Rheinmetall Aktie: 5 Milliarden Umsatz in Kassel

Rheinmetall und Hessen vereinbaren Investitionen von über 260 Millionen Euro, während in Nordhessen mehr als 1.000 neue Stellen entstehen sollen.

Die Kernpunkte:
  • Über 260 Millionen Euro für Nordhessen
  • Neues Logistikzentrum ab Ende 2027
  • Mehr als 1.000 zusätzliche Industriejobs
  • Rheinmetall-Aktie steigt um 2,7 Prozent

Rheinmetall baut seinen Rüstungsstandort in Nordhessen massiv aus. Der Konzern und das Land Hessen unterzeichneten gestern eine Absichtserklärung für einen „Defence Hub Nordhessen“: Über 260 Millionen Euro fließen in das Werk Kassel und den Flughafen Kassel-Calden, das Land steuert rund 25 Millionen Euro bei. Konzernchef Armin Papperger kündigte den Ausbau in Kassel persönlich an und bezeichnete den Standort als künftig „größtes Panzerwerk Europas“.

Logistikzentrum und Drohnentestgelände geplant

Kern der Pläne ist ein neues Logistik- und Trainingszentrum mit mehr als 30.000 Quadratmetern Nutzfläche, das den Betrieb Ende 2027 aufnehmen soll. Am Flughafen Calden entsteht zusätzlich ein Drohnentestzentrum.

Ergänzt wird das Vorhaben durch ein Hessisches Drohnenkompetenzzentrum, das mit acht Millionen Euro gefördert wird und an die TU Darmstadt angebunden ist. Die Logistikverlagerung aus dem Kasseler Werk soll zugleich den Lkw-Verkehr in der Stadt reduzieren.

Für die Beschäftigung hat das Vorhaben spürbare Konsequenzen: Mehr als 1.000 neue Industriejobs sollen entstehen. Die Belegschaft in Kassel wächst von aktuell 2.200 auf über 3.000 Mitarbeiter, am Standort Calden entstehen mindestens 130, potenziell bis zu 200 zusätzliche Stellen.

Konzernweit plant Rheinmetall, die Personalstärke bis 2029 von rund 35.000 auf etwa 70.000 Beschäftigte zu verdoppeln – ein Tempo, das die Dimension des laufenden Rüstungsbooms verdeutlicht. Der Schwerpunkt in Kassel liegt auf der Produktion des Radpanzers Boxer, dessen Fertigung mit dem Ausbau weiter hochgefahren werden soll.

Kritik an der Förderung

Nicht alle Beteiligten sehen das Projekt unkritisch. In Hessen regte sich Widerstand von linken Abgeordneten und Gegnern des Flughafenausbaus gegen die Landesförderung von 25 Millionen Euro, zumal der Flughafen Kassel-Calden zuletzt mit rund fünf Millionen Euro Minus abschloss.

Auch ein Kommentar warnte davor, Rüstungsinvestitionen als alleinigen Ersatz für die schwächelnde Autoindustrie in der Region zu betrachten – eine breitere wirtschaftliche Aufstellung sei nötig. Sicherheitsrisiken wie mögliche Sabotage oder Drohnenangriffe auf Rüstungsstandorte wurden ebenfalls thematisiert.

Kurs reagiert deutlich

An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Rheinmetall-Aktie legte gestern um 2,7 Prozent auf 1.175,40 Euro zu und bewegt sich damit rund 7,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Der jüngste Kursanstieg lindert die Verluste aus dem laufenden Jahr, in dem das Papier immer noch rund ein Viertel seines Wertes verloren hat und gut 41 Prozent unter dem im Oktober erreichten 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro notiert.

Der Ausbau in Nordhessen unterstreicht dennoch, dass der Konzern trotz der Kursschwäche operativ auf Wachstum setzt: Der Umsatz am Standort Kassel soll sich von aktuell 1,5 Milliarden Euro bis 2029 auf 5 Milliarden Euro mehr als verdreifachen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 53,5 Milliarden Euro bleibt Rheinmetall damit einer der zentralen Werte der europäischen Rüstungsbranche.

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