Rheinmetall Aktie: 72 RCH-155 für British Army

Rheinmetall übertrifft Erwartungen im zweiten Quartal, investiert aber stark in Kapazitäten. Analysten sehen Kurspotenzial, während der Aktienkurs sich erholt.

Die Kernpunkte:
  • Quartalszahlen übertreffen Markterwartungen
  • Auftragsbestand über 80 Milliarden Euro
  • Neuer Artillerieauftrag aus Großbritannien
  • Aktie erholt sich nach schwachem Jahresstart

Rheinmetall steuert auf einen entscheidenden Termin zu: Am 6. August legt der Düsseldorfer Rüstungskonzern seinen detaillierten Ausblick vor. Vorab zeichnet sich ab, dass Umsatz und operatives Ergebnis im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen haben. Der Auftragsbestand liegt inzwischen bei mehr als 80 Milliarden Euro – ein Polster, das die Wachstumsstory des Unternehmens weiter untermauert.

Kapazitätsausbau drückt auf den Cashflow

Trotz der starken operativen Entwicklung sorgt ein Detail für Diskussionen unter Anlegern: die negativen Cashflows. Grund dafür ist der laufende Ausbau der Produktionskapazitäten, unter anderem durch ein neues Pulverwerk. Wer stark investiert, bindet zunächst Kapital – die entscheidende Frage für Investoren ist, wie sich dieser Effekt in der für Donnerstag angekündigten Prognose niederschlägt. Der Markt reagierte zuletzt nervös auf diese Gemengelage: An einem Handelstag Ende Juli gab die Aktie im schwachen Gesamtmarkt rund zwei Prozent ab und rutschte kurzzeitig unter ihre 50-Tage-Linie.

Jefferies sieht deutliches Aufwärtspotenzial

Bei Jefferies überwiegt der Optimismus. Analystin Chloe Lemarie stufte das Papier am 29. Juli auf „Buy“ mit einem Kursziel von 1.300 Euro ein. Begründet wird das Votum mit einem operativen Ergebnis, das den Marktkonsens deutlich übertraf, sowie einem Umsatz, der rund vier Prozent über den Erwartungen lag. Die Einschätzung passt zum Bild eines Konzerns, dessen operatives Geschäft schneller wächst als von vielen Beobachtern angenommen.

Neuer Auftrag aus Großbritannien

Parallel zur Zahlenerwartung sorgt ein konkreter Vertragsabschluss für positive Nachrichten. Rheinmetall erhielt einen Auftrag im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich für 72 Waffenanlagen der Radhaubitze RCH 155 für die British Army. Die britische Regierung hatte die Bestellung bereits im Mai aufgegeben, der eigentliche Auftragseingang erfolgte im zweiten Quartal. Gefertigt wird das System in einer neuen Geschützfertigung im britischen Telford. Die RCH 155 gilt als besonders wehrfähig, weil sie während der Fahrt schießen kann – ein Detail, das für moderne Artilleriekonzepte an Bedeutung gewinnt. Der Auftrag reiht sich in eine Serie internationaler Bestellungen ein, die den milliardenschweren Auftragsbestand des Konzerns weiter füttern.

Kursbild zwischen Erholung und Jahresverlust

An der Börse hat sich das Papier zuletzt spürbar erholt. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 1.145,00 Euro, nach einem Plus von 10,74 Prozent innerhalb einer Woche. Damit liegt der Kurs rund 3,35 Prozent über seiner 50-Tage-Linie – ein Signal, dass sich der kurzfristige Trend nach den schwächeren Wochen zuvor wieder aufgehellt hat. Der Blick auf die längere Frist relativiert die Erholung allerdings: Seit Jahresbeginn steht für die Aktie noch immer ein Minus von 26,25 Prozent zu Buche.

Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Dynamik und Jahresbilanz macht den 6. August zum Schlüsseltermin. Bestätigt das Management die operative Stärke aus dem Auftragsbestand mit einer überzeugenden Prognose, dürfte das die jüngste Erholung weiter stützen. Bleiben die Aussagen zum Cashflow jedoch vage, könnten Anleger die Investitionsphase kritischer bewerten als bislang. Für ein Unternehmen, das seinen Auftragsbestand kontinuierlich ausbaut und gleichzeitig massiv in Kapazitäten investiert, wird die kommende Woche zur Nagelprobe.

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