Rheinmetall Aktie: 650 Millionen für Pulverausbau
Rheinmetall treibt Pulverproduktion in Aschau massiv voran, stellt aber die Übernahme der Kieler Werft infrage. Quartalszahlen am 6. August im Fokus.

- Grundstein für neue Pulverfabrik gelegt
- Kapazität soll bis 2028 massiv steigen
- Übernahme der German Naval Yards unsicher
- Quartalszahlen am 6. August entscheidend
Die Rheinmetall-Aktie hat sich nach einem schwierigen Jahresverlauf wieder über die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro gearbeitet. Der Titel notiert aktuell bei 1.034,40 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen um 9,32 Prozent zugelegt. Zur alten Stärke ist das freilich noch weit: Zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, aufgestellt im Oktober vergangenen Jahres, klafft weiterhin eine Lücke von 48,46 Prozent. Seit Jahresbeginn steht für den Düsseldorfer Rüstungskonzern ein Minus von mehr als einem Drittel zu Buche.
Zwei Ereignisse bestimmen derzeit die Nachrichtenlage: der Ausbau der Pulverproduktion am Standort Aschau am Inn und ein Zögern bei der geplanten Übernahme der German Naval Yards Kiel. Beide Themen zeigen, wie unterschiedlich die Wachstumsstory des Konzerns derzeit ausfällt – auf der einen Seite massive Investitionen in die Munitionsfertigung, auf der anderen Unsicherheit im maritimen Geschäft.
Grundstein für Pulverfabrik in Aschau gelegt
Am Mittwoch legte Rheinmetall in Aschau am Inn den Grundstein für eine neue Pulverfabrik. Mit dabei waren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sowie Konzernchef Armin Papperger. Der Standort allein soll 350 Millionen Euro erhalten, konzernweit fließen 650 Millionen Euro in das Vorhaben.
Die Zahlen zeigen das Ausmaß des Ausbaus: Die Jahreskapazität soll von aktuell 1.700 Tonnen Pulver auf 4.200 Tonnen bis 2028 steigen, hinzu kommen mehr als fünf Millionen Formteile und über eine Million Treibladungsmodule pro Jahr. Die Belegschaft am Standort wächst dafür von derzeit mehr als 800 auf rund 1.400 Beschäftigte, die Werksfläche vergrößert sich von 90 auf 110 Hektar. Aschau ist Teil des konzernweiten Programms „Firepower“, das bis 2030 eine Gesamtkapazität von 20.000 Tonnen Pulver pro Jahr anpeilt – der bayerische Standort deckt damit einen zweistelligen Prozentanteil dieses Ziels ab.
Der Kapazitätsausbau kommt zu einer Zeit, in der Rheinmetall europaweit von hoher Nachfrage nach Rüstungsgütern profitiert. Für das Geschäftsjahr wird konzernweit ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent in Aussicht gestellt. Parallel wurde ein neues Digitalisierungszentrum angekündigt, das die Produktionsprozesse weiter straffen soll.
Zögern bei German Naval Yards Kiel
Deutlich zurückhaltender gibt sich der Konzern beim maritimen Zukauf. Rheinmetall stellt die geplante Übernahme der German Naval Yards Kiel infrage. Konzernchef Papperger stellte klar, dass es sich bislang lediglich um ein unverbindliches Angebot handle, laut Manager Magazin soll binnen vier bis fünf Wochen eine Entscheidung fallen.
Hintergrund ist der Stopp des Fregattenprogramms F-126 durch Verteidigungsminister Boris Pistorius im Juni. Ohne dieses Großprojekt verliert die Werft für Rheinmetall an strategischem Reiz. Für Anleger ist die Episode ein Hinweis darauf, dass nicht jedes Wachstumsfeld des Konzerns gleichermaßen robust läuft – während die Landsystem- und Munitionssparte boomt, bleibt das maritime Geschäft von politischen Beschaffungsentscheidungen abhängig.
Quartalszahlen am 6. August als nächster Prüfstein
Für die weitere Kursentwicklung dürfte der 6. August entscheidend werden. An diesem Tag legt Rheinmetall Quartalszahlen vor, die zeigen sollen, ob sich die jüngste Erholung der Aktie fortsetzt oder ob es sich lediglich um einen weiteren Erholungsversuch innerhalb eines längeren Abwärtstrends handelt. Der Relative-Stärke-Index von 47,5 signalisiert derzeit weder überkaufte noch überverkaufte Zustände, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 67,42 Prozent auf anhaltend große Kursausschläge hindeutet.
Am Markt gilt die Stimmung unter Analysten als grundsätzlich positiv, eine klare Trendbestätigung steht aber noch aus. Bis zur Vorlage der Halbjahreszahlen dürfte die Aktie damit zwischen Investitionsstory in Aschau und offenen Fragen rund um das Marinegeschäft schwanken.
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