Rheinmetall Aktie: 986,60 Euro nach Kurszielkürzung

Trotz gesenkter Kursziele von Bank of America und Berenberg verzeichnet Rheinmetall einen Kursanstieg. Neue Milliardenaufträge und Partnerschaften stützen den Rüstungskonzern.

Die Kernpunkte:
  • Kursziel von BofA auf 1.300 Euro gesenkt
  • Milliardenschwere Aufträge aus Großbritannien
  • Kooperation mit Lockheed Martin geplant
  • Prognose für Auftragseingang gesenkt

Rheinmetall-Aktien legen am Freitag um 3,03 Prozent zu und erreichen 986,60 Euro – und das ausgerechnet an dem Tag, an dem Bank of America ihr Kursziel für den Düsseldorfer Rüstungskonzern kräftig zurückgenommen hat. Analyst Benjamin Heelan senkte die Zielmarke von 1.770 Euro auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei Buy. Als Begründung nennt Heelan einen strukturellen Wandel der Kriegsführung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen, der die langfristigen Erwartungen an das klassische Munitionsgeschäft dämpfe. Trotz der Kürzung bleibt die Aktie damit knapp über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst vor wenigen Wochen erreicht wurde – der Abstand dazu beträgt gut 9 Prozent. Seit Jahresbeginn steht unter dem Strich weiterhin ein Kursrückgang von 36,47 Prozent.

Auftragsflut als Gegengewicht zur Zielkorrektur

Die Kurszielsenkung von BofA reiht sich ein in eine bereits am 8. Juli erfolgte Reduktion durch Berenberg-Analyst George McWhirter, der die Zielmarke von 1.750 auf 1.600 Euro senkte, ebenfalls bei Buy-Einstufung. Auslöser dafür war die Streichung der Fregatten 5 und 6 des Programms F126 durch die Bundesregierung, die Rheinmetall mit einem potenziellen Umsatzverlust von bis zu 300 Millionen Euro belastet.

Dem stehen jedoch mehrere neue Aufträge und Kooperationen gegenüber, die das operative Geschäft stützen. Erst am Mittwoch unterzeichnete Rheinmetall eine Absichtserklärung mit dem norwegischen Staatsunternehmen Space Norway zur gemeinsamen satellitengestützten Überwachung der Arktis – geliefert werden X-Band-Radardaten über das Joint Venture Rheinmetall ICEYE Space Solutions. Bereits am 13. Juli hatte das britische Verteidigungsministerium bestätigt, dass Rheinmetall als Teil des von Raytheon UK geführten „Omnia-Training-Konsortiums“ einen 15-jährigen Großauftrag zur Digitalisierung der Gefechtsausbildung der britischen Armee erhält. Der auf Rheinmetall entfallende Anteil beläuft sich laut Zeit Online auf knapp 1,0 Milliarden Euro.

Parallel dazu übernimmt die Tochtergesellschaft Rheinmetall MAN Military Vehicles im Auftrag des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr die Gesamtverantwortung für das Forschungsprojekt „InterRoC VII“ zur Erprobung autonomer militärischer Lkw-Konvois. Bereits am 9. Juli hatten Rheinmetall und MBDA Deutschland den Zuschlag für ein Hochenergie-Laserwaffensystem der Deutschen Marine erhalten, dessen Auftragswert im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegt und dessen Einsatzbereitschaft für 2029 geplant ist. Anfang Juli meldete das Unternehmen zudem einen Erstauftrag eines neuen internationalen Kunden über vier Skynex-Flugabwehrsysteme im Wert von mehreren hundert Millionen Euro.

Auch international baut Rheinmetall seine Partnerschaften aus: In Zagreb präsentierte der Konzern das Joint Venture „Rheinmetall Unmanned Vehicles“ als Teil einer langfristigen Industriepartnerschaft mit Kroatien im Bereich unbemannter Bodensysteme. Und laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa unterzeichnete Rheinmetall mit Lockheed Martin eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Raketen in Europa – eine Fertigungslinie soll am Standort Unterlüß entstehen.

Prognose angepasst, Jahresziel bestätigt

Anfang Juli hatte Rheinmetall seine Prognose für den Auftragseingang im zweiten Quartal 2026 nach unten korrigiert: Statt der zuvor avisierten rund 20 Milliarden Euro erwartet der Konzern nun einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag. An der Jahresprognose für 2026 hält das Unternehmen jedoch fest. Ein Signal für Zuversicht kam zudem von der Konzernspitze selbst: Vorstandsvorsitzender Armin Papperger erwarb über seine Beteiligungsgesellschaft ATP Holding GmbH Rheinmetall-Aktien zu einem Durchschnittskurs von rund 953 Euro – ein Niveau, das nur wenig unter dem aktuellen Kurs liegt.

Formal informierte Rheinmetall zudem über eine neue Gesamtzahl der Stimmrechte von 46.789.567 nach der Ausgabe von Bezugsaktien. Anleger blicken nun auf den 6. August, wenn der Konzern seinen Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 veröffentlicht – dann dürfte sich zeigen, wie sich die angepasste Auftragsprognose in den Zahlen niederschlägt und ob die zuletzt gestrichenen Kursziele der Analysten dauerhaft Bestand haben.

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