Rheinmetall Aktie: 41 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Rheinmetall-Aktie fällt um 2,6 Prozent, während TKMS dank Hochstufung und Prognoseanhebung deutlich zulegt. Die Sektorrotation folgt auf die F126-Stornierung.

Die Kernpunkte:
  • TKMS-Hochstufung löst Sektorumschichtung aus
  • Rheinmetall senkt Umsatzprognose für 2026
  • Operatives Geschäft zeigt starkes Wachstum
  • Bundeswehr-Auftrag über mobile Rettungsstationen

Rheinmetall geriet gestern unter Druck, ohne dass es einen unternehmensspezifischen Auslöser gab. Die Aktie verlor 2,6 Prozent und schloss bei 1.180,00 Euro. Der Grund lag nicht im eigenen Geschäft, sondern in einer Umschichtung innerhalb des Rüstungssektors zugunsten maritimer Werte.

TKMS profitiert, Rheinmetall verliert

Auslöser der Bewegung war eine Hochstufung des Wettbewerbers TKMS durch Bernstein Research auf „Outperform“. Die Aktie von ThyssenKrupp Marine Systems legte am Tag der Meldung um 10,19 Prozent auf 103,80 Euro zu, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose angehoben hatte. TKMS erwartet nun ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent statt zuvor 2 bis 5 Prozent sowie eine bereinigte EBIT-Marge von bis zu 6,5 Prozent.

Der Auftragsbestand liegt bei 20 Milliarden Euro, gestützt unter anderem durch einen Vertrag über vier plus optional vier weitere Fregatten für die Deutsche Marine sowie die Position als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf kanadische U-Boote mit einem Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro.

Für Anleger im Rüstungssektor bedeutete das eine klare Botschaft: Kapital floss in Richtung maritimer Rüstungswerte, während Landsysteme- und Luftverteidigungsspezialisten wie Rheinmetall vorübergehend zurückblieben. Bereits am 13. August hatte sich dieses Muster angedeutet, als Rheinmetall um 0,31 Prozent auf 1.164,60 Euro nachgab, während TKMS deutlich zulegte.

Nachwirkungen der F126-Stornierung

Die Sektorrotation trifft Rheinmetall in einer ohnehin sensiblen Phase. Ende Juni hatte die Bundesregierung die Stornierung des F126-Fregattenprogramms bekanntgegeben und stattdessen acht kleinere MEKO-A-200-Fregatten bei TKMS bestellt – ein Auftrag, der Rheinmetall ursprünglich mehr als 12 Milliarden Euro eingebracht hätte.

Die Aktie brach damals an einem einzigen Handelstag um 18 bis 20 Prozent ein. Konzernchef Papperger äußerte sich gegenüber Defense News „very unhappy“ über den Verlust des Programms.

Die Folgen zeigten sich auch bei den Halbjahreszahlen vor gut einer Woche: Rheinmetall senkte die Jahresprognose beim Umsatz auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro angepeilt waren.

Die operative Marge soll dennoch bei rund 19 Prozent liegen. Seither hat sich der Kurs mit einem Plus von 0,5 Prozent stabilisiert, bleibt aber stark angeschlagen: Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober 2025 notiert die Aktie 41 Prozent tiefer.

Operatives Geschäft bleibt robust

Trotz der Prognosesenkung lieferte das operative Geschäft im zweiten Quartal starke Zahlen: Der Umsatz stieg um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro. Der Auftragsbestand wuchs um 44 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro.

Auch das Neugeschäft läuft weiter: Am Montag erteilte die Bundeswehr einen Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für 149 mobile Rettungsstationen, abgerufen aus einem bestehenden Rahmenvertrag mit Produktionsstart im ersten Quartal 2027.

Die aktuelle Schwäche der Aktie speist sich damit weniger aus operativen Problemen als aus einer sektorinternen Neugewichtung zugunsten maritimer Rüstungswerte – ein Trend, der Rheinmetall kurzfristig belastet, ohne die fundamentale Auftragslage infrage zu stellen.

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