Rheinmetall Aktie: 51 Prozent an DOK-ING übernommen
Rheinmetall treibt Expansion voran, doch Analystenstudien und Charttechnik belasten den Aktienkurs weiterhin schwer.

- Neues Joint Venture in Kroatien
- Jefferies-Studie belastet Rüstungssektor
- Kursverlust von 38 Prozent seit Jahresstart
- Quartalszahlen am 6. August erwartet
Rheinmetall vermeldet neue Aufträge und ein Joint Venture in Kroatien. Die Aktie fällt trotzdem weiter. Diese Lücke zwischen operativer Stärke und Kursschwäche prägt den Rüstungskonzern in dieser Woche.
Am Freitag schloss das Papier bei 993,00 Euro, ein Minus von 1,90 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht summiert sich der Verlust auf 9,48 Prozent.
Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp 17 Prozent zu Buche. Die annualisierte Volatilität liegt bei fast 69 Prozent. Der Handel mit der Aktie verläuft entsprechend nervös.
Jefferies-Studie belastet den ganzen Sektor
Am Freitag geriet Rheinmetall zusammen mit Hensoldt und RENK unter Druck. Auslöser war eine Studie des Analysehauses Jefferies. Zuvor hatte bereits MWB Research seine Kaufempfehlung für Rheinmetall gestrichen.
Die Begründung: Die NATO verlagert ihre Ausgabenschwerpunkte. Luftverteidigung, weitreichende Waffensysteme, Drohnen und Aufklärung rücken in den Vordergrund. Klassische Rüstungssparten geraten dabei ins Hintertreffen.
Nicht alle Einschätzungen fallen negativ aus. In einer separaten Analyse bestätigte Jefferies die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 1.300 Euro. Die Bank knüpft das aber an eine Bedingung: Die Auftragsdynamik bei Luftverteidigung und Elektronik muss anhalten.
Neues Joint Venture in Kroatien
Während Analysten streiten, treibt Rheinmetall die internationale Expansion voran. Am 8. Juli 2026 stellte der Konzern ein neues Joint Venture vor: Rheinmetall Unmanned Vehicles d.o.o. Partner ist der kroatische Spezialist DOK-ING.
Das Ziel: Kroatien soll zu einem europäischen Zentrum für unbemannte Systeme werden. Die Gründung folgt auf eine Übernahme. Bereits am 1. Juli 2026 hatte Rheinmetall 51 Prozent an DOK-ING erworben.
Gründer Vjekoslav Majetić hält die restlichen 49 Prozent. Das neue Unternehmen verbindet die über 30-jährige Erfahrung von DOK-ING mit den globalen Fertigungskompetenzen von Rheinmetall. Forschung und Entwicklung bleiben in Kroatien.
Dort sollen künftig autonome Bodenplattformen entstehen. Geplant sind Systeme für Kampfunterstützung, Pionieraufgaben und Minenräumung.
Aufträge häufen sich, der Kurs fällt trotzdem
Die Kroatien-Partnerschaft reiht sich in eine Serie von Auftragsmeldungen ein. Rheinmetall meldet einen Auftrag nach dem anderen. Die Aktie fällt trotzdem weiter.
Ein zentraler Streitpunkt unter Beobachtern: Kann der Konzern seinen Auftragsbestand überhaupt abarbeiten? Goldman Sachs stellte genau diese Frage zum Auftragsbestand von mehr als 70 Milliarden Euro. Viele Beobachter sehen darin den entscheidenden Engpass für das Vertrauen der Investoren.
Das Problem betrifft nicht nur Rheinmetall. Die gesamte Rüstungsindustrie kämpft mit derselben Herausforderung.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Bei 993,00 Euro notiert die Aktie nur noch rund 10 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Dieses Tief von 902,50 Euro datiert vom 25. Juni 2026. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem September 2025 klafft eine Lücke von über 50 Prozent.
Auch die gleitenden Durchschnitte zeigen den Abwärtstrend deutlich. Die Aktie liegt 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand sogar rund 35 Prozent.
Der RSI von 37 signalisiert eine angeschlagene, aber noch keine extreme Verkaufslage. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 38 Prozent verloren. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich das Minus auf 46 Prozent, bei einer Marktkapitalisierung von aktuell 47,17 Milliarden Euro.
Q2-Zahlen als nächster Prüfstein
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die Quartalszahlen. Am 6. August 2026 will der Konzern mehr Klarheit zur Fregatten-Stornierung liefern.
Bis dahin bleibt die Lücke zwischen operativen Fortschritten und Kursentwicklung bestehen. Die Serie an Aufträgen der vergangenen Wochen hat das Anlegervertrauen nach der F126-Stornierung bislang nicht wiederhergestellt.
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