Rheinmetall Aktie: 69 Boxer-Panzer zusätzlich bestellt

Rheinmetall sichert sich Folgeauftrag für Boxer-Panzer und kooperiert mit Boeing. Analysten bleiben trotz Kursrückgang optimistisch.

Die Kernpunkte:
  • Boxer-Panzer: 69 Fahrzeuge bestellt
  • Kooperation mit Boeing für Kampfdrohne
  • Umsatzplus von 69 Prozent im Q2
  • Analysten bestätigen Kaufempfehlungen

Rheinmetall meldet am heutigen Montag zwei neue Rüstungsgeschäfte binnen Stunden: einen Folgeauftrag für Boxer-Radschützenpanzer und eine Kooperation mit Boeing für eine Kampfdrohne. Parallel bekräftigt ein weiteres Analysehaus seine Kaufempfehlung.

Die Aktie selbst bewegt sich davon zunächst kaum beeindruckt und notiert bei 1.142,80 Euro, ein Minus von 0,23 Prozent gegenüber dem Vortag – ein Zeichen, dass der Markt operative Erfolge längst einpreist, während die Bewertung nach dem Kurssturz der vergangenen Monate im Fokus steht.

Auftragsdoppel am Montag: Boxer-Panzer und Kampfdrohne

Die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR hat über eine Optionsziehung aus einem bestehenden Rahmenvertrag 69 zusätzliche Boxer-Radschützenpanzer bestellt, gemeinsam entwickelt von Rheinmetall und KNDS. 35 Fahrzeuge gehen an Deutschland, 34 an die Niederlande. Der Zusatzauftrag reiht sich in eine lange Kette europäischer Boxer-Bestellungen ein und unterstreicht die Rolle des Fahrzeugs als Rückgrat mehrerer NATO-Armeen.

Zeitgleich hat Rheinmetall eine Kooperation mit Boeing bekanntgegeben. Ziel ist ein deutsches Integrationszentrum für die Drohne MQ-28 Ghost Bat, das die Fähigkeiten der Bundeswehr im Bereich bemannt-unbemannter Luftkampfteams, sogenannter Collaborative Combat Aircraft, beschleunigen soll.

Beide Meldungen fallen in eine Woche, in der Rheinmetall bereits mit der neuen Fregatten-Generation GMF140 für NATO-Marinen sowie mit einem Modernisierungsauftrag für die F123-Fregatten der Deutschen Marine am Standort Wilhelmshaven aufgetreten war.

Zusammen mit einem Entwicklungsauftrag der US-Armee für autonome, hybridbetriebene unbemannte Bodenfahrzeuge, den die US-Tochter American Rheinmetall Ende Juli erhalten hatte, zeigt sich ein Konzern, der sein Portfolio über Land-, Luft- und Seesysteme hinweg gleichzeitig ausbaut.

Q2-Zahlen zeigen kräftiges Wachstum – bei belastetem Cashflow

Fundament für die aktuelle Auftragsdynamik bildet der Halbjahresbericht, den Rheinmetall am Donnerstag vorgelegt hatte. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu und übertraf damit die Markterwartung von 469,9 Millionen Euro deutlich.

Der Auftragsbestand kletterte auf einen Rekordwert von 80,5 Milliarden Euro, während die Nominierungen für neue Aufträge im Quartal um 476 Prozent auf 11,37 Milliarden Euro sprangen.

Diesem Wachstum steht eine belastete Kapitalseite gegenüber. Konzernchef Armin Papperger bestätigte am Sonntag, dass Rheinmetall im zweiten Quartal Vorräte im Wert von 6,2 Milliarden Euro aufgebaut hat, um den Produktionshochlauf abzusichern.

Als Folge rutschte der operative Free Cashflow auf minus 1,33 Milliarden Euro. Für Anleger bedeutet das: Das Wachstum ist real, wird aber derzeit über hohe Vorfinanzierung erkauft – ein Muster, das sich bei einem Rüstungskonzern in einer Hochlaufphase häufig zeigt, aber die kurzfristige Kapitalbindung erhöht.

Analysten sehen trotz Kursrutsch weiter Potenzial

Warburg Research bestätigte heute nach Sichtung der endgültigen Quartalszahlen die Kaufempfehlung für Rheinmetall. Analyst Christian Cohrs nennt ein Kursziel von 1.500 Euro.

Bereits am Freitag hatte die Deutsche Bank ihre Einstufung mit „Buy“ und einem Kursziel von 1.800 Euro bekräftigt; Analyst Christoph Laskawi verweist auf ein stabiles Risikoprofil trotz veränderter Visibilität beim Auftragseingang.

Weitere Häuser bewegen sich in einer ähnlichen Spanne: UBS sieht das Papier bei 1.600 Euro und wertet die Anpassung der Auftragseingangsziele auf 100 bis 120 Milliarden Euro als konservative Planung, während JPMorgan und Jefferies mit 1.350 beziehungsweise 1.300 Euro etwas zurückhaltender kalkulieren.

Der breite Analystenkonsens bleibt damit trotz der jüngsten Kursverluste optimistisch. Die Aktie liegt aktuell rund 43 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das sie im Oktober erreicht hatte.

Diese Diskrepanz zwischen operativer Auftragslage und Kursniveau dürfte erklären, warum mehrere Häuser ihre Kaufempfehlungen trotz gesunkener Visibilität beim künftigen Auftragseingang unverändert lassen: Sie sehen im aktuellen Kurs mehr Risikoabschlag als in den Geschäftszahlen selbst begründet ist.

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