Rheinmetall Aktie: 80 Milliarden Euro Auftragsbestand
Rheinmetall verzeichnet starkes operatives Wachstum, senkt aber die Prognose wegen des gestrichenen Fregattenauftrags. Der Auftragsbestand bleibt hoch.

- Umsatzplus von 39 Prozent im Halbjahr
- F126-Storno senkt Jahresprognose
- Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro
- Free Cashflow fällt deutlich negativ aus
Rheinmetall hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die zwei Geschichten gleichzeitig erzählen: einerseits ein operatives Rekordhalbjahr mit kräftig steigenden Margen, andererseits eine nach unten korrigierte Jahresprognose infolge der Stornierung des Fregattenprogramms F126. Der Rüstungskonzern bewegt sich damit zwischen Wachstumseuphorie und den Nachwehen eines verlorenen Großauftrags.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro, das operative Ergebnis kletterte sogar um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Allein im zweiten Quartal legte der Umsatz um 69 Prozent auf 3.289 Millionen Euro zu, das operative Ergebnis verdoppelte sich nahezu auf 562 Millionen Euro. Die operative Marge im Konzern kletterte von 13,4 auf 17,1 Prozent – ein Beleg dafür, dass die massive Kapazitätsausweitung der vergangenen Jahre zunehmend auf die Ergebnisrechnung durchschlägt. Das Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäftsbereichen stieg auf 8,43 Euro nach 4,69 Euro im Vorjahreszeitraum.
F126-Stornierung kostet 300 Millionen Euro Umsatz
Getrübt wird das Bild durch die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums, das Fregattenprogramm F126 zu stornieren. Rheinmetall musste deshalb seine Umsatzprognose für den Marinebereich 2026 um 300 Millionen Euro kappen und die Konzern-Guidance von zuvor 14,0 Milliarden Euro auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro anpassen. Das organische Wachstum soll dennoch bei 28 bis 31 Prozent liegen, die operative Marge bei rund 19 Prozent bestätigt bleiben. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem operativen Ergebnis von 2.676 Millionen Euro, einem Plus von 45 Prozent, sowie einem Ergebnis nach Steuern von 1.594 Millionen Euro, was einer Steigerung von 129 Prozent entspräche. Die Dividende soll auf 15,60 Euro je Aktie steigen, ein Zuwachs von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Auftragsbestand liefert dabei den eigentlichen Gegenpol zur gekappten Prognose: Zum 30. Juni 2026 überschritt er die Marke von 80 Milliarden Euro. Getragen wurde das Wachstum unter anderem von einem Loitering-Munitions-Vertrag mit der Bundeswehr sowie einem EU-SAFE-Paket mit Rumänien. Für das Gesamthalbjahr meldete Rheinmetall zudem Auftragsnominierungen von 16,2 Milliarden Euro, nach 12,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum – ein Plus von 28 Prozent. Auch operativ blieb das Bestellbuch zuletzt gefüllt: Mitte Juli orderte die Bundeswehr 56 weitere Elefant-2-Schwerlasttransporter im Bruttowert von 60,5 Millionen Euro, wenige Tage zuvor kam ein 100-Millionen-Euro-Auftrag zur Digitalisierung landgestützter Operationen hinzu.
Cashflow bricht ein, Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich
Der Preis für das Wachstum zeigt sich beim Cashflow: Der operative Free Cashflow rutschte im ersten Halbjahr auf minus 1.616 Millionen Euro, nach minus 631 Millionen Euro im Vorjahr. Rheinmetall begründet die Belastung mit verschobenen Kundenanzahlungen, gestiegenen Forderungen und einem gezielten Vorratsaufbau im Zuge der laufenden Kapazitätsausweitung.
An der Analystenfront zeichnete sich am Freitag ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild ab. Deutsche Bank und UBS bestätigten ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von 1.800 beziehungsweise 1.600 Euro, Jefferies beließ es bei „Kaufen“ mit einem Ziel von 1.300 Euro und hob dabei die Margenentwicklung hervor. Berenberg-Analyst George McWhirter senkte sein Kursziel von 1.750 auf 1.600 Euro, hielt aber an der Kaufempfehlung fest. JPMorgan blieb dagegen bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt gefasst: Am Freitag schloss sie bei 1.145,40 Euro, ein moderates Minus von 0,40 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 7,71 Prozent zu Buche, während das Papier seit Jahresbeginn noch 26,22 Prozent im Minus liegt. Vom im Oktober erreichten 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro bleibt die Aktie damit weiterhin deutlich entfernt.
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