Rheinmetall Aktie: Arminius-Projekt treibt Panzerwerk voran

Rheinmetall verliert deutlich an der Börse, während Investitionen in Kassel und ein hoher Auftragsbestand den operativen Ausblick stützen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt fast zehn Prozent
  • Über 260 Millionen Euro für Kassel
  • Boxer-Projekt mit Milliardenvolumen geplant
  • Marinebereich prüft alternative Programme

Die Rheinmetall-Aktie steckt in einer Abwärtsspirale. Am Freitag verlor das Papier 3,2 Prozent und schloss bei 1.036,00 Euro – ein Wochenverlust von fast zehn Prozent. Damit notiert der Titel rund 48 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober und liegt auch klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.398,02 Euro. Anleger diskutieren bereits, ob die runde Marke von 1.000 Euro fällt.

Der Kursverfall wirkt paradox, denn operativ liefert der Rüstungskonzern weiter Großprojekte ab. Am Freitag bestätigte Rheinmetall eine Investition von über 260 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts Nordhessen – dort soll am Kassel Airport ein Defence Hub entstehen.

Parallel treibt der Konzern das „Arminius“-Projekt voran: In Kassel soll nach Angaben von Business Insider das größte Panzerwerk Europas gebaut werden. Die erste Bestellrunde der Bundeswehr für mehr als 1.500 Boxer-Fahrzeuge hat laut dem Bericht ein Volumen von 12,4 Milliarden Euro, der mögliche Gesamtrahmen liegt zwischen 14 und 26 Milliarden Euro.

Die Belegschaft am Standort soll bis Ende 2028 von 2.200 auf 3.000 Beschäftigte wachsen, die Jahresproduktion auf bis zu 500 Boxer steigen. Der Umsatzbeitrag des Werks könnte sich damit von 1,5 auf rund 5 Milliarden Euro mehr als verdreifachen. Eine Entscheidung darüber soll noch im September fallen.

Gesenkte Prognose belastet trotz vollem Auftragsbuch

Dass der Kurs trotz dieser Perspektiven abstürzt, liegt an einer gesenkten Umsatzprognose für 2026 und an Verzögerungen bei einzelnen Projekten. Der Auftragsbestand von Rheinmetall liegt zwar bei über 80 Milliarden Euro, doch Experten mahnen laut Berichten zur Vorsicht und nennen ein Einstiegsniveau erst ab etwa 940 Euro als attraktiv.

Der RSI von 35,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie, die Volatilität liegt annualisiert bei hohen 39 Prozent – ein Zeichen für die Nervosität im Handel.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die Marinesparte. An der Peene-Werft in Wolgast, die zu Rheinmetall gehört, droht nach dem Aus des F126-Programms ab Mitte 2027 eine Unterauslastung. Rund 400 direkte Arbeitsplätze und bis zu 800 im Umfeld des Werftgeländes stehen im Raum.

Rheinmetall prüft nach eigenen Angaben Alternativen bei anderen Marineprogrammen, während als möglicher Ersatzauftrag das Schiffsmodell MEKO A-200 von TKMS mit Kosten von etwa 1,6 Milliarden Euro pro Einheit gehandelt wird.

Makroumfeld verschärft den Druck

Der Kursrutsch fällt in eine Woche, in der auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld belastet: Die Bundesregierung senkte ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 0,5 Prozent, begründet mit einem Energiepreisschock durch die Blockade am Persischen Golf. Steigende Ölpreise – Brent notierte über 95 US-Dollar – und Zinssorgen drückten zuletzt auf den gesamten DAX, der die Woche dennoch über 26.000 Punkten beendete.

Für Rheinmetall-Anleger bleibt die kommende Woche richtungsweisend: Am 8. September präsentiert Morgan Stanley eine Einschätzung, tags darauf folgen Jefferies und Bernstein, am 10. September steht der Auftritt beim Gabelli A&D Symposium an. Ob diese Termine der Aktie neuen Halt geben, dürfte sich rasch zeigen – der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von aktuell 5,5 Prozent lässt der Erholung wenig Spielraum.

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