Rheinmetall Aktie: 4.200 Tonnen Pulver bis 2028

Rheinmetall startet Bau einer hochmodernen Pulverfabrik und sichert sich neue Rüstungsaufträge, während Analysten die Kursziele anpassen.

Die Kernpunkte:
  • Grundsteinlegung für Pulverfabrik „Firepower“
  • Rahmenvertrag mit Thales über Sichtsysteme
  • Bundeswehr ruft 100 Millionen Euro ab
  • Analysten senken Kursziele trotz Kaufempfehlung

Am Standort Aschau am Inn hat Rheinmetall den Grundstein für eine der modernsten Pulverfabriken Europas gelegt. Das Projekt trägt den Namen „Firepower“ und soll die jährliche Kapazität an Treibladungspulver bis 2028 auf 4.200 Tonnen verdoppeln. Rheinmetall investiert dafür 350 Millionen Euro, das Gesamtprojekt umfasst 650 Millionen Euro. Die Investition reiht sich in eine Woche mit gleich mehreren Vertragsabschlüssen ein, die den Auftragsbestand des Konzerns weiter füllen.

Auftragsbücher füllen sich weiter

Kurz vor der Grundsteinlegung meldete Rheinmetall einen umfangreichen Rahmenvertrag mit Thales über die Lieferung optronischer Sichtsysteme für verschiedene Fahrzeugplattformen. Die Bundeswehr rief zudem aus dem Rahmenvertrag „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ Hardware-Komponenten und Unterstützungsleistungen im Wert von 100 Millionen Euro ab. Bereits Mitte Juli hatte Rheinmetall gemeinsam mit Lockheed Martin eine Absichtserklärung zur europäischen Co-Produktion des Raketensystems ATACMS am Standort Unterlüß unterzeichnet, mit dem Ziel, die NATO-Lieferketten zu stärken. Am selben Standort verließ zudem eine niedrige fünfstellige Anzahl neu produzierter 155-mm-Artilleriegeschosse aus der eigenen Fertigung erstmals das Werk in Richtung Ukraine. Anfang Juli kam ein Erstauftrag eines neuen internationalen Kunden über vier Skynex-Flugabwehrsysteme samt Logistikpaket hinzu, mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro.

Nicht jede Personalie lief zugunsten von Rheinmetall. Die Gespräche über einen Verkauf der Werft German Naval Yards Kiel durch ThyssenKrupp Marine Systems endeten offiziell ohne Einigung über die wirtschaftlichen Bedingungen, berichtete die WELT. Rheinmetall scheidet damit als potenzieller Mitbieter für den Standort aus.

Analysten justieren ihre Erwartungen

Bank of America senkte am 18. Juli ihr Kursziel für Rheinmetall von 1.770 Euro auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Die Analysten begründeten den Schritt mit einer konservativeren Prognose für den langfristigen Munitionsabsatz bis zum Jahr 2030. Wenige Tage zuvor, am 10. Juli, hatten die Analysten von Jefferies nach einer Untersuchung der Dynamik im europäischen Verteidigungssektor ihre Kaufempfehlung mit einem identischen Kursziel von 1.300 Euro bestätigt. Beide Häuser sehen also weiterhin Aufwärtspotenzial, haben ihre Zielmarken zuletzt aber deutlich zurückgenommen.

Kursbild zwischen Erholung und Belastung

Die Aktie notiert aktuell bei 1.028,40 Euro und liegt damit 1,40 Prozent im Plus. Über die vergangenen 30 Handelstage hat das Papier dennoch rund 12 Prozent an Wert verloren – ein Hinweis darauf, dass die Serie positiver Vertragsmeldungen den Kurs bislang nicht nachhaltig stützen konnte. Belastend wirkt weiterhin die Ad-hoc-Mitteilung vom 2. Juli, in der Rheinmetall potenzielle Umsatzeinbußen von bis zu 300 Millionen Euro für das Gesamtjahr 2026 infolge der Stornierung des Fregattenprogramms F126 einräumte. Das Unternehmen bestätigte zugleich sein Umsatzziel für das zweite Quartal, das ein Wachstum von über 60 Prozent vorsieht.

Am 6. August wird sich zeigen, wie belastbar diese Prognose ist. Dann veröffentlicht Rheinmetall den Zwischenbericht zum zweiten Quartal 2026 samt einer detaillierten Aktualisierung der Jahresprognose nach dem Wegfall des F126-Programms. Anleger dürften dabei genau darauf achten, ob die zahlreichen neuen Aufträge – von Skynex über ATACMS bis zur Munitionsfertigung in Unterlüß – den angekündigten Umsatzausfall kompensieren können.

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