Rheinmetall Aktie: 39,74 Prozent Minus seit Jahresbeginn
Rheinmetall-Aktie fällt nach gesenktem Kursziel der Bank of America. Analysten sehen Verschiebung der Verteidigungsbudgets als Risiko.

- Aktie verliert deutlich an Wert
- Bank of America senkt Kursziel
- Erste Granaten aus neuem Werk
- Milliardenauftrag aus Großbritannien
Am Mittwoch schloss das Papier bei 965,00 Euro, binnen sieben Handelstagen büßte es 4,66 Prozent ein. Auf Monatssicht steht ein Minus von 15,93 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 39,74 Prozent verringert. Damit notiert die Aktie nur noch gut 6,9 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das sie Ende Juni markierte – und weit entfernt vom Rekordhoch bei 1.995,00 Euro aus dem vergangenen September. Der Relative-Stärke-Index von 34,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie, die 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 69 Prozent. Der Konzern kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 45,58 Milliarden Euro.
Bank of America bremst die Wachstumsfantasie
Ausgangspunkt der jüngsten Kursschwäche ist eine Analyse der Bank of America. Analyst Benjamin Heelan senkte das Kursziel für Rheinmetall von 1.770 auf 1.300 Euro, die Kaufempfehlung bestätigte er dennoch. Heelan begründet den Schritt mit einer Verschiebung der Verteidigungsbudgets weg von Artillerie hin zu Luftabwehr. Statt der bislang unterstellten 50 Milliarden Euro Konzernumsatz im Jahr 2030 rechnet die Bank nun nur noch mit 35 Milliarden Euro. Für den Bereich Waffen und Munition kürzte Heelan seine Schätzung von 14 bis 16 Milliarden auf 10 Milliarden Euro, bei einer Marge von 24 Prozent. Zusätzlich kritisierte er das Portfolio des Konzerns als zu stark auf traditionelle Munition ausgerichtet, während sich moderne Kriegsführung zunehmend zu Drohnen und Präzisionssystemen verlagere.
Diese Einschätzung steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu anderen Stimmen am Markt: Nach Angaben von boerse.de beläuft sich der Auftragsbestand des Konzerns weiterhin auf 73 Milliarden Euro, ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 rechnet Rheinmetall demnach mit einem Umsatz von bis zu 14,5 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 40 bis 45 Prozent entspräche. Andere Analystenhäuser sehen laut boerse.de Kursziele zwischen 1.500 und 2.000 Euro – deutlich über der neuen BofA-Marke.
Ukraine erhält erste Granaten aus neuem Werk
Operativ liefert Rheinmetall unterdessen erstmals Artilleriemunition aus dem neuen Werk Niedersachsen in Unterlüß an die Ukraine. Es handelt sich um das Modell RH1412, ein 155-Millimeter-Geschoss mit einer Reichweite von bis zu 40 Kilometern, kompatibel mit Systemen wie PzH 2000, CAESAR und Bogdana. Die Lieferung umfasst eine niedrige fünfstellige Stückzahl, finanziert von einem NATO-Land zu einem Auftragswert im zweistelligen Millionenbereich. Mehr als die Hälfte des Auftrags ist bereits ausgeliefert, der Rest soll bis Ende 2026 folgen. Das im August 2025 eröffnete Werk wurde mit 500 Millionen Euro finanziert und soll ab 2027 eine Kapazität von 350.000 Schuss jährlich erreichen. Konzernweit strebt Rheinmetall bis 2030 eine Jahresproduktion von 1,5 Millionen 155-Millimeter-Geschossen an.
Milliardenauftrag aus Großbritannien und weitere Aufträge
Parallel zur Munitionslieferung hat Rheinmetall im Rahmen des Omnia-Training-Konsortiums einen Auftrag aus Großbritannien mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro gesichert. Der Servicevertrag läuft über 15 Jahre und startet im Sommer 2026; Rheinmetall Electronics UK übernimmt darin die Rolle des Land Collective Training Partner. Zudem schloss der Konzern ein zweiwöchiges autonomes Logistiktraining mit der britischen Armee ab, das in den ersten von britischen Soldaten selbst gesteuerten autonomen HX-Konvoi mündete – ausgestattet mit der sogenannten PATH-Technologie. Rheinmetall übernimmt außerdem die Führung im Forschungsprojekt InterRoC VII für das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Aus Kuwait kam zudem eine Bestellung von MASS-Täuschkörpersystemen für acht Schiffe herein, mit einem Auftragswert im niedrigen zweistelligen Millionenbereich und Lieferungen zwischen dem zweiten Quartal 2026 und dem zweiten Quartal 2029.
Der Konzern steht damit an einem Scheidepunkt zwischen operativer Auftragsdynamik und einer skeptischer werdenden Analystenmeinung zur langfristigen Wachstumsstory. Während die kurzfristigen Geschäfte in Großbritannien, der Ukraine und in Kuwait weiterlaufen, hat die Diskussion um die künftige Zusammensetzung der Verteidigungsbudgets – weg von klassischer Artillerie, hin zu Luftabwehr und autonomen Systemen – die Kursentwicklung zuletzt spürbar belastet.
Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 16. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




