnmitnahmen nach der Rallye und die hohen Investitionskosten für neue Kapazitäten.
Technik bleibt angespannt
Charttechnisch bleibt die Lage angeschlagen. Der Kurs liegt 11,48 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 26,56 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 39,6 signalisiert Schwäche, aber noch keine extreme Überverkauftheit.
Auch der Abstand zu den Jahrestiefregionen ist klein. Zum 52-Wochen-Tief bei 1.099,80 Euro fehlen nur 8,20 Prozent. Das erhöht die Bedeutung der kommenden Handelstage.
Ein Termin kann dabei helfen, die neue Konzernstory greifbarer zu machen: Auf der ILA Berlin vom 10. bis 14. Juni tritt Rheinmetall erstmals in der neuen Struktur als klar fokussierter Defence-Konzern auf. Analysten bleiben überwiegend positiv gestimmt; das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.886 Euro. JPMorgan verweist vor allem auf die Marktposition in Munition und Luftverteidigung, die langfristig stabile Cashflows stützen könnte.
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