Rheinmetall Aktie: 72 Waffenanlagen für britische RCH 155
Rheinmetall sichert sich britischen Auftrag über 72 Waffenanlagen für Radhaubitzen. Zusätzlich beauftragt die US-Armee die Tochter mit autonomer Logistik.

- Britischer Auftrag über 72 Waffenanlagen
- Auftragswert im niedrigen dreistelligen Millionenbereich
- US-Armee beauftragt American Rheinmetall mit autonomer Logistik
- Aktie erholt sich trotz Abstand zum Höchststand
Rheinmetall hat von Großbritannien einen neuen Rüstungsauftrag erhalten. Der Düsseldorfer Konzern liefert 72 Waffenanlagen für die britischen RCH 155 Radhaubitzen, wie am Freitag bekannt wurde. Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, der Auftrag ging bereits im zweiten Quartal 2026 ein.
72 Waffenanlagen für die British Army
Großbritannien hatte die 72 Systeme im Mai 2026 bestellt. Die RCH 155 ist ein Produkt der ARTEC GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland, das den Auftrag über die europäische Beschaffungsorganisation OCCAR vergab. Die Radhaubitze kombiniert das Fahrgestell des GTK Boxer mit der Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000 und verfügt über die Fähigkeit, während der Fahrt zu feuern.
Rheinmetall produziert die Waffenanlagen am Standort Telford in England. Die Auslieferung ist zwischen Mai 2028 und Juni 2031 vorgesehen, der Lieferumfang umfasst neben den 72 Anlagen auch Bordwerkzeuge, Ausbildungsunterlagen und technische Dokumentation. Die Waffenanlage vom Typ 155 Millimeter L/52 RC durchläuft aktuell die Qualifizierung durch Deutschland und Großbritannien – ein Schritt, der dem britisch-deutschen Rüstungsprogramm eine gemeinsame technische Grundlage gibt.
Der Markt reagierte auf die Meldung zunächst positiv: Die Aktie zog im Tagesverlauf am Freitag zeitweise an, bevor sie ihre Gewinne im weiteren Handel wieder abgab. Zum aktuellen Stand notiert das Papier bei 1.138,80 Euro und gibt damit um 0,45 Prozent nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 10,14 Prozent, das den jüngsten Erholungstrend der Aktie unterstreicht. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, das Anfang Oktober 2025 markiert wurde, bleibt die Aktie mit einem Abstand von 43,26 Prozent aber weit entfernt.
Zweiter Auftrag aus den USA
Parallel zur britischen Order meldete auch die US-Tochter American Rheinmetall einen neuen Kontrakt. Die US-Armee beauftragte das Unternehmen im Rahmen des Programms „Project Sustainment“ für 18 Monate mit der Weiterentwicklung autonomer Logistikfähigkeiten. Konkret geht es um hybride, autonome unbemannte Bodenfahrzeuge für den Nachschub, die American Rheinmetall gemeinsam mit einem Konsortium aus Harbinger, Forterra und Primordial Labs entwickelt und liefert. Der Auftrag enthält Optionen auf Folgeaufträge, sollte sich das System in der Erprobung bewähren.
Beide Aufträge fügen sich in eine Serie militärischer Beschaffungsprogramme in Europa und den USA ein, von denen Rheinmetall in den vergangenen Monaten wiederholt profitiert hat. Für Anleger bestätigt die Häufung solcher Meldungen die grundsätzliche Nachfragedynamik im Rüstungsgeschäft, auch wenn die Einzelaufträge selbst – wie im Fall der Waffenanlagen für die RCH 155 – finanziell überschaubar bleiben.
Bewertung bleibt unter Druck
Trotz der jüngsten Erholung von rund einem Zehntel binnen einer Woche bleibt die Aktie von ihren früheren Höchstständen deutlich entfernt. Der Kurs notiert weiterhin unter dem 100-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt, was auf einen noch nicht abgeschlossenen mittelfristigen Abwärtstrend hindeutet. Die erhöhte Schwankungsbreite der vergangenen Wochen zeigt, dass der Markt einzelne Auftragsmeldungen zwar honoriert, das Gesamtbild der Aktie aber von der Neubewertung der Rüstungsbranche insgesamt geprägt bleibt.
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