Rheinmetall Aktie: 60 Prozent Umsatzwachstum trotz F126-Ausfall
Rheinmetall verkraftet den Ausfall des Fregatten-Projekts F126 dank starkem Landgeschäft und politischer Rückenwind. Der Aktienkurs erholt sich deutlich.

- F126-Auftrag wegen Kostenexplosion gestoppt
- Landgeschäft mit Munitionsfabrik in Litauen
- Aktie erholt sich um 19 Prozent in einer Woche
- Quartalszahlen am 6. August erwartet
Ein verlorener Milliardenauftrag zwingt einen Konzern in die Knie. Wer das glaubt, irrt. Die Bundesregierung sagt das Fregatten-Projekt F126 wegen ausufernder Kosten endgültig ab. Ein Schock für die Marine. Für Rheinmetall bedeutet dieses Ereignis an der Börse aber kaum Gegenwind.
Die Aktie notiert am Freitagnachmittag bei 1.120,00 Euro. Das entspricht einem Plus von 1,30 Prozent zum Vortag. Der Markt wischt den Wegfall eines prestigeträchtigen Großauftrags einfach beiseite. Diese Gelassenheit verrät viel über die wahre Verfassung des Rüstungskonzerns.
Der Dämpfer auf See
Die nackten Fakten zum Projekt F126 lesen sich bitter. Die Kosten explodierten von ursprünglich zehn auf fast 18 Milliarden Euro. Daraufhin zog das Verteidigungsministerium die Reißleine.
Für Rheinmetall entsteht dadurch ein Umsatzrisiko. Bis zu 300 Millionen Euro könnten im Jahr 2026 im Auftragsbuch fehlen. Die Folge: Ein spürbarer Einschnitt in der mittelfristigen Planung.
Ein weiteres Problem kommt hinzu. Das Management verfehlte ein wichtiges Zwischenziel für das zweite Quartal. Ursprünglich rechnete der Vorstand mit neuen Aufträgen von rund 20 Milliarden Euro. Letztlich landete das Volumen lediglich im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich. Dennoch verfallen Investoren nicht in Panik. Sie blicken auf das intakte Fundament auf dem Festland.
Die wahre Stärke liegt auf dem Land
Rheinmetall gab kürzlich erste Eckdaten zum abgelaufenen Quartal bekannt. Der Konzern steigerte den Umsatz um mehr als 60 Prozent. Analysten reagieren entsprechend ruhig auf den Fregatten-Ausfall. Afonso Osorio von Barclays senkte sein Kursziel nur minimal auf 2.000 Euro. Er rät weiterhin zur Übergewichtung der Papiere.
Der Konzern zementiert parallel dazu seine Stellung an der NATO-Ostflanke. Im litauischen Baisogala baut Rheinmetall eine neue Fabrik. Die Investitionssumme liegt bei rund 300 Millionen Euro. Ab 2026 rollt dort schwere Artilleriemunition vom Band. Genau dieses Material fehlt Europas Armeen am dringendsten. Hinzu kommt ein frischer Großauftrag für das Flugabwehrsystem Skynex. Das Kerngeschäft auf dem Land läuft auf Hochtouren.
Makro-Politik stützt den Kurs
Der politische Druck von außen treibt diese Entwicklung massiv voran. US-Präsident Trump kritisierte die deutschen Rüstungsausgaben vor dem NATO-Gipfel scharf. Er nannte die europäischen Beiträge schlicht lächerlich.
Deutschland erhöht sein Verteidigungsbudget für 2025 zwar auf knapp 89 Milliarden Euro. Langfristig steht jedoch ein Ziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Raum. Für Rheinmetall bringt diese politische Debatte eine enorme Auftragssicherheit mit sich.
An der Börse sucht das Papier nach dem schweren Einbruch einen neuen Boden. Seit Januar verlor der Kurs gut 30 Prozent. Die Distanz zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro bleibt massiv.
Allerdings setzt sich die Aktie spürbar von ihren Tiefstwerten ab. Das Ende Juni markierte 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro liegt mittlerweile gut 24 Prozent entfernt. Allein in den letzten sieben Tagen gewann der Titel rund 19 Prozent hinzu.
Das operative Geschäft muss diese Erholung nun rechtfertigen. Am 6. August öffnet Rheinmetall die Bücher für das zweite Quartal. Dann präsentiert der Vorstand die detaillierten Zahlen. Das Management muss mit Fakten untermauern, wie das starke Landgeschäft die Lücke der Marine nahtlos schließt. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 49 Milliarden Euro vertrauen Anleger vorerst weiter auf das Fundament des Konzerns.
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